Am
nächsten Morgen herrschte im Speisesaal eine angespannte Stimmung. Der Lehrer
betrat genervt den Raum und allein durch seine Präsenz verstummten die Schüler.
Er holte Sebastian und die anderen beiden Mädchen, welche an der Tragödie
beteiligt waren, mit nach Vorn. Er hielt ihnen vor versammelter Schülerschaft
einen Vortrag über das Grundgesetz und Menschenrechte. Er sagte bestimmend:
"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für sie alle. Merken sie
sich das für ihren weiteren Weg. Und nun werden sie drei sich bei Herrn Brady
entschuldigen". Dabei betonte er die Ansprache "Herr" besonders
deutlich. Nachdem Sebastian und die hochnäsigen Zicken eine lieblose
Entschuldigung hingekotzt hatten, richtete der Lehrer nochmals das Wort an die
Klasse und versuchte ihnen Morris Bradys Situation zu erklären und warum sie
ihn, obwohl sie nun wussten, dass er eine sie war, trotzdem als einen
männlichen Mitmenschen behandeln sollten. Zudem fügte er hinzu, dass sie den
Rest des Tages Freizeit hätten.
Vivienne
seufzte. Sie war wahnsinnig müde und hatte kaum geschlafen. Dass das Thema,
welches sie sowieso schon die ganze Nacht wach hielt, gleich vor dem Frühstück
erneut zur Sprache kam, verdarb ihr den Appetit. Was sollte sie nun den ganzen
Tag anstellen? Sie wusste gerade nichts mit sich oder Mo anzufangen. Sie war
wieder Single. Nicht nur die Tatsache, dass Mo transgender war, sondern auch
dass Sebastian sie so mies abservierte, musste sie erstmal verarbeiten
Den Morgen wollte Morris nicht aufstehen. Er wollte
einfach so liegen bleiben als sein Wecker klingelte. Dennoch schälte er sich
aus der Decke und griff nach der Folie. Das würde ein beschissener Tag werden.
Das Material war kalt und es war schwer zu atmen als es fest an seinem
Oberkörper klebte. Doch lieber wäre er erstickt als ohne das Zimmer zu
verlassen. Draußen rauchte er noch ruhig eine Zigarette, versuchte sich selbst
zu wapnen, für das was er befürchtete was nun folgen würde. Der Weg zum
Speisesaal schien endlos lang zu sein und Morris war froh, hier noch niemanden
an zu treffen. Die Gespräche seiner Mitschüler wurden leiser, verstummten teils
völlig als er den Raum betrat. Sein Magen zog sich zusammen wie schon am Abend
zuvor. Stumm, den Blick auf den Boden gerichtet, so das ihm die Haare ins Gesicht
vielen und keinen Blick auf eben dieses boten, setzte er sich einfach. Er hatte
das Gefühl nackt vor einer Jury zu stehen. Kein schönes Gefühl. Und keins, das
ein Mensch haben sollte. Die Gespräche wurden wieder lauter und verstummten
erneut als die Lehrkraft den Raum betrat. Zum ersten Mal sah Mo hoch. Das war
das erste Mal das sich ein Lehrer für ihn stark machte. Der Mann hielt
schon fast eine Rede über die Würde und Morris Situation. Na ja jetzt wussten
es ohne hin alle, und mit offenen Karten zu spielen war wahrscheinlich das Beste.
Sebastian und seine Weiber mussten sich entschuldigen, und am liebsten hätte Mo
gesehen dass sie an ihren Worten erstickt wären. Auf diese ironischen Worte der
kleinen Gruppe hätte er auch durch aus verzichten können. Nach der Ansprache
aßen die Schüler. Morris hingegen erhob sich kurz darauf wieder, und verschwand
auf dem Korridor. Wieder hätte er so los heulen können. Doch diesmal schaffte
er es, den Kloß in seinem Hals zu schlucken. Dennoch war da dieses ekelhafte Gefühl
in ihm. Das wieder über seinen Kopf entschieden wurde wann und wem er sich
outete. Wieder war es erzwungen. Das Feuerzeug klickte als er auf dem Innenhof
ankam und seine Kippe anzündete. Er wollte nach Hause.
Als Morris den Raum verließ, empfand Vivienne nichts weiter als Abscheu. Es war eine andere Art, als jene, die sie für Sebastian empfand. Diese ging irgendwie viel tiefer. Ihre Mine war zu Stein erstarrt, sie hatte ihre Mauern höher denn je gezogen.
Diese
letzte Nacht hatte sie verändert. Und das Ergebnis war ein Eisklotz mit
wallendem Feuerhaar. Ihr war alles egal geworden. Sie wollte an sich nur noch
ihre Ruhe, nach Hause in ihr Zimmer und sich hinter die Bücher klemmen. Denn
wenn sie lernte musste sie nicht mit der Außenwelt, dem realen Leben
konfrontiert werden. Vivienne wollte sich eine Zigarette gönnen. Sie schnappte
sich noch eine Banane aus dem Obstkorb und nahm sie mit auf ihr Zimmer, wo sie
diese dann mit ihrer Kippenpackung austauschte. Nahm sie wieder die Feuertreppe
oder den Hauptausgang? Mo wollte sie auf keinen Fall begegnen. Letztendlich
entschied sie sich für den Hauptausgang. Sie begab sich in Richtung der
Sitzgruppen und stellte sich unter den hölzernen Pavillon. Sie stand mit dem
Rücken zu den Tischtennisplatten, weshalb sie Mo nicht sehen konnte.
Immer
wieder gingen ihr dieselben Gedanken durch den Kopf. Sie hatte Mo an sich ran
gelassen, hinter die Mauern und er nutzte es aus um...ja was eigentlich? Das
einzige was sie wusste war, dass sie sich hintergangen fühlte. Er verheimlichte
ihr wohl die wichtigste Information über sich und küsst sie anschließend auch
noch. Vivienne hatte eine Frau geküsst. Diese Tatsache bestürzte sie
zutiefst.
Sie zog
an ihrer Zigarette und ein Hauch von Wehmut und Mitleid drang in ihr
Bewusstsein, gemeinsam mit dem Rauch des Glimmstängels. Nun führte sie sich zum
ersten Mal vor Augen, dass Sebastian ein richtiger Arsch zu Mo gewesen ist. Wie
hatte er ihn nur behandelt? Bloßgestellt. Unter vollster Gewalt. Vivienne hat
noch genau das Bild vor Augen wie Mo mit tränenüberlaufenem Gesicht in
Sebastians Gewalt hing. Völlig entblößt. Wer tat so etwas Grausames nur? Doch
schon beim nächsten Zug an der Kippe verwehten diese Gedanken wieder. Es
änderte alles nichts an der Tatsache, dass er nicht ehrlich war.
Morris starrte einfach nur ins Leere und zog an seiner
Kippe. Vivienne hatte er nicht wahrgenommen, noch nicht. Und selbst wenn
wahrscheinlich hätte er sich nicht getraut mit ihr zu reden, scheiße er wollte
es ihr sagen, in der Nacht, als er vor ihrer Tür stand. Erst als er Schritte
vernahm sah er hoch, ein Mädchen stand vor ihm, Franziska, wenn er den Namen
richtig drauf hatte. Unsicher, dennoch angenehm warm lächelnd hielt sie ihm
eine Tasse Kaffee hin. "Du warst so schnell weg" Meinte die Dunkelhaarige
dann und Morris schien kurz mehr als nur perplex zu sein. Nahm die Tasse
allerdings kurz darauf, mit einer gesunden Priese Skeptiker an. Das Mädchen
strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Die Aktion von Sebastians
Clique war ziemlich beschissen" Sie trat seinen Stein zur Seite und der
Tattoowierte schien sich wieder kleiner machen zu wollen. Es war nicht nur die
Tatsache des Outings die ihm diese Situation so unerträglich machte. Es war
diese Demütigung und diese ungewollten Berührungen von Sebastian die Mo immer
wieder schlecht werden ließ. "Shit Happens" Murmelte er schließlich
nur und nippte an dem Kaffee. Sie unterhielten sich schließlich doch recht nett
und Franziska schien es ziemlich locker zu nehmen, die Sache mit der
Transexualität. Allerdings sprach die Brünette dann ein Thema an, das Morris
grad besser werdende Laune wieder etwas in sich zusammen sacken ließ.
"Vivienne und du, redet ihr nicht mehr miteinander?". Morris zuckte
mit den Schultern und schnippte seine Kippe weg. "Scheint so" Die
Tatsache tat ziemlich weh, und dieser Gedanke fraß sich in seinen Kopf ob sie
noch reden würden, wenn er die Chance gehabt hätte, sie wahrgenommen hätte
vorher mit Vivienne zu reden. "Vielleicht redest du mal mit ihr?"
Franziska nickte etwas zur Seite und Mo wand sich um, blickte in die Richtung
in welche das Mädchen genickt hatte und zuckte kurz zusammen, nur um schnell
den Blick wieder weg zu wenden. Er hatte nicht gemerkt das Vivienne auch hier
saß? Seit wann saß sie da? Die Brünette nahm Mo den mittlerweile leeren
Kaffeebecher ab und zuckte mit den Schultern. "Mehr als versuchen kann man
es nicht oder?" Mit diesen Worten ging sie und unsicher biss sich der
Tattoowierte auf die Unterlippe. Scheiße. Mit diesem ekelhaften Gefühl der
Aufregung und Unsicherheit im Magen schritt er dann schließlich, nach
gefühltem, ewigem Zögern auf Vivienne zu. "Können wir kurz reden..."
Seine Stimme war brüchig und man hörte wie zittrig sie war.
Irgendwie
hatte Vivienne bereits damit gerechnet, dass sie heute keine Ruhe bekommen
würde. Als die hohe Stimme des Schwarzhaarigen erklang, schloss sie kurz
genervt ihre Augen und drehte sich darauf hin zu ihm um. Er sah schlecht aus.
Aber sie sah wahrscheinlich kein Bisschen besser aus, nachdem sie die halbe
Nacht auf den kalten Tischtennisplatten verbrachte.
Tonlos
trat sie ihre Zigarette aus um sich sofort eine neue anzustecken. Wartend
blickte sie den Jungen an. Sie hatte eigentlich keine Lust, mit ihm zu reden,
was sie ihn auch spüren lies, indem sie ihn einfach wortlos mit hochgezogener
Augenbraue anblickte. In ihr kroch wieder diese Wut hoch, sie würde Mo jetzt am
liebsten einfach wegschieben. Vivienne zog stark an der Zigarette und drehte
sich leicht weg. Letztendlich erbarmte sie sich doch und fragte Mo: "Mit
was willst du nun wieder meine wertvolle Zeit vergeuden?".
Vivienne strafte
Morris schon fast mit Missachtung und wieder bildete sich dieser Kloß in seinem
Hals. Wieso war sie jetzt so beschissen kalt zu ihm? Er hatte keinem wehgetan,
er hatte doch einfach nur etwas Zeit gebraucht sich zu öffnen. Die Worte die
der Rotschopf dann ins Freie ließ trafen den kleineren hart. Vielleicht sogar
härter als die Worte von Sebastian gestern. Und kurzzeitig starrte er das
Mädchen nur ungläubig an ehe er sich zu fangen schien und ein kurzes
"Bitte?" Ausstieß. Was fuhr sie für einen Film? Er wollte ihr das
ganze doch nur erklären. Doch nach diesem Satz war ihm dieser Wunsch doch
gründlich vergangen. Er hätte wahrscheinlich wieder angefangen zu heulen, wenn
er sich nicht fest von innen auf die Wange gebissen hätte. Er vergeudete also
ihre Zeit? Er vergeudete ihre beschissene Zeit? Das war alles was sie jetzt
sagen konnte? Sie hatte gesehen was Sebastian mit Mo getan hatte, sie hatte es
verdammt nochmal gesehen, und alles was sie jetzt sagte war, das Morris ihrer
Zeit stahl? Seine Hand strich ihm fahrig die dunklen Strähnen aus dem Gesicht
und er wusste nicht was er jetzt sagen sollte. Am liebsten hätte er sie jetzt
wahrscheinlich angeschrien. Doch er beherrschte sich, lediglich das zittern seiner
Hände und das beben seines Brustkorbes verriet das es in ihm toben musste.
"Ich vergeude deine Zeit?" Ungläubig wiederholte er diesen Satz, fast
so als hätte er sich verhört. "Nett. Wirklich unglaublich nett...."
Seine Gedanken rasten und er suchte die richtigen Worte, doch immer wenn er
einen Gedanken zu fassen bekam, entglitt er ihm auch direkt wieder.
Vivienne
konnte nicht recht verstehen, was Mo von ihr wollte. Für sie war das Ding eben
gegessen. Jeder hatte seine eigenen kleinen Problemchen. Und wenn seines dieses
war, dass er versuchte etwas zu sein, was er nicht ist, dann müsse er nun auch
damit zu Recht kommen dass man sein wahres Gesicht nun sah. Vivienne wurde
zunehmend wütender, als Mo ihr auch noch diese rhetorische Frage nach ihrer
Zeit stellte. Sie antwortete matt: "Gut, dass eine rhetorische Frage
keiner Antwort bedarf."
Vivienne
rauchte wie ein Schlot und wünschte sich eigentlich nur, dass der
Schwarzhaarige ging. Aber die Höflichkeit ihn reden zu lassen besaß Vivi dann
doch noch.
"Nein. Bedarf es nicht" Morris Gesichtszüge
änderten sich, die Unsicherheit und noch ansatzweise vorhandene Wärme wich
einer starren Maske. "Weist du eigentlich wollte ich dir jetzt so einen
Scheiß erzählen wie, es tut mir leid dass ich es dir nicht gesagt habe" Er
lachte Zynisch. "Aber ich glaube, dazu bin ich mir doch zu schade, auch
wenn Sebastian mir und meiner Würde gestern schön eins reingebrettert hat, aber
ein wenig Würde ist mir dann doch erhalten geblieben" Vivienne machte ihn
rasend, er verstand einfach nicht warum er jetzt bestraft wurde? Warum er jetzt
der Dumme war? Er begriff sie nicht und sein Mund war wieder einmal schneller
als sein Kopf. "Du hast keinen beschissenen Grund mich so zu behandeln.
Das hier" Er deutete auf seinen Oberkörper. "Ist meine Sache, es ist mein beschissener
Körper und mein beschissenes Leben und ich entscheide wen ich wann etwas davon
erzähle." Erneut dieses sarkastische schnauben, er hob seine Arme leicht
und ließ sie wieder fallen. "Und es geht nicht in meinen Schädel warum du
jetzt sauer auf mich bist? Weil es dir nicht gesagt habe? Ich wollte es dir sagen. Gestern Nacht, bevor
Sebastian mich in die Duschen geschleppt hat, ich stand verdammt nochmal vor
deiner beschissenen Tür. Aber glaubst du wirklich das ist so einfach jemandem
sowas zu sagen?" Er fischte zittrig eine Kippe raus und steckte sie sich
an, selbst wenn Vivienne jetzt etwas sagen würde, es würde ihn nicht stoppen.
"Ich erzähl dir mal was Vivi" Der Qualm verließ seine Lippen.
"Tu mir mal den Gefallen, steh du mal bitte Morgens auf, schau in den
Spiegel und sieh etwas das du nicht bist, leb bitte mal einen Tag damit jeden
Tag gedemütigt zu werden, dauernd die Schule wechseln zu müssen wegen
irgendwelchen Kackbratzen wie deiner beschissenen Clique, die es unheimlich
lustig fanden wie Sebastian mir seine scheiß Zunge in den Hals gesteckt hat.
Setz dir mal als Kind eine Rasierklinge an den Arm weil
du dich selbst nicht ertragen kannst, weil du hoffst, wenn du jetzt stirbst
gibt Gott dir vielleicht den richtigen Körper, mach das mal bitte einen Tag
mit, das Menschen die du liebst, dich weg schubsen als wärst du ansteckend.
Selbst deine Familie verachtet dich und zu irgendwelchen Festen wirst du erst
gar nicht eingeladen. Mach das mal, kämpf mal für dein Recht existieren zu
dürfen. Für das Recht deinen Namen ändern zu dürfen, leg dich unters Messer und
mach diese Schmerzen mit. Steh mal jeden Morgen auf mit dem Gefühl in einem
Kriegsgebiet zu stehen. Tu mir den Gefallen, mach das mal, und dann geh
mal zu einem Menschen den du liebst, und erzähl ihm, als würdest du übers
scheiß Wetter reden, das du im falschen Körper steckst" Der Salzige
Geschmack breitete sich im Mund des Jungen aus, Tränen drangen ihm zwischen die
Lippen, während er sprach und benetzten sie. Seine Sicht war verschwommen.
"Und genau deswegen hatte ich so eine scheiß Angst dir das zu sagen, weil
ich Angst hatte das du mich genau so behandelst wie du es jetzt tust"
Seine Stimme wurde lauter, doch brüchig, zittrig. Er konnte sich kaum mehr
zusammen reißen. "Weil ich Angst hatte das all die Dinge die wir geredet
oder getan haben dann nichts mehr wert sind. Bin ich jetzt ein anderer Mensch
nur weil du's jetzt weißt? Ist der Tag am Meer jetzt weniger schön gewesen weil
ich verdammt noch mal Brüste habe die ich nie wollte? Sind unsere Gespräche
jetzt unnötig geworden nur deswegen? Ich hatte Angst du siehst mich als Frau
wenn du es weist." Er Fischte sein Portemonnaie raus, knallte seinen
Personalausweis auf die dreckige Tischtennisplatte, auf welchem als Geschlecht
eindeutig Männlich stand. "Vielleicht hab ich es schwerer als andere
Männer, aber das macht mich nicht weniger zu einem" Immer wieder brach
seine Stimme ab. "Ich hab dich nie belogen. Alles was ich gesagt habe
meinte ich so, alles was ich getan habe, habe ich getan weil ich dich Mag. Und
selbst jetzt wenn du da sitzt, mich mit deiner beschissenen Arroganz anstarrst
kann ich dich nicht, nicht mögen. Nicht nur du hast jemanden an dich heran
gelassen Vivienne. Aber weist du was" Er nahm sich seinen Perso wieder,
ging einige Schritte Rückwärts und deutete auf sie, "Ich bin mir und
meinen Prinzipien dabei immer treu gewesen. Und ich habe nicht einfach irgendjemanden
Gefickt von dem ich behauptet hatte er wäre ein Idiot, den ich offensichtlich
nicht liebe. Als ich dich geküsst habe, habe ich das getan weil ich in dem
Moment nichts lieber auf dieser scheiß Welt machen wollte. Weil du mir das
Gefühl gegeben hast ich könnte dir vertrauen, weil ich nur Schwachsinn rede
wenn du da bist, weil sich mein ganzer Tag immer nur um dich gedreht hat und
weil du mir das Gefühl gegeben hast ich wäre okay. Das ich nichts ansteckendes
bin, das man umgehen muss" Erneut schnippte er seine Kippe weg.
"Beschissenerweise hab ich mich da wohl echt getäuscht. Und jetzt, kannst
du mich gerne weiter ignorieren. Ich bin es ja Gott sei Dank
gewöhnt" Mit diesen Worten wand er ihr einfach den Rücken zu,
wischte sich über die Augen und rannte schon fast zu seinem Zimmer, in welchem
er nun begann seine Sachen zu packen. Er musste hier weg, Jetzt!
Morris
wütete wie ein Sturm. Sein Brustkorb bebte und so auch seine hitzige Stimme.
Vivienne konnte und wollte zunächst nicht mit der Situation umgehen. Doch als.
Sie den Kleineren weinen sah, merkte sie dass sie ihm Unrecht getan hatte.
Durch seine Worte wurde sie nachdenklich und realisierte, dass sie es all die
Zeit nie anders gemacht hat. Um zu Sebastian und den anderen zu gehören
versteckte sie ihr wahres Gesicht ebenso. Sie wurde traurig und fühlte sich
schuldig. Doch dann trafen Mos Worte sie wie ein Blitz mitten ins Herz. Hatte
er ihr gerade seine Liebe gestanden? Vivienne war nicht in der Lage zu atmen,
geschweige denn damit umzugehen was hier geschah. Noch ehe sie irgendwas sagen konnte,
rannte Mo weg und lies sie sprachlos und verletzt zurück. Das geschah ihr wohl
recht. Morris hatte mit der Sache zwischen ihr und Sebastian einen wunden Punkt
getroffen. Alles was sie je wollte war, nicht einsam sein zu müssen. Und Mo
hatte Unrecht. Sie hatte bereits jemanden verloren den sie liebte. Ihre Mutter
verstieß sie, weil sie eigentlich nie ein Kind wollte und lies Vivienne mit
ihrem Vater allein zurück. Sie wollte nie einsam sein, doch genau dieser Fall
ist jetzt eingetreten. Nur weil sie so beschissen darauf beruhte, dass niemand
ihr zu nah kam. Und nun war auch Mo weg. Der Damm in ihrem Inneren brach und
eine Flut an Tränen brach aus ihren Augen. Sie krümmte sich und presste ihre
Hand vor den Mund. "Was hab ich getan?“, schoss es ihr aus dem Kopf. Sie
hatte den einzigen Menschen, dem sie was bedeutete, aus ihrem Leben geekelt.
Achtlos warf der Tattoowierte seine Sachen in seine
Reisetasche. Irgendwie musste er hier weg, das war alles zu viel für ihn.
Scheiße er hätte einfach zuhause bleiben sollen. Und ausgerechnet Vivienne war
der einzige Grund gewesen das er mit zur Klassenfahrt gekommen war. Er hatte
das Gefühl zu ersticken. Umso länger er an diesem Ort war, umso weniger schien
er Luft zu bekommen. Alle wussten es, und immer wieder kamen diese Bilder in
seinen Kopf von der Aktion die Sebastian abgezogen hatte. Scheiße woher wusste
der überhaupt Mo's richtigen Namen? Er hatte doch immer so gut aufgepasst diese
Dinge für sich zu behalten. Und was sollte diese Nummer mit dem Kuss? Allein
der Gedanke an Sebastians feuchte Lippen ließen den Tattoowierten schlecht werden.
Er hatte so eine Angst gehabt in diesem Moment. Sebastian hätte sonst etwas tun
können, er wäre hilflos gewesen. Wieder verschwamm seine Sicht und er hockte
sich auf den Boden, neben die Tasche und fischte zitternd sein Handy aus seiner
Hosentasche. Seine Finger tippten eine Nummer ein, kurz danach ertönte die
helle Stimme seiner Mutter. "Mama?" Erneut schluckte er den Kloß in
seinem Hals. Die Frau am anderen ende seufzte genervt und Mo konnte sich
bildlich vorstellen wie sie dort Stand, im Flur, sich die Haare aus dem Gesicht
streichend, wie er es auch immer tat, und mit dem Telefonkabel spielend.
"Kann mich bitte jemand abholen?" Die stimme des Jungen zitterte,
klang weinerlich. Die frau am anderen ende schwieg kurz ehe sie ein "Wieso?"
in den Hörer preschte. Mo presste seine Freie Hand gegen seine Stirn. "Ich
will einfach nach hause... bitte, mein Auto steht an der Schule sonst würde ich
selbst fragen" Wieder konnte er die Tränen nicht zurück halten.
"Heulst du?" Konnte seine Mutter sich nicht einmal so verhalten? Wie
eine Mutter. "Mama bitte hol mich einfach ab" Er wollte ihr nichts
erklären er wollte nur das sie her kam, ihn einsammelte, das er wieder in sein
eigenes Zimmer konnte, in seine eigene Festung. "Na, bist du mal wieder
'ufgeflogen'?" Die Stimmer der Frau schien fast schon belustigt, "Ich
hab dir gesagt das diese ganze Scheiße die du da abziehst nur Probleme macht.
Ich hab's dir gesagt. Du wolltest das alles so, dann musst du die
Konsequenzen jetzt auch tragen. Wenn du diesen Mist endlich lassen
würdest..." Schön, das war genau das, was Mo jetzt brauchte. Auch noch von
seiner Mutter abgewiesen zu werden. Verdammte hatte sich denn die ganze Welt
gegen ihn gestellt? "Weist du was Mama, vergiss es, tut mir leid, dass ich
angerufen habe" Das Gespräch wurde beendet und der Aufprall des
Mobiltelefons auf dem Boden bescherte ihm einen weiteren Riss im Display. Mo
beugte sich etwas, kauerte sich zusammen und presste seine Hände fest gegen
sein Gesicht. "Fuck" Flüsterte er nur leise ehe er einige Male tief
durchatmete und sich dann wieder erhob. Schön. Dann müsste er eben versuchen so
lange hier aus zu halten bis sie wieder alle gemeinsam heimfuhren. Nun von
einer Wut gepackt die sich in seinem Genick fest biss erhob er sich, nahm sich
seine Kippen und ging wieder raus. Stockte als er dort ankam. Wieso musste
Vivienne hier noch sitzen? Konnte sie sich nicht verpissen? Irgendwo anders hin
gehen wo er sie nicht sehen musste? Egal. Er würde jetzt einfach an ihr vorbei
gehen, sie genauso missachten wie sie ihn. Doch als er ihr näher kahm verflog
die Wut genauso schnell wie sie gekommen war. Vivi weinte. Wortlos ging
er auf sie zu, und wie schon damals im Auto reichte er ihr einfach ein
Taschentuch. Er hatte keine Ahnung was er tun sollte, er wollte sie nicht
trösten, sollte sie doch heulen. Aber es tat ihm so weh sie so zu sehen. Als
sie es nahm wand er ihr einfach wieder den Rücken zu, stellte sich etwas
abseits und zog an seiner Kippe. "Wenn du weiter so heulst bekommst du
Kopfschmerzen..." Er sah sie nicht an, doch, und obwohl der Satz
vielleicht nicht sehr Freundlich erschien, zeigte seine Stimme wieder die alte
Wärme. Dummerweise konnte er selbst jetzt nicht anders zu ihr sein.
Alle Anspannung,
die sich in ihr gesammelt hatte viel von ihr ab. Sie fühlte sich als hätte sie
sich selbst den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein dicker Kloß im Hals verhinderte,
dass sie richtig atmen konnte. Sie schluchzte und japste nach Luft, während ihr
die Tränen unentwegt in den Mund liefen und auf ihre Kleidung tropften. Alles
stürzte auf sie ein. Nicht nur die Tatsache, dass sie so eklig zu Mo war, nicht
nur, dass Sebastian Mo das angetan hatte oder dieser ihr nichts von seinem
Geschlecht sagte. Nicht nur die Tatsache mit welchem Rachegedanken Sebo sie
abserviert hatte. Auch die Tatsachen, dass sie sich ihr Leben lang verstellt
hat und versucht hat etwas zu sein, was sie nie war. Auch das brach auf sie
hinein.
Als
Vivienne im Augenwinkel eine weiße Bewegung sah, blickte sie auf. Es war Mo, der
ihr ein Taschentuch hinhielt. Es war, als hätte diese Aktion ihr das Letzte
gegeben. Sie nahm das Taschentuch und weinte noch bitterlicher als zuvor schon.
Ihre Ohren fühlten sich taub an, weshalb sie nicht verstand, was der andere zu
ihr sagte.
Vivi
versuchte zu sprechen aber unter all den Schluchzern verstand man kein Wort.
Dabei wollte sie Mo doch nur sagen, wie unendlich Leid ihr die ganze Geschichte
tat. Sie blickte ihn an, sah ihn aber nicht. Sie musste erbärmlich aussehen.
Aber sie konnte einfach nicht aufhören zu weinen. So sehr sie es auch wollte,
die Tränen wollten nicht versiegen.
Gott Viviennes weinen brach dem Tattoowierten das Herz.
Vielleicht hätte er ihr diese ganzen Dinge nicht gegen den Kopf schmeißen
sollen, für sie war das ganze sicher auch nicht leicht. Und obwohl Morris noch
immer sauer auf Viviennes Verhalten ihm gegenüber war, kam er nicht umhin sich
an deren Tränen schuldig zu fühlen. Er hatte keine Ahnung was er tun sollte,
sowas überforderte ihn immer, und vor allem wenn er sich schuldig fühlte.
Langsam wand er sich zu ihr, stand nun direkt vor ihr, Mo hatte noch immer
nicht den Geringsten Hauch einer Idee wie er nun handeln sollte, doch wie immer
tat er einfach das, was sein Gefühl ihm sagte. Vorsichtig legte er seine Hand
auf ihre Schulter, es gab ja nur zwei Möglichkeiten, entweder sie scheuerte ihm
eine oder eben nicht, also zog er das auf der Tischtennisplatte sitzende
Mädchen einfach in seine Arme, die Kippe, von der er nicht einmal 4 Züge
genommen hatte, warf er in der Bewegung einfach achtlos weg. "Es tut mir
leid was ich gesagt habe grade eben..." Er wollte nicht dass sie sich nun
seinetwegen schlecht fühlte, es war einfach diese dumme Angewohnheit von ihm,
wenn er sauer war, einfach los zu preschen ohne nach zu denken. "Aber echt
du musst aufhören zu weinen ich kann damit wirklich nicht umgehen.“ Ein mattes,
schwaches Lächeln lag auf seinen Lippen, ihre Nähe tat einfach so unglaublich
gut, auch wenn dieser Moment nicht als einer der Schönsten in seine Erinnerung
eingehen würde.
Dass
Morris sich nun an ihrer Stelle entschuldigte stellte Viviennes ohnehin schon
entrückte Welt auf den Kopf. Immer wieder "nein" sagend fiel sie dem
Schwarzhaarigen um den Hals. Dass ausgerechnet dieser jetzt ihre Schulter zum
Anlehnen sein würde, grenzte an Ironie. Fest hielt sie den schmalen Körper umschlossen,
wobei ihre Tränen Mos Shirt ganz feucht werden ließen. Die Körperwärme des
Anderen beruhigte sie tatsächlich. „Es tut mir so leid, es tut mir einfach so
unendlich leid. Bitte...bitte verzeih mir!“, wimmerte sie leise in sein Ohr.
Als ein
letzter Schluchzer erklang, versiegte auch langsam die letzte Träne. Sie
blickte über Mos Schulter in Richtung des Parkplatzes und sah Sebastian dort
laufen mit seinen Sachen. Die Traurigkeit wich und zurück blieb nur die Wut.
Sie löste sich sanft von Mo, lächelte ihn an und sprang auf. Sie versetzte
ihren Körper in einen Sprint und raste auf Sebastian zu. Sie schubste ihn hart
und schrie ihn an. Sie rastete vollkommen aus, trommelte mit ihren Fäusten auf
ihn ein. "Du mieser Schweinehund. Was hast du getan? Ich hasse
dich...". Sebastian war so perplex dass er gerade mal schützend die Hände
heben konnte.
Irritiert von Viviennes heftiger Reaktion war der
Schwarzhaarige einen Moment lang unfähig etwas zu erwidern oder gar zu handeln,
erst kurz darauf löste er sich aus seiner Starre. "Hey alles gut, ist
okay". Sicher, in seiner Gefühlswelt war noch nichts wirklich okay, und er
war noch weit, weit entfernt von 'alles gut', doch Vivienne schien wirklich
mehr als fertig zu sein und in solchen Momenten war es eben manchmal wichtiger
dinge die gesagt oder getan wurden ruhen zu lassen. Der Rotschopf weinte
bitterlich und zögernd strich Mo ihr über den Rücken, wusste gar nicht recht
was jetzt zu tun war. Das Mädchen beruhigte sich langsam wieder und plötzlich
löste sie sich auch schon wieder und rannte los. Was zum? Verwirrt wand Morris
sich um, sah ihr nach, es dauerte einen Moment ehe er begriff was hier los war.
"Oh man Vivi" Stöhnte er als er auch schon Fersengeld gab. Je näher
er Sebastian und ihr kahm umso unsicherer wurde er. Allein in dessen Nähe zu
sein war für ihn fast unerträglich dennoch zog er die Rothaarige sanft und doch
bestimmt weg. "Hör auf damit" Er stand nun fast zwischen Sebastian
und Vivienne. "Du handelst dir damit nur ärger ein Vivi" Grade sie
als Schülersprecherin sollte sich in so einer Situation nicht sehen lassen.
Mo's Unsicherheit war, trotz seiner Bestimmtheit und Bemühung seine Stimme Fest
klingen zu lassen deutlich fühlbar. Sebastian hatte es geschafft, dass der
Tattoowierte durch aus so etwas wie Angst vor ihm spürte. "Lass uns
einfach gehen bitte" Sein Blick war auf Vivi gerichtet während er
versuchte den größeren einfach aus zu blenden.
Es schien als hätte Vivienne sich nicht mehr unter Kontrolle,
als könne sie mit dem plötzlichen Ansturm an Gefühlen gar nicht umgehen. All
die Jahre zuvor war sie dahingegen emotionslos und kalt. Doch jetzt wütete sie
wie das Feuer, welches sich bereits bei der Geburt ihrer angenommen hatte.
Morris versuchte sie wegzuziehen, sie zu beruhigen und zur Vernunft zu bringen.
Doch in ihrer ganzen Rage schrie sie auch noch Mo an: "Wie kannst du nur
so ruhig bleiben? Ist es dir denn egal was dieser Bastard mit dir gemacht
hat?". Sie zeigte mit dem Zeigefinger auf Sebastian, welcher verwundert
dreinblickte. So hatte Vivienne wohl noch niemand erlebt.
Am liebsten hätte sie Sebastian die Fresse eingeschlagen, aber
dafür war sie nicht stark genug. Mit einem letzten gekreischten "Verpiss
dich aus meinem Leben“, lies sie dann endlich von Sebo ab. Ihr Bauch war noch
immer so voller Wut, ihr Herz aber noch so voll Trauer und dann sah sie Mo an.
Er blieb ruhig und behielt einen kühlen Kopf. "Ach Mist. Was mach ich
nur?" sie rieb sich mit den Handballen die Augen. Wo war ihre Contenance
nur geblieben? Vivienne misste sie gerade sehr. Es war ihr so unglaublich peinlich,
dass sie so ein wandelndes Gefühlspack war, dass sie schon wieder hätte weinen können,
doch zum Glück aller färbte sich ihr Gesicht nur dunkelrot. Sie lies Sebastian ziehen,
er würde von seinen Eltern noch genug Ärger bekommen.
Die Worte der Rothaarigen
zogen nicht Spurlos an Mo vorbei, kurz kamen die Bilder wieder in seine
Gedanken doch er schüttelte sie weg. Von diesem Erlebnis würde er lange etwas
haben. Und das nicht im Positiven Sinne. "Nein ist es nicht Vivienne, aber
es bringt dir nichts, dich jetzt hier auf zu führen wie eine Furie, also komm
bitte wieder runter" Der Rotschopf schrie Sebastian noch ein letztes Mal
an ehe sie dann endlich wieder zur Vernunft zu kommen schien und von dem
Größeren abließ. Sie rieb sich die Augen und Mo lächelte matt. "Geht's
wieder?" Klar Vivi hatte wahrscheinlich einfach mal dampf ablassen müssen,
konnte ja auch ganz gut tun, aber vielleicht sollte sie einen besseren Weg
finden das zu tun, als auf ihren Exfreund los zu gehen. "Vielleicht
solltest du dich hinlegen..." Das Mädchen sah ziemlich mitgenommen und
müde aus. Der Tattoowierte sah nur einmal kurz zu Sebastian, wie dieser von
dannen zog. Zu gern hätte er miterlebt was dessen Verhalten für Konsequenzen
hätte. Der Größere konnte froh sein das Mo ihn nicht anzeigte. Denn mit dessen
Aktion hatte er sich definitiv strafbar gemacht. Allerdings war Morris viel zu
sehr darauf bedacht sich so wenig Stress wie nur irgend Möglich in sein Leben
zu holen das er davon- Zu Sebastians Glück- lieber absah. Es würde ja ohne hin
nichts bringen.
Vivienne stimmte Mo zu. Er hatte Recht behalten, sie hatte nun
vom vielen Weinen Kopfschmerzen und ihre Lider fühlten sich schwer an. Sie nahm
gedankenlos Mos Hände in ihre und sah ihn in die Augen. Wieder legte sich diese
Traurigkeit in ihren Blick. "Hör zu, ich versteh hier gar nichts mehr. Ich
weiß nicht wo mir der Kopf steht, aber was ich weiß ist, dass ich dich wirklich
mag. Bitte lass mich nicht mehr allein.". Sie nahm Morris in den Arm. Es
fühlte sich richtig und falsch zugleich an.
Sie wollte ihn bei sich behalten, doch andererseits war sie so
aufgewühlt dass sie nicht wusste wie sie mit Mo umgehen sollte. Trotzdem fragte
sie: "Magst du mit auf mein Zimmer kommen?"
Die Reaktionen des
Rotschopfes waren für Mo nicht immer ganz verständlich in diesem Moment, so das
er etwas länger zu brauchen schien das alles richtig ein zu schätzen. Ihre
Hände umfassten seine, durch die Aufregung sehr kalten Hände und ihre Worte
zogen irgendwie schon fast an ihm vorbei, Sie mochte ihn? Und wollte dass er
sie nicht alleine ließ? Jetzt auf einmal? Nach dem sie so unglaublich kalt zu
ihm war? Seine Gedanken drehten und wanden sich wie eine Schlange die ihre
Beute erlegt. Ihr diese Worte zu glauben fühlte sich einfach so falsch an. Er
war doch nichts, das man sich nahm wenn man es brauchte und wenn man es nicht
brauchte legte man es weg? Aber er wusste auch dass es für seine Mitmenschen
oft schwer war seine Situation zu verstehen und viele reagierten dann eben so.
Sie nahm den Tattoowierten in den Arm, etwas das er in diesem Augenblick nicht erwiderte.
Leicht schob er sie wieder von sich weg. "Hör zu Vivienne. Ich denke du
solltest schlafen. Allein" Und obwohl er diese Worte jetzt sagte, verlor
er dabei nicht an Wärme, schließlich meinte er es nicht als Angriff. Es war
lediglich eine Art Selbstschutz. "Ich glaube es wäre nicht gut wenn ich
mit komme. Zumindest wäre es für mich nicht gut." Er konnte sich gut
vorstellen das seine Anwesenheit ihr helfen würde, aber für ihn wäre es wie
eine Folter, bei ihr zu sein, und sich selbst nicht einmal bewusst zu sein was
er wollte. Was er konnte. Er wusste nicht einmal ob er eine Freundschaft
hinbekam, zumindest wusste er es jetzt noch nicht. "Sei mir nicht böse,
aber ich brauch einfach ein wenig Abstand... zumindest für Heute."
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