Montag, 2. Juni 2014

Oo CHAPTER 10 oO In these Words

Nachdem die Klassenfahrt vorzeitig beendet wurde, versuchte jeder Schüler für sich dem Alltag wieder nachzugehen. Auch Vivienne versuchte die letzten Tagein denen sie wieder daheim war, immer und immer wieder Normalität walten zu lassen.
Die Turbolenzen die sie auf der Klassenfahrt mitmachen musste ließen ihre Mauern bis zum Grund einstürzen, was auch dazu führte, dass Vivi ihre Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hatte. 
Während Morris' Identität aufgedeckt wurde, hatte Vivienne ihre völlig verloren. Immer und immer wieder versuchte sie die einzelnen Bausteine ihrer Mauer zusammen zu setzen, doch keiner passte mehr auf den anderen. Sie war noch mehr in Gedanken als sonst, wirkte gar zerstreut.
In der Schule versuchte sie dem Unterricht zu folgen, doch ihre Augen hingen meist nur auf Mo. Die Pausen verbrachten sie nach wie vor rauchend am Schultor, doch es war so viel anders als damals. Vivienne bemühte sich, Mo so zu behandeln wie sie es sonst auch getan hatte, aber dieser wirkte sehr distanziert, was es ihr schwer machte, ihm nah zu sein oder einfach nur zu wissen, wie sie sich in seiner Gegenwart benehmen oder fühlen sollte. Auch wenn Mo ihre Entschuldigung angenommen hatte, so verfolgte Vivienne das Gefühl, dass noch immer etwas an dem Schwarzhaarigen nagte.


 Den ersten Tag nach der Klassenfahrt wieder zur Schule zu kommen, kostete Morris mehr Überwindung als er erwartet hatte. Er war einen kurzen Moment in der Überlegung gewesen einfach an der Schule vorbei zu fahren. Den Sieg wollte er allerdings keinem gönnen und so war er dann doch gegangen. Wirklich offene Angriffe hatte es nicht gegeben. Nur immer wieder mal, wurde ihm sein Geburtsname hinter her gerufen, selbst von Schülern die nicht in seinen Kursen waren, sowas sprach sich eben rum. Einige Schüler tuschelten wenn er an ihnen vorbei ging doch Morris war bemüht all das nicht an sich heran zu lassen, sie wussten es eben nicht besser. Sie kannten das alles wahrscheinlich nicht und es gab keinen der ihnen diese Sache erklärte. Dennoch wäre es gelogen zu sagen das es ihn nicht traf. Allerdings gab es auch einige Schüler die auf ihn zu kamen, mit ehrlichen Fragen, die er ihnen auch bereitwillig beantwortete. So hatte er auch schon die ein oder andere Person kennen gelernt, mit denen er sich in den Pausen auch immer wieder kurz unterhalten konnte. Diese Jugendlichen liefen zwar unter dem 'Stempel' Weirdos und Außenseiter, aber das war wohl das letzte was Morris interessierte. Er mochte gerade die Menschen die sich nicht anpassten denn meistens waren das auch die Tolerantesten. Ansonsten war es am meisten Spürbar das er nun geoutet war, doch das Verhalten seiner Mitschüler, mit denen er mehr zu tun hatte, die, in den selben Kursen waren. Die Mädchen behandelten ihn anders, und die Jungen eben auch. Es war so, als passe er nun auf keine Seite und würde irgendwie dazwischen stehen. Kein schönes Gefühl, doch er hatte auch schon schlimmeres Erlebt. Den Mädchen, die bei Sebastians Aktion dabei waren, versuchte Morris weitestgehend aus dem Weg zu gehen, nicht einmal weil er sauer war, es war mehr die Tatsache das er noch immer mit dieser Immensen Scham zu kämpfen hatte, die jedes mal wieder so brutal auf ihn einschlug wenn er diese Tussen sah. Vivienne und Morris standen wie auch vor der Klassenfahrt immer gemeinsam draußen am Tor und rauchten, dennoch war spürbar das keiner der beiden wirklich wusste wie sich nun zu verhalten war. Mo verließ das Gefühl nicht das Vivienne ihn anders behandelte, was dazu führte das er sich weiter distanzierte, was wiederrum wahrscheinlich der Grund war, das Vivi sich so verhielt wie sie es eben tat. Ein ätzender Kreislauf den keiner durchbrach. Noch nicht. Vielleicht wusste sie auch einfach nicht wie sie mit ihm umgehen sollte? Wieso fragte sie nicht einfach? Immer wieder wenn der Tattoowierte den Rotschopf ansah drehten sich seine Gedanken. Und wieso schaffte er es nicht, wieder so mit ihr zu reden wie vorher? Und wieso war er denn noch immer so sauer auf sie? Die Sache war doch geklärt. Langsam zog er seine Zigaretten aus der Tasche, bot Vivienne eine an und steckte sich dann selbst eine an. "Wen haben wir gleich?" Fragte er dann in das Schweigen hinein. Die Frage war eher rhetorisch, er wusste welchen Unterricht sie gleich hatten, aber der Rotschopf wusste ja nicht, dass er das wusste. Und er wollte einfach mit ihr reden. Egal worüber.


Wieder am Tor stehend und mehr oder minder gemütlich eine rauchend, war eine Konversation zwischen Mo und Vivi eher nur ein kläglicher Versuch. "Bei wem wir jetzt haben? Puh...ich glaube wir haben Englisch?! Ich muss zugeben ich weiß es nicht so richtig. Ich werde mich wohl überraschen lassen müssen." 
Noch immer beobachtete Vivienne Mo viel, aber nun eher um ihn einfach besser kennen zu lernen. Sie konnte sich nur schwer vorstellen, wie Mo wohl als Monique aussehen würde, auch wenn sie ihn halbnackt in den Duschen gesehen hatte. Das was sie von ihm wusste passte nicht mehr mit dem Bild zusammen was sie sah. Verkleidete Mo sich nur? Wollte er sich unters Messer legen? Warum wollte er nicht mehr Monique sein? All diese Fragen plagten Vivi, gepaart mit all den Dingen und Vorwürfen, welche er ihr bei den Tischtennisplatten auf Klassenfahrt an den Kopf geworfen hatte. 
Vivienne musste oft daran denken, wie Mo war als sie sich das erste Mal im Club trafen. So nett und wirklich cool. Die hohe Stimme damals hat sie nicht stutzig werden lassen. Vivienne hatte den Jungen, den Mo darstellt wirklich so gern gehabt, dass ihr nichts aufgefallen war, keine Anzeichen, die sie hätten vorbereiten können auf den Schock, welcher dann doch heftiger eintraf als erwünscht.
Sie seufzte und riss sich selbst wieder aus den Gedanken und trat ihre Zigarette mit der Fußspitze aus.


 Das mit der Unterhaltung hatte ja wunderbar geklappt. Kurz holte Morris Luft, wollte etwas sagen, entschied sich dann aber doch dagegen. Er mochte diese Kälte nicht die zwischen ihm und Vivienne lag. Und er bereute es, ihr nicht früher die Wahrheit gesagt zu haben. Vielleicht wäre es dann anders zwischen ihnen? oder hätte sie dann auch so reagiert wie jetzt? Er hätte alles dafür gegeben einen Moment in ihren Kopf sehen zu können. Er hätte zu gern gewusst was sie dachte, wie sie ihn jetzt sah. Ob er für sie nach wie vor Morris war, oder ob sie ihn nun ewig als Monique sehen würde? Wobei Ewig ja auch eine Frage der Auslegung war, da der Tattoowierte sich dessen bewusst war, das er nur noch auf das offizielle Okay warten musste, dann könnte er endlich mit den Hormonen anfangen. Und wenn er das erstmal geschafft hatte, dann würde sich auch sein Äußeres noch ändern, dann wäre es für ihn leichter, den Alltag zu meistern. Die Pause verging und die beiden redeten nicht mehr wirklich viel. Nur immer wieder irgendetwas kurzes Belangloses. Nichts im Vergleich zu ihren Gesprächen vor der Klassenfahrt. Es war einfach zu viel passiert.
Dinge die man nicht einfach ungeschehen machen konnte.  Die restlichen Schulstunden vergingen ähnlich zäh und die Pausen waren nicht anders. Sie rauchten, und sie schwiegen sich an. Der Schulschluss war so schon fast eine Art Rettung. Relativ gelassen packte Morris seine Schulsachen ein. Er hatte schließlich Zeit. Draußen auf dem Schulhof kramte er seinen Schlüssel aus seinem Rucksack und ging zu den Parkplätzen. Vivi stand noch am Tor, sie war schon früher aus der Klasse verschwunden. Allerdings war es ebenso schon fast ein Ritual das sie nach der Schule noch eine rauchten, wie in den Pausen. "Soll ich dich mitnehmen?" Fragte der dunkelhaarige dann und spielte mit den Schlüsseln an dem Bund herum. Rauchen würde er jetzt keine, seit der Binder kaputt geschnitten wurde, musste er auf Folie zurückgreifen. Und die war nicht das Beste für Lunge und Rücken, so dass er ohne hin schlechter Luft bekam, und lieber mal auf eine Kippe verzichtete.


Vivienne überlegte länger darüber nach, als sie wollte. "Ich weiß nicht...ist das denn okay für dich?". Sie seufzte und blickte auf ihre Füße. "Ich glaube wir sollten reden. Und zwar richtig. Irgendwas ist doch mit dir. Es ist alles so seltsam und anders seit der Klassenfahrt."
Warum sagte sie das jetzt? Wieso musste Vivienne ausgerechnet jetzt ihre Gedanken laut aussprechen? Jetzt nahm er sie bestimmt nicht mehr mit. Vivienne kam einfach nicht auf ihre Gefühlswelt klar. Hinter den Mauern war immer alles stets ordentlich, dezent. Jetzt sah es in ihr aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Und so gesehen war es ja auch so gewesen. In dem Chaos stieg jedoch Entschlossenheit empor, sie würde nicht zulassen, dass ihre Freundschaft zu Mo so endete. Sie würde ihn einfach fragen wie sie mit ihm umzugehen habe, auch wenn sie das wohl eine Menge Überwindung kosten würde, denn eine Vivienne Gray wusste eigentlich alles, konnte alles -und wenn nicht, so lernte sie es sich eben an. Aber diese Vivienne war sie eben nicht mehr.


Vivienne überrumpelte Morris schon fast, er zog die Augenbrauen etwas hoch und zuckte dann mit den Schultern. "Okay" Er nickte angedeutet und schritt zu seinem Auto, öffnete die Fahrertür und lehnte sich dann daran, "Dann reden wir"  Das kahm für ihn zwar etwas plötzlich doch gelegen. Er wollte schließlich auch mit ihr über das alles reden, es war nur eine Frage der Zeit gewesen wann er sich ein Herz fassen würde, so musste er das allerdings zum Glück nicht mehr, jetzt wo sie den ersten Schritt gemacht hatte. Mo wartete bis Vivienne auch zum Auto gekommen war, öffnete ihr allerdings, wie in alter Manier, die Tür und stieg dann selbst in den Wagen ein.  Der Wagen machte ein, ungesund klingendes Geräusch als er gestartet wurde. "Scheiße" Murmelte der Tattoowierte leise. Wahrscheinlich würde die alte Schrottkiste nicht mehr lange laufen. Es sei denn er konnte den Fehler selbst finden und reparieren. Die Tage müsste er sich mal daran setzen, nicht das ihm der Wagen irgendwo verreckte. "Also?" Er sah an einer Ampel kurz zu Vivienne. Sie wollte reden, und all zu lange war die Fahrt nicht. "Willst du jetzt auf der Fahrt reden?" Sein Blick galt wieder vollkommen der Straße. Innerlich war er einfach nur so unglaublich erleichtert dass sie den ersten Schritt gemacht hatte.


Erleichtert stieg Vivienne in den Wagen ein, welcher aber seltsame Geräusche machte. Gespielt locker versuchte sie die Stimmung ein wenig zu entspannen "Na, Autochen? Du willst uns doch nicht unter unseren hübschen Ärschen wegrosten?" Sie kicherte nervös. "Was labere ich denn da?“, dachte sie sich während sie an einer ihrer wild zerzausten Strähnen spielte. "Wo fahren wir hin?“, fragte sie verwirrt, als Mo in eine ganz andere Richtung einlenkte. Es wäre ihr lieber gewesen er hätte nicht danach gefragt ob sie jetzt bereits im Auto reden wollten. Aus dem Fenster schauend schüttelte sie leicht den Kopf. Vivi musste erstmal ihre Gedanken sortieren und ihre mehr oder minder spontane Aktion für sich selbst begreifen. Aber an einen Rückzieher war nun nicht mehr zu denken.


Vivienne wirkte angespannt und Mo konnte das sehr gut verstehen. In ihm sah es ähnlich aus. "Ich muss kurz einen Umweg zu mir machen" Erklärte er ihr und tippelte auf dem Lenkrad rum. Irgendwo hatte er die Adresse von so einer billigen Autowerkstatt herum fliegen und nach dem er Vivi abgesetzt hatte wollte er dort mal vorbei schauen. "Hätte ich vielleicht sagen sollen, sorry" Je näher sie Mo's Elternhaus kamen umso größer wurden die Häuser. Die Auffahrten waren einheitlich gepflegt und es wirkte fast wie eine dieser Englischen gut betuchten Wohnsiedlungen. Und im Prinzip war es das auch. Nur teure Autos standen auf den Auffahrten und Mo's Schrott Karre passte da nun wirklich nicht rein. Wahrscheinlich so wie er selbst nicht dort hin passte, mit seinen meistens abgetragenen Chucks und zerrissenen Jeans. Allerdings wurde auch deutlich das seine Eltern Geld haben musste, um sich diesen Lebensstil leisten zu können. Der Tattoowierte hielt vor einem der Häuser an und zog den Schlüssel. Eigentlich hatte er ungern Besuch, doch seine Eltern waren nicht da also sah er zu Vivi "Willst du mit rein kommen? Ich muss eben n' Zettel suchen ich denke nicht das es lange dauert" Er öffnete die Wagentür und der Rotschopf stieg ebenfalls aus. Zusammen gingen sie auf das Schwarze Tor zu welches Mo aufschloss. Warum auch immer seine Eltern diesen Kitsch so toll fanden. Kurz danach wurde auch die Haustür geöffnet und sie standen in dem großen hellen Flur von dem aus man direkt in die große Amerikanische Küche sehen konnte die offen zum Wohnzimmer war. Die Wohnung wirkte fast schon steril und wie aus einem Katalog. An einer Wand hingen Kinderfotos, von Morris und seiner Schwester. Fotos auf denen er eben noch Monique war. "Willst du was trinken?" Achtlos warf er seinen Schlüssel auf den Küchentisch und wühlte in einem kleinen Berg Unterlagen der in einer Schublade war.


Vivi hatte keine Ahnung wo der Andere wohnte, umso überraschter war sie, dass es gar nicht weit von der Schule entfernt war. Als sie in eine Wohngegend fuhren, die eindeutig zeigte, dass die Besitzer Geld zu haben schienen, dachte sie noch keineswegs daran, dass Mo hier wohnen könnte. Umso größer war die Überraschung als er wirklich vor einem dieser schicken Häuser anhielt. Sie wollte nicht allein im Auto bleiben, deshalb entschied sie Morris zu folgen. Als sie das Haus betraten wirkte alles sehr offen und hell. Aber nicht wirklich freundlich, man bekam eher das Gefühl, in einem dieser sterilen Häuser zu stehen, die auch immer in diesen Magazinen abgebildet waren. Vorsichtig ging sie über die Schwelle und schaute sich um. Ihr fielen die Fotos an der Wand auf. Sie begutachtete sie und war wirklich erstaunt darüber, wie Mo damals ausgesehen hatte. "Ich wusste nicht, dass du eine Schwester hast.“, sagte sie während sie zum nächsten Bild überging. Sie musste sich eingestehen, dass Mo ein wirklich hübsches Gesicht hatte, auch als Mädchen. "Du sahst...wirklich süß aus.“, nuschelte sie in Richtung des Schwarzhaarigen. Die Gastfreundlichkeit von Mo war so beiläufig, dass Vivi fast nicht antwortete auf die Frage, ob sie was trinken wolle. "Ich also..ich mag dir keine Umstände machen, oder gar Unordnung. “Vivienne räusperte sich leicht und schämte sich im gleichen Atemzug für ihre eigene bescheidene Wohnung, die sie mit ihrem Vater bewohnte.


Morris fluchte kurz leise. Wo war denn dieser dämliche Zettel? Er wand sich kurz um, beobachtete Vivienne wie sie sich die Kinderfotos ansah. "Ja, sie ist 13" Stimmt, das er eine Schwester hatte, hatte er dem Rotschopf nie erzählt "Und everybodies Darling" Murmelte er eher zu sich, ziemlich leise. Jeder mochte seine Schwester. Sie war perfekt ohne es zu wollen. Sie war liebenswert, war gut in der Schule und ein Typisches Mädchen. Eben ganz anders als er. Auf Viviennes Kommentar dass der Junge süß ausgesehen hatte lachte er kurz. "Möglich, meine Mutter hat die wahrscheinlich nur da hängen weil sie hofft das ich wieder "normal" werde". Seine Mutter hatte früher immer sehr penibel darauf geachtet das er immer gepflegt aussah. Das er, als er eben noch ein Mädchen war, immer schöne Frisuren hatte, und auch sonst wie ein Typisches Mädchen aussah. Allerdings hielt das nicht lange. Schon vor der Grundschule hatte er sich das erste Mal die Haare kurz Schneiden lassen, seine Mutter war total dagegen gewesen, aber ließ ihn dann doch machen. Und ab da an trug er auch meistens nur noch Jeans. Mit 13 dann versuchte er es nochmal, durch das damals schon entstehende Mobbing, sich an zu passen, allerdings nur ein Jahr oder weniger, länger hatte er es nicht ausgehalten. Resigniert schloss Mo die Schublade und hielt sich die Hand kurz vor die Stirn. Er wusste er hatte den Zettel irgendwo hin getan, nur wo? "Du machst keine Umstände." Er lehnte sich gegen die Arbeitsfläche und beobachtete Vivi in ihren Bewegungen. Sie wirkte verdammt unsicher. Was sie wohl sagen wollte, wenn sie schon mit ihm redete? Er wollte nicht mehr so lange warten, um zu erfahren was in ihr vorging. "Worüber wolltest du reden?" Platzte es dann aus ihm heraus. 


"Schon 13? Sie sieht aus wie das Mädchen von Nebenan. „Vivi verzog leicht die Mundwinkel. Mo war so anders als seine Schwester. Ob ihm das auch zu Schaffen machte? Sie ging Richtung Küche und blieb mitten im Raum stehen, man traute sich kaum einen Schritt vor den Anderen zu machen, da es hier so sauber war.
Als Mo nachhakte, worüber sie nun reden wollten, seufzte sie schwer.
"Also...ich weiß es ehrlich nicht so recht. Ich hab nur gemerkt, dass sich so viel verändert hat. Und auf der Klassenfahrt hast du mir Sachen an den Kopf geworfen, die mir ziemlich nah gegangen sind. Ich will jetzt nicht sagen, dass es weh getan hab aber....", sie machte eine lange Pause, suchte einen neuen Ansatz. "Ich weiß nicht wie ich dich behandeln soll. Ich weiß nicht wer oder was du bist. Du bist mir so fremd geworden. Ich hab ja nicht mal gewusst, dass du in sowas hier wohnst.“ Vivienne drehte sich einmal um die eigene Achse und blieb dann an Morris' Augen hängen. Am liebsten würde sie jetzt einfach wieder gehen. Sie mochte solche Konfrontationen nicht sonderlich, was man ihr an ihrer Wortkargheit auch anmerkte.


Vivienne schien offensichtlich Angst zu haben im Haus irgendetwas dreckig oder Kaputt zu machen, was Morris schmunzeln ließ. Der Rotschopf öffnete wieder den Mund und beantwortete seine Frage. Sicher die Sachen die er ihr gesagt hatte waren nicht alle wirklich nett gewesen, aber er empfand es als richtig sich Luft zu machen. Der nächste Satz ließ ihn dann allerdings hörbar die Luft einziehen. "Ein Mann" Antwortete er dann, recht schnell, als würde er nicht einmal darüber nachdenken. "Ich bin derselbe Mann, den du in der Disko kennengelernt hast, der dich mit ans Meer genommen hat oder mit dem du vor der Schule geredet hast." Er hatte ihr wirklich nicht viel von sich erzählt, das war womöglich ein Fehler gewesen, aber er hatte einfach nicht das Gefühl das es von Bedeutung war, wo oder wie er lebte. "Und wieso denkst du dass du mich jetzt anders behandeln sollst nur weil ich jetzt geoutet bin?" Er sah kurz auf den Boden, und grinste dann leicht, unsicher wirkend. "Meine Transexualität definiert doch nicht wer ich bin. Es ist doch nur ein Teil von mir, aber ich bin doch nicht nur das?" Er war froh das Vivienne jetzt die Karten auf den Tisch legte und er hatte Verständnis dafür das sie nicht ganz wusste wie sie nun reagieren sollte. "Und ich weiß selbst nicht genau wie ich zu dir sein soll. Nach den Sachen die ich dir um die Ohren geknallt hab" Bei diesem Satz sah er den Rotschopf nicht an, es war ihm unangenehm was er gesagt hatte, und auch das er ihr durch die Blume gesagt hatte, was er für sie fühlte. "Ich hab einfach mal wieder schneller geredet als ich gedacht habe. Und, na ja, ich hab einfach in dem Moment nicht kapiert warum du so sauer warst auf mich, weil ich nicht das Gefühl hatte das ich etwas Falsches getan habe..." Und auch noch immer hatte er nicht das Gefühl etwas Verkehrtes getan zu haben. Dennoch war sein Verständnis für ihre Reaktion schon etwas mehr geworden.  "Na ja und wie ich wohne und das alles, hat sich einfach nie ergeben das wir drüber geredet haben. Und da das ganze meinen Eltern gehört... ich hab das einfach nicht als wichtig empfunden..."  Morris wand sich um und holte zwei Gläser aus einem der Hängeschränke und eine Cola aus dem Kühlschrank und stellte sie auf den Tisch, setzte sich dann auf einen der Stühle und lehnte sich gegen die Lehne. "Ich will nicht das, dass zwischen uns jetzt ewig so bleibt. Also. So angespannt. Das würde ich nicht aushalten. Und ich will nicht dass du mich anders behandelst. Ich mein, ich bin ja kein anderer Mensch geworden. Ich kann das verstehen wenn das jetzt für dich auch nicht mega leicht ist. Und ich kann auch verstehen das, wenn man das ganze nicht kennt, man sicher irgendwie überfordert ist. Aber glaub mir" Er lachte wieder leicht. "Das ist es für mich auch. Und wenn du irgendwas in deinem Kopf schwirren hast, frag mich einfach. Oder sag's mir. Ich reiß doch keinem den Kopf ab..." Er schenkte sich etwas Cola ein und strich sich dann die Haare aus dem Gesicht. "Ich hätte einfach früher ehrlich zu dir sein sollen. Und es tut mir leid dass ich das nicht war. Und ich bin grade auch einfach überfordert weil ich nicht weiß wie ich mit dir umgehen soll. Weil ich nicht weiß was du denkst, oder wie du mich jetzt siehst oder.. ach keine Ahnung" Er legte seinen Kopf kurz auf seinen Verschränkten Armen ab, hob ihn aber kurz darauf wieder. "Willst du nach allem überhaupt noch ne' Freundschaft...?"


Vivi war sehr froh, dass Morris so frei redete und ihr auch ganz klar sagte, dass er als Mann gesehen, angesprochen und behandelt werden möchte. Aber in der ganzen Zeit, in der Mo redete und erklärte, sich erneut entschuldigte, dachte Vivienne sich "Aber nein, das meine ich doch gar nicht. Stopp." Sie wollte Mo aber nicht unterbrechen, denn das was er sagte, interessierte sie auch. Er beantwortete damit ihre zweitrangigen Fragen zuerst. 
Sie ging auf ihn zu, legte eine Hand auf die Arbeitsfläche. Damit wollte sie ihre Scheu vor diesem sterilen Umfeld besiegen. "Mo, bitte hör mir zu. Es ist nicht das. Ich...ich komm schon irgendwie damit klar, dass du ein Mädchen bist. Du hast Recht, das ändert nichts an dir. Aber was mich wirklich beschäftigt sind die Dinge die du über mich und Sebastian gesagt hast. Es ist vorbei, ist wohl auch gut so. Ich meine...Mo, du hast...also, du hast...oh Gott, das ist so hart." Sie fasste sich an die Schläfe und wich seinen Blicken aus. Eine leichte Röte stieg ihr in die Wangen, denn das was sie sagen wollte, ging nicht einfach so an ihr vorbei. "Du hast gesagt, dass du Gefühle für mich entwickelt hast und...wie du dich in meiner Nähe fühlst und alles. Sag du mir doch, ob eine Freundschaft so noch möglich ist? Wie soll ich darüber denken, wie...wie soll ich dich ansehen? Wenn ich doch weiß, was es mit dir macht."
Leise vergoss sie eine einzelne Träne, welche sie aber schnell mit dem Handrücken wegwischte. Es war ihr alles so peinlich, aber erklären konnte sie es nicht. Ein Mädchen, was männlich sein wollte, hatte sich in sie verliebt, nachdem es sie angeschrien hatte, dass sie mit ihrem festen Freund Koitus vollzog. Das war alles mehr als seltsam.


Vivienne fasste auf die Arbeitsfläche und redete dann selbst, und diese Worte die sie dann formte, ließen Morris wieder dieses Fiebrige Gefühl ins Gesicht fahren. Nervös spielte er mit dem Kreuzanhänger seiner Kette herum. Scheiße. Wieso konnte sie das nicht einfach vergessen? "Kannst du das nicht einfach vergessen dass ich das gesagt hab?" Morris stützte seinen Kopf auf seiner Hand ab und blickte auf das Glas in welchem die Kohlensäure der Limo kleine Bläschen bildete. "Ich bekomm das schon hin" Er lachte kurz und sah weiter auf das Glas. "Das ist nicht der Weltuntergang, zumindest für mich, ich werde mich in deiner Nähe nicht anders verhalten als vorher auch... Okay so eine Nummer mit dem Kuss mach ich sicher nicht noch mal" Scherzte er leicht und zuckte dann mit den Schultern. "Ich würde gerne weiter eine Freundschaft mit dir aufrechterhalten, wenn du das möchtest Und was es mit mir macht ist doch nichts wirklich schlimmes" Seine Hand griff nach dem Glas und bewegte es etwas, so das dass Getränk schwach hin und her schwappte. "Du musst darauf keine Rücksicht nehmen. Und du musst dir darüber keine Gedanken machen. Das ist etwas, was ich mit mir selbst ausmachen muss, und auch kann" Klar ihm war das ganze ziemlich unangenehm, das er ihr das gesagt hatte, in seinem hitzigen Kopf, und das die Sprache nun darauf kahm. Aber für ihn war das eigentlich kein Problem, das die Freundschaft gefährdete, das war schließlich nicht sein erster 'Korb' und mit ziemlicher Sicherheit auch nicht sein Letzter. "Ich glaube, wehtun würde es mir wenn ich die Freundschaft jetzt geschrottet hab, dadurch das ich dir das gesagt habe, und wir uns jetzt aus dem Weg gehen... Aber so ist das eigentlich nicht das Problem." Das erste mal seit er sprach sah er nun hoch zu Vivienne, die das alles auch nicht ganz so kalt ließ. "Allerdings kann ich ja nur von mir sprechen. Ich weiß ja nicht was in deinem Kopf vor sich geht. Du musst wissen ob das für dich okay ist und du trotzdem eine Freundschaft willst, ob du dich trotzdem noch wohlfühlst wenn ich um dich herum schwirre. Wenn nicht, wäre es ziemlich schade, aber ich könnt's verstehen und akzeptieren" Der letzte Rest des Satzes war zwar eine glatte Lüge gewesen, denn es wäre hart für ihn das ganze zu Akzeptieren, aber er würde ihr schon keine Szene machen oder so. Es blieb ihm nichts anderes übrig als mit ihrer Antwort zu leben. Und wahrscheinlich, sah man ihm auch, so sehr er das zu verhindern versuchte, an das dieses Thema ihm mehr als unangenehm war.


Die Worte die Mo da wieder rausschleuderte, hinterließen auf Vivis Gesicht einen Ausdruck der Verwirrung. Sie verstand nicht was er ihr damit sagen wollte. Angestrengt grübelte sie nach, bis es ihr wie Schuppen von den Augen fiel. Mo dachte allen Ernstes, dass sie ihm einen Korb geben würde. Aber das wollte Vivienne mit ihrer Aussage keinesfalls rüber bringen. Sie musste kurz auflachen und schüttelte dann mit dem Kopf. Ihre Unterlippe zitterte leicht. Was Mo aber dann im nächsten Moment sagte, machte sie etwas traurig. Er würde den Kuss nicht mehr wiederholen? Das wollte sie nicht, auch wenn sie sich dessen noch nicht bewusst war. Ihre Zuneigung zu dem Schwarzhaarigen ist mit der Zeit größer geworden, aber auch das konnte Vivienne durch die ganzen Turbolenzen nicht realisieren. Ohne nachzudenken, ging sie auf Mo zu, legte sanft eine Hand auf seine Wange und sah in an "Ich will nicht, dass du gehst. Ich will nicht, dass du mein Kumpel bist. Mo, ich mag dich und ich weiß nicht was hier passiert. Es ist alles so neu für mich. Ich fühle mich wohl bei dir, ich kann einfach ich sein, ich fühle mich geborgen. Der Tag am Meer, die endlosen Pausen am Schultor. Ich will nicht, dass das aufhört." Sie lächelte Mo an und zog ihn leicht an sich ran, um ihn einen Kuss auf die Wange zu geben. Ihr Körper, ihre Taten und die Worte, die unbedacht aus ihrem Mund raus kamen, sagten mehr über ihre Gefühle für den Anderen aus, als sie es wahrhaben wollte. Sie konnte es bis jetzt noch nicht begreifen, aber ein Stück der alten, entschlossenen Vivienne war in dem Moment, als sie Mo küsste, wiedergekehrt.


Als der Rotschopf lachte schien Morris etwas irritiert zu sein, das Vivienne dann auf ihn zu kam und ihre warme Hand auf seine Wange legte, steuerte nicht grade dazu bei, seine Gedanken zu ordnen. Er blinzelte überrascht und ihre Worte zogen fast an ihm vorbei, doch er konzentrierte sich darauf, was Vivienne sagte. Sein Herz schlug wieder schneller, als es wahrscheinlich gut war, und seine Wangen nahm eine leichte röte an. Mo wurde relativ schnell rot, was ihn meistens störte, jetzt grade aber völlig egal war. Sie wollte ihn nicht als Kumpel, sie fühlte sich bei ihm geborgen? Er hatte mit allem gerechnet, doch nicht damit. Das war kein Korb. Ein Moment auf den er sich nicht vorbereitet fühlte. Sie kam ihm näher und küsste ihn auf die Wange. Als sie wieder einen Schritt zurück wich sah Mo sie an, mit einem Blick der ziemlich offensichtlich machte, wie irritiert er jetzt war. Seine Gedanken waren ein einziges Wirrwarr und er hatte keine Ahnung was er sagen sollte, was er tun sollte, was das jetzt bedeutete. Doch sein Herz machte einen Sprung und er öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber kurz darauf. Erst einige Augenblicke später brachte er ein "Aber... Ich dachte du..." Raus. Den Satz beendete er nicht, irgendwie wusste er auch nicht mehr wie. 


Jetzt lachte Vivienne richtig. "Oh Mo, denkst du ich verstehe das hier? Ich bin genauso durch den Wind wie du. Aber hey, wir bekommen das schon gerade gebogen?! Auch die Scheiße in der Schule bekommen wir geregelt. Das ist nicht an mit vorbei gegangen und noch bin ich Schulsprecherin und hab was zu sagen. Ich glaube, es wird alles gut." Mit jedem Wort, welches Vivi an Mo richtete, wurde sie mehr zu sich selbst.
Das Gespräch hatte ihr wahnsinnig geholfen, sie würde zwar nochmal darüber nachdenken müssen, aber ihre Entschlossenheit und Selbstsicherheit war zurück. 
"Du sag mal...hast du vielleicht Lust, nochmal mit mir ans Meer zu fahren? Morgen soll es schön werden...und ich dachte mir, damit könnten wir das Kriegsbeil begraben, oder so...“ Viviennes Herz klopfte. Fragte sie gerade nach einem Date? Sie wedelte sich mit der Hand Luft zu, um einen kühlen Kopf zu bekommen. "Ich sollte nach Hause. Und du solltest dich wieder auf die Suche nach dem Zettel machen, sonst bleiben wir morgen noch irgendwo stehen.“, kicherte sie. 
Nun nahm sie sich die Unverschämtheit raus, sich Mos Cola zu schnappen, sie leer zu trinken und ihn darauf hin die Zunge rauszustrecken. Das Gewitter schien sich verzogen zu haben.


Nun legte sich auf Mo's Gesicht dieses offene Lächeln und wirkliche Erleichterung. Irgendwie schien ihm gerade ein Stein vom Herzen gefallen zu sein. Vivienne hielt schon fast eine Rede das alles gut werden würde und in diesem Moment glaubte Mo das auch. Er wollte das glauben und nichts anderes war für ihn gerade wichtig. Der Sturm schien vorüber gezogen zu sein. Auf die Frage nach dem Meer nickte er. "Gerne.."  Der Gedanke wieder ans Meer mit ihr fahren zu können war einfach schon fast surreal nach allem was passiert war. "Klingt gut... Und ja, keine Ahnung wo der ist... Ich suche jetzt einfach irgendwo anders 'ne gute Autowerkstatt die günstig ist... Sonst muss ich halt selbst den Fehler finden..." Das letzte Mal hatte er sich dabei so fies die Hand verletzt das er da eigentlich drauf verzichten konnte. "Dann bring ich dich mal nach hause" Er schüttete sich noch etwas Cola ein und trank den kleinen Schluck aus, den Vivi ihm Quasi geklaut hatte. Die Fahrt war um einiges Gelassener und auch die Unterhaltungen waren fast wie vor der Klassenfahrt. Bei Viviennes Wohnung angekommen, stieg Mo wie immer mit aus. Er lehnte sich, so wie schon damals als er sie geküsst hatte leicht an die Backstein Mauer. Und irgendwie fühlte er sich jetzt gerade doch wieder etwas überfordert. Da er bis jetzt, immer nur einseitig irgendwelche Gefühle hatte, war das alles für ihn noch ziemlich ungewohnt, was man ihm in diesem Moment auch wirklich anmerkte. "Also dann bis Morgen" Verabschiedete er sich dann, mit dem ungewohnt freien Gefühl im Kopf, und als Vivi wieder in der Wohnung war, machte auch er sich auf den Weg.


Freitag, 30. Mai 2014

Oo CHAPTER 9 oO Don't tell me that!

Am nächsten Morgen herrschte im Speisesaal eine angespannte Stimmung. Der Lehrer betrat genervt den Raum und allein durch seine Präsenz verstummten die Schüler. Er holte Sebastian und die anderen beiden Mädchen, welche an der Tragödie beteiligt waren, mit nach Vorn. Er hielt ihnen vor versammelter Schülerschaft einen Vortrag über das Grundgesetz und Menschenrechte. Er sagte bestimmend: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für sie alle. Merken sie sich das für ihren weiteren Weg. Und nun werden sie drei sich bei Herrn Brady entschuldigen". Dabei betonte er die Ansprache "Herr" besonders deutlich. Nachdem Sebastian und die hochnäsigen Zicken eine lieblose Entschuldigung hingekotzt hatten, richtete der Lehrer nochmals das Wort an die Klasse und versuchte ihnen Morris Bradys Situation zu erklären und warum sie ihn, obwohl sie nun wussten, dass er eine sie war, trotzdem als einen männlichen Mitmenschen behandeln sollten. Zudem fügte er hinzu, dass sie den Rest des Tages Freizeit hätten.
Vivienne seufzte. Sie war wahnsinnig müde und hatte kaum geschlafen. Dass das Thema, welches sie sowieso schon die ganze Nacht wach hielt, gleich vor dem Frühstück erneut zur Sprache kam, verdarb ihr den Appetit. Was sollte sie nun den ganzen Tag anstellen? Sie wusste gerade nichts mit sich oder Mo anzufangen. Sie war wieder Single. Nicht nur die Tatsache, dass Mo transgender war, sondern auch dass Sebastian sie so mies abservierte, musste sie erstmal verarbeiten


Den Morgen wollte Morris nicht aufstehen. Er wollte einfach so liegen bleiben als sein Wecker klingelte. Dennoch schälte er sich aus der Decke und griff nach der Folie. Das würde ein beschissener Tag werden. Das Material war kalt und es war schwer zu  atmen als es fest an seinem Oberkörper klebte. Doch lieber wäre er erstickt als ohne das Zimmer zu verlassen. Draußen rauchte er noch ruhig eine Zigarette, versuchte sich selbst zu wapnen, für das was er befürchtete was nun folgen würde. Der Weg zum Speisesaal schien endlos lang zu sein und Morris war froh, hier noch niemanden an zu treffen. Die Gespräche seiner Mitschüler wurden leiser, verstummten teils völlig als er den Raum betrat. Sein Magen zog sich zusammen wie schon am Abend zuvor. Stumm, den Blick auf den Boden gerichtet, so das ihm die Haare ins Gesicht vielen und keinen Blick auf eben dieses boten, setzte er sich einfach. Er hatte das Gefühl nackt vor einer Jury zu stehen. Kein schönes Gefühl. Und keins, das ein Mensch haben sollte. Die Gespräche wurden wieder lauter und verstummten erneut als die Lehrkraft den Raum betrat. Zum ersten Mal sah Mo hoch. Das war das erste Mal das sich ein Lehrer für ihn stark machte.  Der Mann hielt schon fast eine Rede über die Würde und Morris Situation. Na ja jetzt wussten es ohne hin alle, und mit offenen Karten zu spielen war wahrscheinlich das Beste. Sebastian und seine Weiber mussten sich entschuldigen, und am liebsten hätte Mo gesehen dass sie an ihren Worten erstickt wären. Auf diese ironischen Worte der kleinen Gruppe hätte er auch durch aus verzichten können. Nach der Ansprache aßen die Schüler. Morris hingegen erhob sich kurz darauf wieder, und verschwand auf dem Korridor. Wieder hätte er so los heulen können. Doch diesmal schaffte er es, den Kloß in seinem Hals zu schlucken. Dennoch war da dieses ekelhafte Gefühl in ihm. Das wieder über seinen Kopf entschieden wurde wann und wem er sich outete. Wieder war es erzwungen. Das Feuerzeug klickte als er auf dem Innenhof ankam und seine Kippe anzündete. Er wollte nach Hause.



Als Morris den Raum verließ, empfand Vivienne nichts weiter als Abscheu. Es war eine andere Art, als jene, die sie für Sebastian empfand. Diese ging irgendwie viel tiefer. Ihre Mine war zu Stein erstarrt, sie hatte ihre Mauern höher denn je gezogen. 
Diese letzte Nacht hatte sie verändert. Und das Ergebnis war ein Eisklotz mit wallendem Feuerhaar. Ihr war alles egal geworden. Sie wollte an sich nur noch ihre Ruhe, nach Hause in ihr Zimmer und sich hinter die Bücher klemmen. Denn wenn sie lernte musste sie nicht mit der Außenwelt, dem realen Leben konfrontiert werden. Vivienne wollte sich eine Zigarette gönnen. Sie schnappte sich noch eine Banane aus dem Obstkorb und nahm sie mit auf ihr Zimmer, wo sie diese dann mit ihrer Kippenpackung austauschte. Nahm sie wieder die Feuertreppe oder den Hauptausgang? Mo wollte sie auf keinen Fall begegnen. Letztendlich entschied sie sich für den Hauptausgang. Sie begab sich in Richtung der Sitzgruppen und stellte sich unter den hölzernen Pavillon. Sie stand mit dem Rücken zu den Tischtennisplatten, weshalb sie Mo nicht sehen konnte.
Immer wieder gingen ihr dieselben Gedanken durch den Kopf. Sie hatte Mo an sich ran gelassen, hinter die Mauern und er nutzte es aus um...ja was eigentlich? Das einzige was sie wusste war, dass sie sich hintergangen fühlte. Er verheimlichte ihr wohl die wichtigste Information über sich und küsst sie anschließend auch noch. Vivienne hatte eine Frau geküsst. Diese Tatsache bestürzte sie zutiefst. 
Sie zog an ihrer Zigarette und ein Hauch von Wehmut und Mitleid drang in ihr Bewusstsein, gemeinsam mit dem Rauch des Glimmstängels. Nun führte sie sich zum ersten Mal vor Augen, dass Sebastian ein richtiger Arsch zu Mo gewesen ist. Wie hatte er ihn nur behandelt? Bloßgestellt. Unter vollster Gewalt. Vivienne hat noch genau das Bild vor Augen wie Mo mit tränenüberlaufenem Gesicht in Sebastians Gewalt hing. Völlig entblößt. Wer tat so etwas Grausames nur? Doch schon beim nächsten Zug an der Kippe verwehten diese Gedanken wieder. Es änderte alles nichts an der Tatsache, dass er nicht ehrlich war.


Morris starrte einfach nur ins Leere und zog an seiner Kippe. Vivienne hatte er nicht wahrgenommen, noch nicht. Und selbst wenn wahrscheinlich hätte er sich nicht getraut mit ihr zu reden, scheiße er wollte es ihr sagen, in der Nacht, als er vor ihrer Tür stand. Erst als er Schritte vernahm sah er hoch, ein Mädchen stand vor ihm, Franziska, wenn er den Namen richtig drauf hatte. Unsicher, dennoch angenehm warm lächelnd hielt sie ihm eine Tasse Kaffee hin. "Du warst so schnell weg" Meinte die Dunkelhaarige dann und Morris schien kurz mehr als nur perplex  zu sein. Nahm die Tasse allerdings kurz darauf, mit einer gesunden Priese Skeptiker an. Das Mädchen strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Die Aktion von Sebastians Clique war ziemlich beschissen" Sie trat seinen Stein zur Seite und der Tattoowierte schien sich wieder kleiner machen zu wollen. Es war nicht nur die Tatsache des Outings die ihm diese Situation so unerträglich machte. Es war diese Demütigung und diese ungewollten Berührungen von Sebastian die Mo immer wieder schlecht werden ließ. "Shit Happens" Murmelte er schließlich nur und nippte an dem Kaffee. Sie unterhielten sich schließlich doch recht nett und Franziska schien es ziemlich locker zu nehmen, die Sache mit der Transexualität. Allerdings sprach die Brünette dann ein Thema an, das Morris grad besser werdende Laune wieder etwas in sich zusammen sacken ließ. "Vivienne und du, redet ihr nicht mehr miteinander?". Morris zuckte mit den Schultern und schnippte seine Kippe weg. "Scheint so" Die Tatsache tat ziemlich weh, und dieser Gedanke fraß sich in seinen Kopf ob sie noch reden würden, wenn er die Chance gehabt hätte, sie wahrgenommen hätte vorher mit Vivienne zu reden. "Vielleicht redest du mal mit ihr?" Franziska nickte etwas zur Seite und Mo wand sich um, blickte in die Richtung in welche das Mädchen genickt hatte und zuckte kurz zusammen, nur um schnell den Blick wieder weg zu wenden. Er hatte nicht gemerkt das Vivienne auch hier saß? Seit wann saß sie da? Die Brünette nahm Mo den mittlerweile leeren Kaffeebecher ab und zuckte mit den Schultern. "Mehr als versuchen kann man es nicht oder?" Mit diesen Worten ging sie und unsicher biss sich der Tattoowierte auf die Unterlippe. Scheiße. Mit diesem ekelhaften Gefühl der Aufregung und Unsicherheit im Magen schritt er dann schließlich, nach gefühltem, ewigem Zögern auf Vivienne zu. "Können wir kurz reden..." Seine Stimme war brüchig und man hörte wie zittrig sie war. 


Irgendwie hatte Vivienne bereits damit gerechnet, dass sie heute keine Ruhe bekommen würde. Als die hohe Stimme des Schwarzhaarigen erklang, schloss sie kurz genervt ihre Augen und drehte sich darauf hin zu ihm um. Er sah schlecht aus. Aber sie sah wahrscheinlich kein Bisschen besser aus, nachdem sie die halbe Nacht auf den kalten Tischtennisplatten verbrachte.
Tonlos trat sie ihre Zigarette aus um sich sofort eine neue anzustecken. Wartend blickte sie den Jungen an. Sie hatte eigentlich keine Lust, mit ihm zu reden, was sie ihn auch spüren lies, indem sie ihn einfach wortlos mit hochgezogener Augenbraue anblickte. In ihr kroch wieder diese Wut hoch, sie würde Mo jetzt am liebsten einfach wegschieben. Vivienne zog stark an der Zigarette und drehte sich leicht weg. Letztendlich erbarmte sie sich doch und fragte Mo: "Mit was willst du nun wieder meine wertvolle Zeit vergeuden?".


 Vivienne strafte Morris schon fast mit Missachtung und wieder bildete sich dieser Kloß in seinem Hals. Wieso war sie jetzt so beschissen kalt zu ihm? Er hatte keinem wehgetan, er hatte doch einfach nur etwas Zeit gebraucht sich zu öffnen. Die Worte die der Rotschopf dann ins Freie ließ trafen den kleineren hart. Vielleicht sogar härter als die Worte von Sebastian gestern. Und kurzzeitig starrte er das Mädchen nur ungläubig an ehe er sich zu fangen schien und ein kurzes "Bitte?" Ausstieß. Was fuhr sie für einen Film? Er wollte ihr das ganze doch nur erklären. Doch nach diesem Satz war ihm dieser Wunsch doch gründlich vergangen. Er hätte wahrscheinlich wieder angefangen zu heulen, wenn er sich nicht fest von innen auf die Wange gebissen hätte. Er vergeudete also ihre Zeit? Er vergeudete ihre beschissene Zeit? Das war alles was sie jetzt sagen konnte? Sie hatte gesehen was Sebastian mit Mo getan hatte, sie hatte es verdammt nochmal gesehen, und alles was sie jetzt sagte war, das Morris ihrer Zeit stahl? Seine Hand strich ihm fahrig die dunklen Strähnen aus dem Gesicht und er wusste nicht was er jetzt sagen sollte. Am liebsten hätte er sie jetzt wahrscheinlich angeschrien. Doch er beherrschte sich, lediglich das zittern seiner Hände und das beben seines Brustkorbes verriet das es in ihm toben musste. "Ich vergeude deine Zeit?" Ungläubig wiederholte er diesen Satz, fast so als hätte er sich verhört. "Nett. Wirklich unglaublich nett...." Seine Gedanken rasten und er suchte die richtigen Worte, doch immer wenn er einen Gedanken zu fassen bekam, entglitt er ihm auch direkt wieder.


Vivienne konnte nicht recht verstehen, was Mo von ihr wollte. Für sie war das Ding eben gegessen. Jeder hatte seine eigenen kleinen Problemchen. Und wenn seines dieses war, dass er versuchte etwas zu sein, was er nicht ist, dann müsse er nun auch damit zu Recht kommen dass man sein wahres Gesicht nun sah. Vivienne wurde zunehmend wütender, als Mo ihr auch noch diese rhetorische Frage nach ihrer Zeit stellte. Sie antwortete matt: "Gut, dass eine rhetorische Frage keiner Antwort bedarf." 
Vivienne rauchte wie ein Schlot und wünschte sich eigentlich nur, dass der Schwarzhaarige ging. Aber die Höflichkeit ihn reden zu lassen besaß Vivi dann doch noch.


"Nein. Bedarf es nicht" Morris Gesichtszüge änderten sich, die Unsicherheit und noch ansatzweise vorhandene Wärme wich einer starren Maske. "Weist du eigentlich wollte ich dir jetzt so einen Scheiß erzählen wie, es tut mir leid dass ich es dir nicht gesagt habe" Er lachte Zynisch. "Aber ich glaube, dazu bin ich mir doch zu schade, auch wenn Sebastian mir und meiner Würde gestern schön eins reingebrettert hat, aber ein wenig Würde ist mir dann doch erhalten geblieben" Vivienne machte ihn rasend, er verstand einfach nicht warum er jetzt bestraft wurde? Warum er jetzt der Dumme war? Er begriff sie nicht und sein Mund war wieder einmal schneller als sein Kopf. "Du hast keinen beschissenen Grund mich so zu behandeln. Das hier" Er deutete auf seinen Oberkörper. "Ist meine Sache, es ist mein beschissener Körper und mein beschissenes Leben und ich entscheide wen ich wann etwas davon erzähle." Erneut dieses sarkastische schnauben, er hob seine Arme leicht und ließ sie wieder fallen. "Und es geht nicht in meinen Schädel warum du jetzt sauer auf mich bist? Weil es dir nicht gesagt habe?  Ich wollte es dir sagen. Gestern Nacht, bevor Sebastian mich in die Duschen geschleppt hat, ich stand verdammt nochmal vor deiner beschissenen Tür. Aber glaubst du wirklich das ist so einfach jemandem sowas zu sagen?" Er fischte zittrig eine Kippe raus und steckte sie sich an, selbst wenn Vivienne jetzt etwas sagen würde, es würde ihn nicht stoppen. "Ich erzähl dir mal was Vivi" Der Qualm verließ seine Lippen. "Tu mir mal den Gefallen, steh du mal bitte Morgens auf, schau in den Spiegel und sieh etwas das du nicht bist, leb bitte mal einen Tag damit jeden Tag gedemütigt zu werden, dauernd die Schule wechseln zu müssen wegen irgendwelchen Kackbratzen wie deiner beschissenen Clique, die es unheimlich lustig fanden wie Sebastian mir seine scheiß Zunge in den Hals gesteckt hat. Setz dir mal als Kind eine Rasierklinge an den Arm weil du dich selbst nicht ertragen kannst, weil du hoffst, wenn du jetzt stirbst gibt Gott dir vielleicht den richtigen Körper, mach das mal bitte einen Tag mit, das Menschen die du liebst, dich weg schubsen als wärst du ansteckend. Selbst deine Familie verachtet dich und zu irgendwelchen Festen wirst du erst gar nicht eingeladen. Mach das mal, kämpf mal für dein Recht existieren zu dürfen. Für das Recht deinen Namen ändern zu dürfen, leg dich unters Messer und mach diese Schmerzen mit. Steh mal jeden Morgen auf mit dem Gefühl in einem Kriegsgebiet zu stehen.  Tu mir den Gefallen, mach das mal, und dann geh mal zu einem Menschen den du liebst, und erzähl ihm, als würdest du übers scheiß Wetter reden, das du im falschen Körper steckst" Der Salzige Geschmack breitete sich im Mund des Jungen aus, Tränen drangen ihm zwischen die Lippen, während er sprach und benetzten sie. Seine Sicht war verschwommen. "Und genau deswegen hatte ich so eine scheiß Angst dir das zu sagen, weil ich Angst hatte das du mich genau so behandelst wie du es jetzt tust" Seine Stimme wurde lauter, doch brüchig, zittrig. Er konnte sich kaum mehr zusammen reißen. "Weil ich Angst hatte das all die Dinge die wir geredet oder getan haben dann nichts mehr wert sind. Bin ich jetzt ein anderer Mensch nur weil du's jetzt weißt? Ist der Tag am Meer jetzt weniger schön gewesen weil ich verdammt noch mal Brüste habe die ich nie wollte? Sind unsere Gespräche jetzt unnötig geworden nur deswegen? Ich hatte Angst du siehst mich als Frau wenn du es weist." Er Fischte sein Portemonnaie raus, knallte seinen Personalausweis auf die dreckige Tischtennisplatte, auf welchem als Geschlecht eindeutig Männlich stand. "Vielleicht hab ich es schwerer als andere Männer, aber das macht mich nicht weniger zu einem" Immer wieder brach seine Stimme ab. "Ich hab dich nie belogen. Alles was ich gesagt habe meinte ich so, alles was ich getan habe, habe ich getan weil ich dich Mag. Und selbst jetzt wenn du da sitzt, mich mit deiner beschissenen Arroganz anstarrst kann ich dich nicht, nicht mögen. Nicht nur du hast jemanden an dich heran gelassen Vivienne. Aber weist du was" Er nahm sich seinen Perso wieder, ging einige Schritte Rückwärts und deutete auf sie, "Ich bin mir und meinen Prinzipien dabei immer treu gewesen. Und ich habe nicht einfach irgendjemanden Gefickt von dem ich behauptet hatte er wäre ein Idiot, den ich offensichtlich nicht liebe. Als ich dich geküsst habe, habe ich das getan weil ich in dem Moment nichts lieber auf dieser scheiß Welt machen wollte. Weil du mir das Gefühl gegeben hast ich könnte dir vertrauen, weil ich nur Schwachsinn rede wenn du da bist, weil sich mein ganzer Tag immer nur um dich gedreht hat und weil du mir das Gefühl gegeben hast ich wäre okay. Das ich nichts ansteckendes bin, das man umgehen muss" Erneut schnippte er seine Kippe weg. "Beschissenerweise hab ich mich da wohl echt getäuscht. Und jetzt, kannst du mich gerne weiter ignorieren. Ich bin es ja Gott sei Dank gewöhnt"  Mit diesen Worten wand er ihr einfach den Rücken zu, wischte sich über die Augen und rannte schon fast zu seinem Zimmer, in welchem er nun begann seine Sachen zu packen. Er musste hier weg, Jetzt!


Morris wütete wie ein Sturm. Sein Brustkorb bebte und so auch seine hitzige Stimme. Vivienne konnte und wollte zunächst nicht mit der Situation umgehen. Doch als. Sie den Kleineren weinen sah, merkte sie dass sie ihm Unrecht getan hatte. Durch seine Worte wurde sie nachdenklich und realisierte, dass sie es all die Zeit nie anders gemacht hat. Um zu Sebastian und den anderen zu gehören versteckte sie ihr wahres Gesicht ebenso. Sie wurde traurig und fühlte sich schuldig. Doch dann trafen Mos Worte sie wie ein Blitz mitten ins Herz. Hatte er ihr gerade seine Liebe gestanden? Vivienne war nicht in der Lage zu atmen, geschweige denn damit umzugehen was hier geschah. Noch ehe sie irgendwas sagen konnte, rannte Mo weg und lies sie sprachlos und verletzt zurück. Das geschah ihr wohl recht. Morris hatte mit der Sache zwischen ihr und Sebastian einen wunden Punkt getroffen. Alles was sie je wollte war, nicht einsam sein zu müssen. Und Mo hatte Unrecht. Sie hatte bereits jemanden verloren den sie liebte. Ihre Mutter verstieß sie, weil sie eigentlich nie ein Kind wollte und lies Vivienne mit ihrem Vater allein zurück. Sie wollte nie einsam sein, doch genau dieser Fall ist jetzt eingetreten. Nur weil sie so beschissen darauf beruhte, dass niemand ihr zu nah kam. Und nun war auch Mo weg. Der Damm in ihrem Inneren brach und eine Flut an Tränen brach aus ihren Augen. Sie krümmte sich und presste ihre Hand vor den Mund. "Was hab ich getan?“, schoss es ihr aus dem Kopf. Sie hatte den einzigen Menschen, dem sie was bedeutete, aus ihrem Leben geekelt.


Achtlos warf der Tattoowierte seine Sachen in seine Reisetasche. Irgendwie musste er hier weg, das war alles zu viel für ihn. Scheiße er hätte einfach zuhause bleiben sollen. Und ausgerechnet Vivienne war der einzige Grund gewesen das er mit zur Klassenfahrt gekommen war. Er hatte das Gefühl zu ersticken. Umso länger er an diesem Ort war, umso weniger schien er Luft zu bekommen. Alle wussten es, und immer wieder kamen diese Bilder in seinen Kopf von der Aktion die Sebastian abgezogen hatte. Scheiße woher wusste der überhaupt Mo's richtigen Namen? Er hatte doch immer so gut aufgepasst diese Dinge für sich zu behalten. Und was sollte diese Nummer mit dem Kuss? Allein der Gedanke an Sebastians feuchte Lippen ließen den Tattoowierten schlecht werden. Er hatte so eine Angst gehabt in diesem Moment. Sebastian hätte sonst etwas tun können, er wäre hilflos gewesen. Wieder verschwamm seine Sicht und er hockte sich auf den Boden, neben die Tasche und fischte zitternd sein Handy aus seiner Hosentasche. Seine Finger tippten eine Nummer ein, kurz danach ertönte die helle Stimme seiner Mutter. "Mama?" Erneut schluckte er den Kloß in seinem Hals. Die Frau am anderen ende seufzte genervt und Mo konnte sich bildlich vorstellen wie sie dort Stand, im Flur, sich die Haare aus dem Gesicht streichend, wie er es auch immer tat, und mit dem Telefonkabel spielend. "Kann mich bitte jemand abholen?" Die stimme des Jungen zitterte, klang weinerlich. Die frau am anderen ende schwieg kurz ehe sie ein "Wieso?" in den Hörer preschte. Mo presste seine Freie Hand gegen seine Stirn. "Ich will einfach nach hause... bitte, mein Auto steht an der Schule sonst würde ich selbst fragen" Wieder konnte er die Tränen nicht zurück halten. "Heulst du?" Konnte seine Mutter sich nicht einmal so verhalten? Wie eine Mutter. "Mama bitte hol mich einfach ab" Er wollte ihr nichts erklären er wollte nur das sie her kam, ihn einsammelte, das er wieder in sein eigenes Zimmer konnte, in seine eigene Festung. "Na, bist du mal wieder 'ufgeflogen'?" Die Stimmer der Frau schien fast schon belustigt, "Ich hab dir gesagt das diese ganze Scheiße die du da abziehst nur Probleme macht. Ich hab's dir gesagt. Du wolltest das alles so, dann  musst du die Konsequenzen jetzt auch tragen. Wenn du diesen Mist endlich lassen würdest..." Schön, das war genau das, was Mo jetzt brauchte. Auch noch von seiner Mutter abgewiesen zu werden. Verdammte hatte sich denn die ganze Welt gegen ihn gestellt? "Weist du was Mama, vergiss es, tut mir leid, dass ich angerufen habe" Das Gespräch wurde beendet und der Aufprall des Mobiltelefons auf dem Boden bescherte ihm einen weiteren Riss im Display. Mo beugte sich etwas, kauerte sich zusammen und presste seine Hände fest gegen sein Gesicht. "Fuck" Flüsterte er nur leise ehe er einige Male tief durchatmete und sich dann wieder erhob. Schön. Dann müsste er eben versuchen so lange hier aus zu halten bis sie wieder alle gemeinsam heimfuhren. Nun von einer Wut gepackt die sich in seinem Genick fest biss erhob er sich, nahm sich seine Kippen und ging wieder raus. Stockte als er dort ankam. Wieso musste Vivienne hier noch sitzen? Konnte sie sich nicht verpissen? Irgendwo anders hin gehen wo er sie nicht sehen musste? Egal. Er würde jetzt einfach an ihr vorbei gehen, sie genauso missachten wie sie ihn. Doch als er ihr näher kahm verflog die Wut genauso schnell wie sie gekommen war. Vivi weinte.  Wortlos ging er auf sie zu, und wie schon damals im Auto reichte er ihr einfach ein Taschentuch. Er hatte keine Ahnung was er tun sollte, er wollte sie nicht trösten, sollte sie doch heulen. Aber es tat ihm so weh sie so zu sehen. Als sie es nahm wand er ihr einfach wieder den Rücken zu, stellte sich etwas abseits und zog an seiner Kippe. "Wenn du weiter so heulst bekommst du Kopfschmerzen..." Er sah sie nicht an, doch, und obwohl der Satz vielleicht nicht sehr Freundlich erschien, zeigte seine Stimme wieder die alte Wärme. Dummerweise konnte er selbst jetzt nicht anders zu ihr sein.


Alle Anspannung, die sich in ihr gesammelt hatte viel von ihr ab. Sie fühlte sich als hätte sie sich selbst den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein dicker Kloß im Hals verhinderte, dass sie richtig atmen konnte. Sie schluchzte und japste nach Luft, während ihr die Tränen unentwegt in den Mund liefen und auf ihre Kleidung tropften. Alles stürzte auf sie ein. Nicht nur die Tatsache, dass sie so eklig zu Mo war, nicht nur, dass Sebastian Mo das angetan hatte oder dieser ihr nichts von seinem Geschlecht sagte. Nicht nur die Tatsache mit welchem Rachegedanken Sebo sie abserviert hatte. Auch die Tatsachen, dass sie sich ihr Leben lang verstellt hat und versucht hat etwas zu sein, was sie nie war. Auch das brach auf sie hinein. 
Als Vivienne im Augenwinkel eine weiße Bewegung sah, blickte sie auf. Es war Mo, der ihr ein Taschentuch hinhielt. Es war, als hätte diese Aktion ihr das Letzte gegeben. Sie nahm das Taschentuch und weinte noch bitterlicher als zuvor schon. Ihre Ohren fühlten sich taub an, weshalb sie nicht verstand, was der andere zu ihr sagte.
Vivi versuchte zu sprechen aber unter all den Schluchzern verstand man kein Wort. Dabei wollte sie Mo doch nur sagen, wie unendlich Leid ihr die ganze Geschichte tat. Sie blickte ihn an, sah ihn aber nicht. Sie musste erbärmlich aussehen. Aber sie konnte einfach nicht aufhören zu weinen. So sehr sie es auch wollte, die Tränen wollten nicht versiegen.


Gott Viviennes weinen brach dem Tattoowierten das Herz. Vielleicht hätte er ihr diese ganzen Dinge nicht gegen den Kopf schmeißen sollen, für sie war das ganze sicher auch nicht leicht. Und obwohl Morris noch immer sauer auf Viviennes Verhalten ihm gegenüber war, kam er nicht umhin sich an deren Tränen schuldig zu fühlen. Er hatte keine Ahnung was er tun sollte, sowas überforderte ihn immer, und vor allem wenn er sich schuldig fühlte. Langsam wand er sich zu ihr, stand nun direkt vor ihr, Mo hatte noch immer nicht den Geringsten Hauch einer Idee wie er nun handeln sollte, doch wie immer tat er einfach das, was sein Gefühl ihm sagte. Vorsichtig legte er seine Hand auf ihre Schulter, es gab ja nur zwei Möglichkeiten, entweder sie scheuerte ihm eine oder eben nicht, also zog er das auf der Tischtennisplatte sitzende Mädchen einfach in seine Arme, die Kippe, von der er nicht einmal 4 Züge genommen hatte, warf er in der Bewegung einfach achtlos weg. "Es tut mir leid was ich gesagt habe grade eben..." Er wollte nicht dass sie sich nun seinetwegen schlecht fühlte, es war einfach diese dumme Angewohnheit von ihm, wenn er sauer war, einfach los zu preschen ohne nach zu denken. "Aber echt du musst aufhören zu weinen ich kann damit wirklich nicht umgehen.“ Ein mattes, schwaches Lächeln lag auf seinen Lippen, ihre Nähe tat einfach so unglaublich gut, auch wenn dieser Moment nicht als einer der Schönsten in seine Erinnerung eingehen würde.


Dass Morris sich nun an ihrer Stelle entschuldigte stellte Viviennes ohnehin schon entrückte Welt auf den Kopf. Immer wieder "nein" sagend fiel sie dem Schwarzhaarigen um den Hals. Dass ausgerechnet dieser jetzt ihre Schulter zum Anlehnen sein würde, grenzte an Ironie. Fest hielt sie den schmalen Körper umschlossen, wobei ihre Tränen Mos Shirt ganz feucht werden ließen. Die Körperwärme des Anderen beruhigte sie tatsächlich. „Es tut mir so leid, es tut mir einfach so unendlich leid. Bitte...bitte verzeih mir!“, wimmerte sie leise in sein Ohr.
Als ein letzter Schluchzer erklang, versiegte auch langsam die letzte Träne. Sie blickte über Mos Schulter in Richtung des Parkplatzes und sah Sebastian dort laufen mit seinen Sachen. Die Traurigkeit wich und zurück blieb nur die Wut. Sie löste sich sanft von Mo, lächelte ihn an und sprang auf. Sie versetzte ihren Körper in einen Sprint und raste auf Sebastian zu. Sie schubste ihn hart und schrie ihn an. Sie rastete vollkommen aus, trommelte mit ihren Fäusten auf ihn ein. "Du mieser Schweinehund. Was hast du getan? Ich hasse dich...". Sebastian war so perplex dass er gerade mal schützend die Hände heben konnte.


Irritiert von Viviennes heftiger Reaktion war der Schwarzhaarige einen Moment lang unfähig etwas zu erwidern oder gar zu handeln, erst kurz darauf löste er sich aus seiner Starre. "Hey alles gut, ist okay". Sicher, in seiner Gefühlswelt war noch nichts wirklich okay, und er war noch weit, weit entfernt von 'alles gut', doch Vivienne schien wirklich mehr als fertig zu sein und in solchen Momenten war es eben manchmal wichtiger dinge die gesagt oder getan wurden ruhen zu lassen. Der Rotschopf weinte bitterlich und zögernd strich Mo ihr über den Rücken, wusste gar nicht recht was jetzt zu tun war. Das Mädchen beruhigte sich langsam wieder und plötzlich löste sie sich auch schon wieder und rannte los. Was zum? Verwirrt wand Morris sich um, sah ihr nach, es dauerte einen Moment ehe er begriff was hier los war. "Oh man Vivi" Stöhnte er als er auch schon Fersengeld gab. Je näher er Sebastian und ihr kahm umso unsicherer wurde er. Allein in dessen Nähe zu sein war für ihn fast unerträglich dennoch zog er die Rothaarige sanft und doch bestimmt weg. "Hör auf damit" Er stand nun fast zwischen Sebastian und Vivienne. "Du handelst dir damit nur ärger ein Vivi" Grade sie als Schülersprecherin sollte sich in so einer Situation nicht sehen lassen. Mo's Unsicherheit war, trotz seiner Bestimmtheit und Bemühung seine Stimme Fest klingen zu lassen deutlich fühlbar. Sebastian hatte es geschafft, dass der Tattoowierte durch aus so etwas wie Angst vor ihm spürte. "Lass uns einfach gehen bitte" Sein Blick war auf Vivi gerichtet während er versuchte den größeren einfach aus zu blenden.


Es schien als hätte Vivienne sich nicht mehr unter Kontrolle, als könne sie mit dem plötzlichen Ansturm an Gefühlen gar nicht umgehen. All die Jahre zuvor war sie dahingegen emotionslos und kalt. Doch jetzt wütete sie wie das Feuer, welches sich bereits bei der Geburt ihrer angenommen hatte. Morris versuchte sie wegzuziehen, sie zu beruhigen und zur Vernunft zu bringen. Doch in ihrer ganzen Rage schrie sie auch noch Mo an: "Wie kannst du nur so ruhig bleiben? Ist es dir denn egal was dieser Bastard mit dir gemacht hat?". Sie zeigte mit dem Zeigefinger auf Sebastian, welcher verwundert dreinblickte. So hatte Vivienne wohl noch niemand erlebt. 
Am liebsten hätte sie Sebastian die Fresse eingeschlagen, aber dafür war sie nicht stark genug. Mit einem letzten gekreischten "Verpiss dich aus meinem Leben“, lies sie dann endlich von Sebo ab. Ihr Bauch war noch immer so voller Wut, ihr Herz aber noch so voll Trauer und dann sah sie Mo an. Er blieb ruhig und behielt einen kühlen Kopf. "Ach Mist. Was mach ich nur?" sie rieb sich mit den Handballen die Augen. Wo war ihre Contenance nur geblieben? Vivienne misste sie gerade sehr. Es war ihr so unglaublich peinlich, dass sie so ein wandelndes Gefühlspack war, dass sie schon wieder hätte weinen können, doch zum Glück aller färbte sich ihr Gesicht nur dunkelrot. Sie lies Sebastian ziehen, er würde von seinen Eltern noch genug Ärger bekommen.


 Die Worte der Rothaarigen zogen nicht Spurlos an Mo vorbei, kurz kamen die Bilder wieder in seine Gedanken doch er schüttelte sie weg. Von diesem Erlebnis würde er lange etwas haben. Und das nicht im Positiven Sinne. "Nein ist es nicht Vivienne, aber es bringt dir nichts, dich jetzt hier auf zu führen wie eine Furie, also komm bitte wieder runter" Der Rotschopf schrie Sebastian noch ein letztes Mal an ehe sie dann endlich wieder zur Vernunft zu kommen schien und von dem Größeren abließ. Sie rieb sich die Augen und Mo lächelte matt. "Geht's wieder?" Klar Vivi hatte wahrscheinlich einfach mal dampf ablassen müssen, konnte ja auch ganz gut tun, aber vielleicht sollte sie einen besseren Weg finden das zu tun, als auf ihren Exfreund los zu gehen. "Vielleicht solltest du dich hinlegen..." Das Mädchen sah ziemlich mitgenommen und müde aus. Der Tattoowierte sah nur einmal kurz zu Sebastian, wie dieser von dannen zog. Zu gern hätte er miterlebt was dessen Verhalten für Konsequenzen hätte. Der Größere konnte froh sein das Mo ihn nicht anzeigte. Denn mit dessen Aktion hatte er sich definitiv strafbar gemacht. Allerdings war Morris viel zu sehr darauf bedacht sich so wenig Stress wie nur irgend Möglich in sein Leben zu holen das er davon- Zu Sebastians Glück- lieber absah. Es würde ja ohne hin nichts bringen.


Vivienne stimmte Mo zu. Er hatte Recht behalten, sie hatte nun vom vielen Weinen Kopfschmerzen und ihre Lider fühlten sich schwer an. Sie nahm gedankenlos Mos Hände in ihre und sah ihn in die Augen. Wieder legte sich diese Traurigkeit in ihren Blick. "Hör zu, ich versteh hier gar nichts mehr. Ich weiß nicht wo mir der Kopf steht, aber was ich weiß ist, dass ich dich wirklich mag. Bitte lass mich nicht mehr allein.". Sie nahm Morris in den Arm. Es fühlte sich richtig und falsch zugleich an.
Sie wollte ihn bei sich behalten, doch andererseits war sie so aufgewühlt dass sie nicht wusste wie sie mit Mo umgehen sollte. Trotzdem fragte sie: "Magst du mit auf mein Zimmer kommen?"


Die Reaktionen des Rotschopfes waren für Mo nicht immer ganz verständlich in diesem Moment, so das er etwas länger zu brauchen schien das alles richtig ein zu schätzen. Ihre Hände umfassten seine, durch die Aufregung sehr kalten Hände und ihre Worte zogen irgendwie schon fast an ihm vorbei, Sie mochte ihn? Und wollte dass er sie nicht alleine ließ? Jetzt auf einmal? Nach dem sie so unglaublich kalt zu ihm war? Seine Gedanken drehten und wanden sich wie eine Schlange die ihre Beute erlegt. Ihr diese Worte zu glauben fühlte sich einfach so falsch an. Er war doch nichts, das man sich nahm wenn man es brauchte und wenn man es nicht brauchte legte man es weg? Aber er wusste auch dass es für seine Mitmenschen oft schwer war seine Situation zu verstehen und viele reagierten dann eben so. Sie nahm den Tattoowierten in den Arm, etwas das er in diesem Augenblick nicht erwiderte. Leicht schob er sie wieder von sich weg. "Hör zu Vivienne. Ich denke du solltest schlafen. Allein" Und obwohl er diese Worte jetzt sagte, verlor er dabei nicht an Wärme, schließlich meinte er es nicht als Angriff. Es war lediglich eine Art Selbstschutz. "Ich glaube es wäre nicht gut wenn ich mit komme. Zumindest wäre es für mich nicht gut." Er konnte sich gut vorstellen das seine Anwesenheit ihr helfen würde, aber für ihn wäre es wie eine Folter, bei ihr zu sein, und sich selbst nicht einmal bewusst zu sein was er wollte. Was er konnte. Er wusste nicht einmal ob er eine Freundschaft hinbekam, zumindest wusste er es jetzt noch nicht. "Sei mir nicht böse, aber ich brauch einfach ein wenig Abstand... zumindest für Heute."



Dienstag, 27. Mai 2014

Oo CHAPTER 8 oO The Truth shows its Face

Der nächste Tag verlief ereignislos. Sie wanderten im Wald und schauten sich irgendein Denkmal an. Was Mo und Vivi anging, gab es nichts zu sehen oder zu fotografieren für sie. Den einzigen Beweis den sie noch einholen konnte,war dieser,dass Mo tatsächlich nachts duschen gegangen ist. Woher konnte Sebo das nur wissen?
Aus irgendeinem Grund gingen Vivienne und Mo sich aus dem Weg. Ob da etwas zwischen ihnen war?
Den Tag über hatte Sebastian aber mit Vivi vebracht,was sie eifersüchtig werden lies. Immerhin nannte Sebastian sie Süße und nicht Vivienne. Die Hexe kotzte sie sowieso an. In allem musste sie perfekt sein. Sie sah gut aus,schrieb gute Noten,war beliebt und hatte mit Abstand den perfektesten Freund.
Der Tag neigte sich langsam dem Ende und Sebastian und die Clique und auch sie selbst wurden immer nervöser. Hoffentlich hatte die Lehrkraft einen festen Schlaf.


Die Waldwanderung war wahnsinnig entspannend für Vivienne. Sie hatte genug Zeit, über alles nachzudenken was gestern passiert war. Auch über Mos Worte. Sie tragen sie wie ein Messerstich in die Magengegend. Ihr wurde ganz übel als Mo so von dem Kuss sprach. Nachdem er im Zimmer verschwand stand sie noch einige Minuten regungslos vor seiner Tür. Der Kloß in ihrem Hals schnürte ihr die Luft ab,aber da sie Geräusche vernahm,verschwand sie schnell in ihr Zimmer.
Heute hatte sie noch nicht mit Mo gesprochen,geschweige denn ihn gesehen. Entweder er verschwand immer in der Gruppe oder er hatte sich vor ihr versteckt. Sie wusste es nicht und so gut kannte sie Mo dann doch noch nicht um das einschätzen zu können,was von beiden nun der Fall war.
Wieder in ihrem Zimmer angekommen entschloss sie sich ein wenig Musik zu hören und ein Buch zu lesen. Sie nahm sich grundsätzlich immer ein Buch mit,man konnte immerhin nie wissen,wann man mal Zeit überbrücken musste. Und da Mo nicht mit ihr zu sprechen schien, musste Vivienne die Zeit bis zum Schlafengehen überbrücken.


Mo hatte es am Morgen kaum aus dem Bett geschafft, er war viel zu lange wach gewesen und der Handywecker läutete den neuen Tag definitiv zu früh ein. "Ah scheiße". Murrend erhob er sich und war dann in den Speisesaal gegangen. Allerdings war er dabei doch recht bemüht Vivienne aus dem Weg zu gehen. Es war nicht so, dass er nicht mit ihr reden wollte, doch er hatte das Gefühl, Dinge nur noch schlimmer zu machen. Und er hatte nicht mehr das Bedürfnis sich weiter zum Idioten zu machen, erst einmal musste er sich selbst und seine Gedanken ordnen um irgendwie wieder klar zu kommen. Morris war sich bewusst, wenn er heute mit Vivienne reden würde, er wäre ungerecht ihr gegenüber, und das war das Letzte was er wollte. 
Also verbrachte er den ganzen Tag damit dem Rotschopf aus dem Weg zu gehen, in dem er immer wieder versuchte in der Menge an Schülern zu verschwinden, oder sich irgendwo abseits einen Platz zu suchen um eine zu rauchen. Mittlerweile war es doch schon recht spät geworden und der junge Mann hatte dieses tiefe Bedürfnis mit Vivi zu reden, was es nicht leichter machen würde, zu schlafen. Nicht einmal mit Musik konnte er sich ablenken, verdammt. Das war eine super intelligente Idee gewesen seinen I-Pod einfach gegen eine Wand zu schlagen. Klasse. Mürrisch erhob Morris sich. Vielleicht würde er doch noch mit Vivi reden? Den Tag ohne ein Wort zu wechseln enden zu lassen, fühlte sich doch mehr als beschissen an. Vielleicht könnte er ihr ja auch irgendwie erklären warum er ihr so aus dem Weg gegangen war, ohne ihr gleich sein Herz vor die Füße zu kotzen. Er griff sich seine Kippenschachtel, Handtuch und saubere Klamotten. Zu erst würde er noch einmal unter die Dusche springen, den Abbinder musste er auch noch waschen, und dann würde er mit Vivienne reden. Er wollte und er konnte den Tag nicht einfach so scheiße enden lassen. 
Er öffnete die Tür und betrat den Flur, überlegt kurz ob er vielleicht doch jetzt schon an Viviennes Tür klopfen würde, jetzt war die Wahrscheinlichkeit doch größer das sie noch wach war. 



Sebastian kribbelte es den ganzen Abend schon in den Fingern. Zusammen mit den drei Mädels aus der Clique hatte er sich den ultimativen Masterplan zusammengetüftelt.
Er blickte auf seine Handyuhr, dann zu den anderen zwei Mädchen. "Ihr wisst wie es ablaufen soll? Und stellt mir bis dahin keine Fragen. Ihr werdet es schon noch früh genug sehen.",es zeichnete sich ein diabolisches Lächeln auf seinem kantigen Gesicht ab. Es war soweit. Die SMS von ihrer Spionin ging ein. Diese wartete auf dem Flur auf sie. Sebastian öffnete die Tür und ging mit den beiden Weibern im Schlepptau in Richtung der Duschen. Dabei ging er an den Einzelzimmern vorbei. Mo befand sich direkt vor Viviennes Tür. Dies schürte Sebastians Zorn noch mehr an. Mit kräftigen Schritten ging er auf den Kleineren zu.
"Monique, Schätzchen. Was machst du denn noch um diese Uhrzeit auf dem Gang? Solltest du nicht längst deinen Schönheitsschlaf halten?". Er griff Mo unter dem Arm und zog ihn mit einem falschen Lächeln im Gesicht mit sich. "Du wolltest jetzt duschen gehen,richtig? Lass uns das doch zusammen tun. Es spart nicht nur Wasser sondern sorgt auch noch für heiße Erotik,hm?". Grob schubste er Mo in die Damengemeinschaftsdusche rein. Ohne Mo Zeit zum Reagieren zu geben, schubste er ihn schon an die kalten Fließen. Er fasste die schmalen Handgelenke des Kleineren mit seiner linken Hand und hielt sie über seinen Kopf fest. Er drängte seinen Körper ganz nah an den des Anderen ran. "Du hättest so hübsch sein können, meine liebe Monique. Dir wäre nichts passiert,wenn du all den Scheiß hier sein lassen würdest. Aber so wie du gerade schaust,siehst du auch ganz süß aus." Sebastian strich mit seiner freien Hand die Haare aus dem Gesicht seines Gegenüber. Er fasste Mo fest am Kiefer,sodass seine Lippen sich leicht nach Vorn wölbten. Sebastian lachte mies und drückte Mo einen Kuss auf. Genauso wie Mo es bei Vivienne tat. "Was fällt dir kleinen Schlampe eigentlich ein meine Freundin zu küssen? Und heimlich triffst du sie auch noch. Wegen dir verwahrlost sie immer mehr.". Er zeichnete mit seinem Finger die Form von Mos Lippen nach,lies den Finger dann am Hals entlang gleiten,bis er am Kragen des T-Shirts ankam. In einer schnellen, heftigen Bewegung zerriss er dieses. Er schleuderte den Kleinen um,sodass er seine Arme hinten auf seinen Rücken hebeln konnte. Das Wort an die drei Mädels gerichtet,drehte er sich ganz langsam um. "Nun,Ladies. Ihr könnt mit den Änderungsschneidereien beginnen.".
Das neue Cliquenoberhaupt hob gefasst die Schere,setzte sie an dem Abbinder an -welchen sie aber nicht als diesen identifizieren konnte- und schnitt ihn durch. Entblößt wurden zwei mehr als weibliche Brüste. 
"Sieh dich an Monique. Deine Titten sind doch sogar ganz hübsch,wieso versteckst du sie denn immer?",raunte Sebastian Mo ins Ohr.
Die Spionin bekam es so mit der Angst zu tun, weil das alles aus dem Ruder lief,dass sie hinaus rannte und heftig an Viviennes Tür zu klopfen begann. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.


Der Name welchen Sebastian da erklingen ließ, ließ Morris zusammenzucken und er hielt in seiner Bewegung inne. Es schien als gefror ihm das Blut in den Adern. Woher wusste Sebastian seinen Geburtsnamen? Langsam drehte er sich um, noch hoffend das dass alles hier einfach nur ein Missverständnis war, da wurde er auch schon von Sebo zu sich gezogen. Einen kurzen Augenblick blieb dem Tattoowierten die Luft weg und seine Augen weiteten sich erschrocken. "Lass mich los, du tickst doch nicht ganz sauber" Der versuch sich aus Sebastians Griff zu lösen schlug Fehl und unsanft wurde der kleinere in die Damenduschen befördert an welche er mit einem kurzen erschreckten keuchen gegen die Wand prallte, noch nicht wirklich begreifend was hier gerade passierte wurden ihm die Arme über dem Kopf fest gehalten, und wie ein wildes Tier verbiss sich nun die Panik in Morris Gedanken. "Lass mich los Sebastian" Immer wieder versuchte sich der kleine Schwarzhaarige aus dem Griff zu lösen, wie ein Fisch auf dem trockenem zappelte er. Die Wärme von Sebastians Körper ließ ihn sich enger gegen die Wand drücken, und noch ehe Morris wieder etwas sagen konnte wurde ihm unsanft an den Kiefer gefasst und Sebos Lippen pressten sich auf seine. Scheiße was passierte hier. Die Gedanken in Mo's Kopf rasten hingen an jedem etwaigen Fluchtversuch den er hätte unternehmen können, doch die Angst ließ ihn fast regungslos in dieser Situation. Die Worte des anderen hallten in seinem Kopf und die Berührungen hinterließen eine unangenehme Gänsehaut. "Ich.. nein ich...das war anders Sebastian hör auf lass mich bitte los" Leicht in die Knie sackend schloss er die Augen während Sebastians Finger seinen Hals hinab fuhren, dann gab es einen Ruck, erneut blieb Mo der Atem weg und er taumelte, kurz darauf dieser stechende Schmerz in den Schultern und Morris war bewegungsunfähig. "Hört auf mit dem scheiß bitte" Seine Sicht verschwamm, scheiße nicht heulen, nicht jetzt. Die Mädchen kamen auf den Jungen zu, das kalte Metall ließ Mo zusammenzucken und seine Augen weiteten sich fast panisch, wieder versuchte er sich aus dem Griff des anderen zu lösen, ein reißendes Geräusch und dieses typische stechen in der Lunge, das Morris beim ersten tiefen Atemzug fühlte, wenn er den Abbinder auszog durchfuhr ihn, jetzt konnte er die Tränen nicht mehr zurück halten. Die Welle der Scham und Hilflosigkeit überrollte ihn. Die Worte von Sebastian stachen durch Mark und Bein. Den Kopf gesenkt, in dieser unwürdigen Position versuchte Morris sich noch irgendwie los zu reißen, doch mit wenig Erfolg. Die Mädchen der Clique raunten erschrocken als der Scherenschnitt das frei gab was Mo jeden Tag versuchte zu verstecken. "Hör auf, bitte" Die Stimme des kleinen klang erstickt und sein Oberkörper zuckte unter den ersten Tränen die nun über seine Wangen liefen.


Total in ihr Buch vertieft vergas Vivienne total die Uhrzeit. Mit einem heftigen Hämmern an ihrer Tür wurde sie aus den Gedanken gerissen. Auf der kurzen Strecke vom Tisch bis zur Tür fasste sie sich und als sie die Tür öffnete war sie voll da. Ihre Rolle als Schulsprecherin hatte sie zwar vernachlässigt,aber nicht vergessen. Es war ein Mädchen aus ihrer ehemaligen Clique. Sie heulte wie ein Schlosshund und man verstand kein Wort. Sie zitterte am ganzen Leib und stammelte etwas von "Sebo,Handy,spioniert,Frau,Duschen...Mo". Bei dem Namen zuckte Vivienne zusammen und rannte los. Ihr Herz sackte ihr in die Unterhose. Was hatten die Weiber nun wieder angerichtet. "Wo?",schrie Vivienne achtlos und leicht panisch durch den Flur. Das Mädchen zeigte in Richtung Duschen. Vivienne beeilte sich und knallte die Tür zu den Duschen auf. Was sie da zu Gesicht bekam, nahm ihr den ganzen Atem. Der schock fühlte sich an,als würde man Eiswasser über sie schütten. Das Blut gefror in ihren Adern. Ihre Kinnlade hing unten,sie war unfähig sich zu bewegen.
Dort stand Sebastian,der ein halbnacktes Mädchen festhielt. Die zwei anderen aus der Clique standen genauso fassungslos und mit schuldigen Blick da. Die eine hielt noch immer die Schere in der Hand. "Sebastian?". Mehr brachte sie nicht heraus.

Sebastian lachte laut auf als der Kleine in sich zusammensackte und nur noch durch ihn aufrecht gehalten wurde. Die Tür wurde aufgerissen und es war Vivienne. Noch besser,dachte sich der Schüler. Er nickte einem der Mädels zu,"Los,zeig Vivienne Moniques schönes Gesicht.". Sie leistete Folge und krallte ihre dürren Finger in Mos Haar. Sie riss seinen Kopf nach hinten,sodass sein Gesicht vollkommen sichtbar für Vivienne war. "Ist sie nicht hübsch? Und gut küssen kann sie ja auch. Aber das weißt du ja schon,nicht wahr Süße?".

Vivienne drehte sich bei dem Anblick der Magen um. Es war Mo. Ihr Mo,der wunderschöne,geheimnisvolle Mo. Das konnte nicht sein. Aus ihrer Kehle erklang ein leises "Nein". Sie glaubte es nicht. "Mo?",sie sah den Jungen,das Mädchen,die Person an,die sie hinter ihre Mauern gelassen hatte. Doch das war er nicht. Das war nicht Mo. 

Sebastian erhob das Wort:"Sieh dir an was du getan hast,Vivienne. Das ist dein Verschulden. Das ist dafür,dass du fremdgeknutscht hast. Ist der Anblick nicht widerlich? Sieh sie dir an,die kleine Monique. Und sieh dich an. Du bist keinen Deut besser. Das war's. Dich will ich nicht mehr."

Nun verlor Vivi jegliche Kontrolle über sich. Ihr Kopf hatte sich verabschiedet. Ohne zu kontrollieren,was sie tat,fing sie an zu schreien. "Nein. Nein,nein." Immer wieder "Nein." Sie ging rückwärts aus den Duschen raus.
Sie preschte den Flur entlang,ihre Augen füllten sich so mit Tränen,dass sie nichts mehr sah und hinfiel. Schwerfällig richtete sie sich wieder auf. Sie verpasste sich selbst eine heftige Ohrfeige. "Reiß dich für ein paar Sekunden zusammen",presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Sie schluckte all ihre Tränen runter,was sie eine wahnsinnige Anstrengung kostete,ging zum Zimmer des Lehrers,klopfte und als er öffnete,bat sie in höflichster Manier um Hilfe. Sie wäre selbst mit der Situation überfordert. "Es ist ein Notfall,bitte beeilen sie sich.".
Sie ging die paar Schritte noch mit zu den Duschen,doch sie vermied hineinzuschauen. Als die ermahnende Stimme des Lehrers erklang brach alles wieder aus ihr hinaus. Sie rannte los. Raus,die Feuertreppe nehmend,einfach nur raus. Sie brauchte Luft,sie kratzte sich am Hals,weil sie einfach keine Luft bekam. Draußen in der Dunkelheit angekommen löste sich ein weiterer Schrei aus ihrer Kehle. Sie konnte atmen.


Morris, den mittlerweile jegliche Kraft verlassen hatte wurde nur noch schmerzhaft von Sebastian aufrecht gehalten, immer wieder zuckte sein Brustkorb und leises Schluchzen drang in den Raum, hallte an den nackten Wänden wieder. Er hatte schon viele Anfeindungen erlebt, schon viele Beleidigungen auf Grund seiner Transsexualität, aber noch nie, noch nie wurde er so gedemütigt. Schritte hallten auf die Gruppe zu. Nein, nicht Vivienne. Erneut verkrampfte sich Mo's Magen schmerzhaft, bitte nicht Vivienne. Unsanft griff ihm eine der Blondinen in die Haare und kurz darauf wurde sein Kopf zurück gerissen, nur kurz lag der tränenverschleierte Blick auf dem Rotschopf, ehe Morris die Augen fest zusammen kniff. Er wollte sie nicht sehen, er wollte nicht, dass sie ihn so sah. Dass sie das sah. Er wollte es ihr doch sagen, er wollte, dass sie es erfahren würde, aber doch nicht so. Wieder drang dieses erstickte Schluchzen in den Raum und ein leises, kaum wahr zu nehmendes "Bitte lass mich los". Was sollte Mo jetzt tun? Er konnte doch nicht wieder die Schule wechseln? Er würde sein Abi schmeißen, es war ihm egal. Jetzt in diesem Moment war es ihm egal und am Liebsten wäre er einfach gestorben. In diesem Augenblick einfach vom Erdboden verschwunden.
Vivienne schien das Weite zu suchen. Der Tattoowierte hörte noch ein "Nein" Ihrerseits und quälend lange Augenblicke später betrat eine Lehrkraft den Raum. Sebastian ließ Mo los und dieser sackte einfach nach vorn, legte die Stirn auf den kalten Fliesen ab und krallte seine Finger in sein kaputtes Shirt, zog es zu, versuchte so seinen Oberkörper zu verdecken. So fest er auch seine Lippen aufeinander presste, er konnte es nicht verhindern, das Weinen nicht mehr stoppen. Das war ein Albtraum, das war ein beschissener Albtraum,warum weckte ihn denn niemand? 


Sie stand ganz am Rande des Geschehens und fühlte tiefe Reue und Schuld. Was hatte sie da nur angerichtet? Es war so furchtbar, was Sebastian so lang geplant hatte. Und Mo war eigentlich eine Frau. Das verstand sie alles nicht. Der Lehrer schimpfte heftig mit ihren beiden Freundinnen und Sebastian. Sie wurden von ihm auf ihre Zimmer gebracht und würden morgen früh von den Eltern abgeholt werden.Die Lehrkraft gab ihr die Aufgabe,Mo auf sein Zimmer zu bringen. Ausgerechnet sie? Noch immer flennte sie. Kurze Zeit war sie mit Mo allein in den Duschen. Es war eine bedrückende Stille,nur das leise Schluchzen war hier und da zu hören. Vorsichtig ging sie auf Mo zu,umfasste seine Schultern und führte ihn raus. Mit seinem Handtuch versuchte sie seinen Oberkörper zu verdecken. "Oh Gott...d..das tut mi..mir alles so leid.". Sie schluchzte heftig. Das hatte sie nicht ahnen können. Mit langsamen Schritten brachte sie Mo in sein Zimmer und führte ihn zu seinem Bett. Dann,ohne noch ein Wort zu sagen ging sie wieder.


Viviennes Tränen versiegten langsam. Sie war so erschöpft vom vielen Weinen,dass sie sich einfach auf die Tischtennisplatten legte,wo zuvor auch schon Mo war. An Schlaf war weder in ihrem Zimmer noch hier draußen zu denken. Sie starrte gen Himmel,zählte die Sterne um sich abzulenken,doch immer wieder blitzte Mos Anblick vor ihren Augen auf. Morris war nicht Mo. Er -nein- sie war jemand vollkommen Fremdes. Sie musste an die schöne Zeit am Meer denken und den Kuss und ihr Herz setzte einen Schlag aus,ehe es stechend weiterpochte. Einen neuen Anflug von Tränen konnte Vivi jedoch zurückhalten. Je länger sie in die Sterne schaute und je mehr sie sich den Kopf darüber zerbrach,desto mehr formte sich der stechende Schmerz zu einer flammenden Ansammlung von Wut,die ihren Verstand benebelte. Sie war wütend auf sich selbst,aus Sebastian und vor Allem auf "Mo". Wie konnte diese Ratte sich nur so in ihr Leben einschleichen,sich hinter ihrer Mauern mogeln, ihre Beziehung ruinieren und zudem auch noch ihren Ruf. Sie fühlte sich dumm und hintergangen. Die Wut trieb sie an. Sie ging schnellen Schrittes ins Gebäude. Doch die Flure waren leer. Die Duschen auch. Alles war still. Sie ergab sich,ihre Haltung erschlaffte und ihr blieb nichts übrig,als in ihr Zimmer zu gehen. Das Bett war derzeit ihr einziger Zufluchtsort.


"Fass mich nicht an!". Fast wie eine in die Ecke getriebene Katze, fauchte Mo das Mädchen an, krallte sich in das Handtuch und ihre Entschuldigungen wollte er auch nicht hören. Er wollte einfach seine Ruhe haben, schlafen und am besten nie wieder aufwachen. Hätte er sein Auto hier, er wäre einfach gefahren, irgendwo hin. Als das Mädchen das Zimmer verließ warf Morris ihr noch ein "Ich hoffe jetzt seid ihr glücklich" hinterher. Allein im Zimmer verharrte er einige Momente so, das Handtuch haltend, als sei es das Einzige auf der Welt,dass ihn noch am Boden hielt- und auf den Boden starrend. Jetzt würden es alle erfahren. Alle würden es wissen. Und wieder würde er außenvor sein, den Anfeindungen ausgeliefert. Als wäre es nicht schon schwer genug ohne all das Drumherum. Langsam ließ er den kaputten Stoff von seinen Schultern gleiten. Scheiße, der Abbinder war teuer gewesen. Resigniert warf er den Stoff in seine Tasche und streifte sich einfach irgendein Shirt über. Wenn er schlief, trug er ohnehin nie den Binder. Und Morgen müsste eben die Folie her halten. Gott wie froh er war, diese eingepackt zu haben. Mo ließ sich zur Seite fallen und zog die Decke komplett über sich. Er hatte das Gefühl sich wieder einem Krieg stellen zu müssen, obwohl er des Kämpfens längst müde war. Er betete einfach, die Chance zu bekommen, mit dem Rotschopf reden zu können. Verdammt er hätte es ihr doch gesagt. Er wollte doch.

Montag, 26. Mai 2014

Oo CHAPTER 7 oO Hiding behind the Truth

Der Morgen kam zu plötzlich. In Hecktig schmiss Morris einige Klamotten in eine Reisetasche.Mist, er hatte es die vorherigen Tage nicht mehr geschafft seine Tasche zu packen. Seine Schritte gingen schnell in die Küche, aus einer Schublade holte er eine Rolle Frischhaltefolie. Es mochte seltsam anmuten, doch sollte der Abbinder doch plötzlich seinen Geist auf geben, oder gewaschen werden, was der Junge meist nachts tat, sodass er am nächsten Tag wieder einigermaßen trocken war, dann war die Folie seine Alternative. Eng um den Oberkörper gebunden fungierte sie eben auch  abbindend. Das seine Mutter,die ihm nun hinterher rief ,ließ er erstmal unbeachtet. Die letzten Sachen einpackend rannte er nun schon fast zur Haustür. Sein Auto würde er an der Schule stehen lassen müssen. So schnell konnte er allerdings nicht los, da seine Mutter nun zu diskutieren begann. Und so verzog sich das Ganze einfach nur unglaublich lang. 
Endlich in seinem Auto überbrückte der Schwarzhaarige die Meter zur Schule, leise fluchend kam er noch gerade rechtzeitig."Fuck". Das durfte nicht wahr sein und Morris war sich nicht sicher ob es noch schlimmer kommen konnte. Denn der einzige freie Platz war neben Vivienne. Und der wollte er eigentlich aus dem Weg gehen, damit sich die Situation von neulich nicht wiederholen würde. "Hey", er begrüßte sie relativ unsicher und ließ sich neben ihr fallen. Und sofort begann sein Herz wieder zu rasen.




Nervös hielt Vivienne Ausschau nach dem Schwarzhaarigen. Wo blieb er denn nur wieder? Sie blickte ständig auf ihre grazile Armbanduhr. In weniger als 10 Minuten war Abfahrt. Ob er es schaffen würde?! 
Vivi vernahm das Quietschen von alten Reifen auf Asphalt. Sie spähte aus dem Busfenster und war erleichtert,als sie Mos alte Schrottlaube zu sehen bekam. Leicht gehetzt betrat er den Bus und sah nicht wirklich erfreut darüber aus,dass nur noch neben ihr ein Platz frei war. Sebo und ihre Clique hatten ganz hinten in der letzten Reihe Platz genommen, jedoch konnte man das Gegacker bis vorn zu ihnen hören. Vivienne drehte sich unsicher zu ihnen um, um Sebastian anzusehen. Noch immer hatte sie nicht Schluss gemacht und noch immer hat er nicht mit ihr gesprochen. Genauso wie Mo die letzten Tage. Auch wenn er stets ein waches Auge auf sie geworfen hatte fühlte sie sich ohne die Gespräche mit ihm von Mo isoliert. 
Er lies sich neben ihr nieder und begrüßte sie mit einem wackeligen "Hey". Sofort erhellte sich Viviennes Miene. "Hi. Wow,du bist spät dran. Ich dachte schon du schaffst es nicht und verpasst die Klassenfahrt und ich müsste die langweilige Busfahrt allein verbringen...was eh nicht heißen soll, dass ich dir den Platz freigehalten hab, aber ja...also auf jeden Fall...ich bin froh dass du da bist." Die Worte preschten nur so aus Vivienne raus. Sie war so wahnsinnig aufgeregt Mo bei sich zu haben und dass er wieder mit ihr sprach. Also schien sie sich geirrt zu haben in dem Gedanken er würde sie meiden. Obwohl sie so viel redete verlor sie kein Wort über den Kuss. Sie wusste selbst noch nicht,was sie darüber denken sollte.


Mo blinzelte etwas irritiert, kurz darauf erklang allerdings wieder dieses typische Lachen seinerseits. "Hast du heute Morgen Sabbelwasser getrunken?". Er fischte eine Flasche Wasser aus seiner Tasche und gähnte dann etwas. "Aber ja, auch schön dich zu sehen... weißt du wie lange wir fahren?". Morris hatte diese Dumme Angewohnheit bei langen Busfahrten reisekrank zu werden, was mit unter auch an dem Binder lag, der gerade wenn Mo saß gegen seinen Magen drückte und ihm dann diese leichte Übelkeit bescherte.
Wirklich Lust hatte Mo nicht, und sicher hätte er es durchbekommen können, nicht mit zu müssen. Allerdings wollte er Vivienne nicht allein lassen, wahrscheinlich war das auch der einzige Grund warum er sich diese Fahrt nun antun würde. Die Lehrkraft sprach einige Worte zu der Klasse, die alte Clique des Rotschopfes kicherte und die restlichen Schüler schienen auch alle zu reden, sodass die Geräusche zu einem monotonen Gebrabbel wurden. Der Tattoowierte spielte fast schon nervös wirkend an dem Lederband um seinem Handgelenk herum. Er hatte einfach kein gutes Gefühl. Den Blick ließ er aus dem Fenster gleiten und kurz darauf schloss er die Augen. Ihm war jetzt schon schlecht, wie sollte das denn nun die weitere Fahrt über werden? Die Landschaft zog an ihnen vorbei und das Ziel rückte näher. Morris Aufregung wurde schlimmer. 


Peinlich berührt über Mos Aussage über ihren Gesprächsandrang lehnte sich Vivienne in den Sitz zurück. Sie schaute aus dem Fenster und genoss es einfach nur, neben Mo zu sitzen. Sie mussten nicht viel reden um sich trotzdem zu verstehen. Aber dann fiel Vivienne etwas ein, was sie schon länger vorhatte. Sie kramte ihr Handy raus und tippte Mo an die Schulter. "Wollen wir Handynummern austauschen? So...für den Notfall?". Ihre Ohren wurden ganz heiß, was verriet, dass dies wohl nicht der einzige Grund war, warum sie Mos Handynummer wollte. Der Junge wirkte sichtlich nervös und leicht grün um die Nase. "Sag,geht es dir nicht gut? Brauchst du irgendwas? Ich hab irgendwo noch so...", sie begann in ihrer kleinen Tasche zu wühlen, "ah hier. Kaugummis die gegen Übelkeit helfen sollen. Ich hab die zum Glück noch nie gebraucht.". Vivienne gab Mo gleich die ganze Packung. Sie hatte lieber für jeden Fall was dabei. 
Gerade als sie erneut auf ihr Handy blickte sah sie eine SMS von Sebastian, in welcher stand: "Vermiss dich Süße :*". Na klasse,jetzt wurde Vivienne doch schlecht. Sie sprach nicht über den Vorfall, der auf dem Schulhof passiert ist,sie wollte nicht mal daran denken. Der Schock darüber schien seine Nachwehen noch heute durch ihre Knochen zu ziehen. Sie seufzte und der Bus hielt langsam an.


Als Vivienne nach der Handynummer des Jungen fragte viel ihm erst auf das sie nie irgendwelche Nummern ausgetauscht hatten. Grade im Zeitalter der Smartphones eher unüblich. "Äh... warte" Er beugte sich etwas über und kramte sein Handy raus, die Sms die Vivi bekommen hatte bekahm er nicht mit, der Rotschopf reichte ihm die Kaugummis die er dankend annahm. Er wiederrum hielt ihr sein Handy hin, auf dessen, mit einem Sprung 'verzierten' Display seine Handynummer war. "Mein Handy ist aber meistens lautlos" Merkte er noch beilläufig an, er telefonierte einfach nicht gerne, und so konnte er sich meistens rausreden das er den Anruf nicht gehört hatte. Vivienne schrieb die Nummer ab und der Bus kahm zum Stehen. 
"Oh Gott sei dank" Stöhnte Mo erleichtert und erhob sich. Noch länger und er hätte das ganze wahrscheinlich nicht geschafft.Draußen streckte er sich erts einmal durch und ließ seine Wirbel knacken. Sie waren echt irgendwo im nirgenwo. "Ist alles okay?" Seine Tasche schulternd sah er nun zu Vivienne. Irgendwie schien sie nicht ganz da zu sein, viel mehr wirkte sie wie in tiefen Gedanken. Vielleicht hatte sie aber auch nur die Fahrt nicht so gut überstanden? Was die Jugendlichen hier machen sollten war ihm noch nicht so ganz klar, hier gab es ja nun wirklich nicht viel interessantes. Wald. Wiesen. Wahrscheinlich war die nächste Innenstadt kilometer weit weg. Die Lehrkraft stellte sich vor die Schüler, welche alle durcheinander redeten und brachte sie zur Ruhe. Wahrscheinlich würde jetzt die Zimmerverteilung kommen. Einer der Momente in denen Morris entspannen konnte. Er wusste schon das er ein Einzelzimmer bekommen würde. 


"Hm,ja. Alles okay.",sagte Vivienne mit einem künstlichen Lächekn zu Mo. Sie verstand die Welt nicht mehr und noch weniger als sie mit den drei Weibern ihrer alten Clique in ein Zimmer gesteckt werden sollte. In einem ruhigen Moment ging sie zum Lehrer und begann eine intellektuell klingende Diskussion,in dem sie der Lehrkraft weiß machte,dass die Schulsprecherin neutral bleiben sollte und für alle Schüler immer erreichbar sein sollte. Und wenn sie mit anderen auf einem Zimmer sei könnten diese wenn es nachts Probleme geben sollte gestört werden und das wollte sie nun nicht. Man konnte die alte Vivi durchscheinen sehen,die all ihre Überredenskunst,ihr Geschick und vorallem ihren Charme einsetzte. Ihr Versuch erntete Erfolg und sie kam zumindest ein Einzelzimmer. Sie griff nach ihrem Koffer und machte sich auf in Richtung Jugendherberge um in ihr Zimmer einzuziehen. Sie brauchte einen Moment für sich um ihre Gedanken und Gefühle zu sammeln und zu ordnen. Sebastians SMS hat sie ziemlich aus dem Konzept gebracht. Auf dem Zimmer angekommen bezog sie ordentlich ihr Bett,leerte den Koffer und verstaute den Inhalt im Schrank. Alles war ordentlich und wirkte sehr sauber. Vivienne setzte sich an den Tisch und vergrub die Hände im Gesicht. Doch ihre Ruhe wurde gestört,als es an der Tür klopfte. Es wurde zur Ablaufplanbesprechung zusammen getrommelt. Vivienne straffte ihre Schultern und ging gefasst zu den anderen.


Mo hatte wie erwartet ein Einzelzimmer bekommen. Rechtlich gesehen war es eben nicht einfach ihn einem der Geschlechter zu zuordnen. Auf dem Papier schon Männlich sah es eben Biologisch noch anders aus, was dazu führte das er immer irgendwie einzeln untergebracht wurde. Allerdings empfand er das nicht als sonderlich störend. So hatte der junge Mann zumindest immer seine Ruhe und niemanden auf seinem Zimmer der ihn nerven konnte. Er schleppte seine Tasche in den Raum und setzte sich einen Moment auf das ordentliche Bett. Er hasste solche Zimmer, so leer und unpersönlich, wirklich gut schlafen würde er mit sicherhheit nicht können, allerdings war Mo Schlafmangel ja gewohnt. Seine Tasche packte er nicht aus, warum sollte er? Er hatte ja nicht vor hier ein zu ziehen, außerdem hätte er dann alles wieder einräumen müssen und er war einfach schlicht zu faul dazu. Sein Blick glitt aus dem Fenster, das er sein Auto nicht hier hatte, war eine der Dinge die ihn wirklich störten. Er hatte das Gefühl dadurch nicht einmal eine Fluchtmöglichkeit zu haben, wenn ihm doch alles zu viel wurde. Durch ein klopfen an der Tür aus seinen Gedanken gerissen, erhob er sich wieder und öffnete die Holztür. Die Lehrkraft stand davor, es schien auch an der Frau nicht vorbei gegangen zu sein, das Morris bis auf Vivienne keinen wirklichen Anschluss gefunden hatte. Allerdings war damit auch zu rechnen. Ablaufsplanbesprechung. Wer hatte sich diesen Müll eigentlich ausgedacht? Diese ganzen Hausregeln hätte man auch einfach irgendwo an die Türen hängen können. 
Im Speisesaal versammelten sich die Schüler und Morris lehnte sich stumm einfach gegen die kühle Mauer. Ihm konnte keiner zwingen, sich zu setzten. Ein kurzer Blick traf auf den von Viviennes Freund, welcher Morris Unbehagen fühlen ließ. 


Im Speisesaal an Gruppentischen sitzend, lauschten die Schüler dem Lehrer und der Herbergsleitung, welche sie über die Regeln und Schlafenszeiten unterwies. Vivienne beobachtete Mo und Sebastian abwechselnd. Während sie nichts als Abscheu für den einen empfand, fühlte sie bei Mo eine angenehme Wärme, welche ihren Körper durchströmte.
Nachdem alle Regeln, Termine und Uhrzeiten geklärt worden sind, meldete sich Sebastian zu Wort. Das war mehr als ungewöhnlich, denn am Unterricht beteiligte er sich sonst nie. "Sagen sie mal...gibt es eigentlich Gemeinschaftsduschen? Wo Mädchen und Jungen gemeinsam unter's Wasser springen können? Oder sind die getrennt? Vielleicht gibt es ja auch eine für diejenigen, die nicht wissen in welche sie gehen sollen.", Sebastian lachte dreckig. Sie konnte den Sinn seiner Frage nur zur Hälfte verstehen. Aber sie sah, wem Sebastian einen bösen Blick zuwarf. Nein,das musste sie wirklich nicht verstehen.
Da es bereits so spät war, hatten sie noch Freizeit und die wollte Vivienne nutzen, um die Natur rund um die Herberge zu erforschen und gemütlich eine Zigarette zu rauchen, ohne dass Sebastian sie dabei stören würde.


Mo hörte der Herbergsleitung nur mit einem Ohr zu, er würde die Zeit ohne hin entweder rauchen oder in seinem Zimmer verbringen wenn er nicht mit Vivienne redete. Sebastian erhob die Stimme und anfangs schien auch das Morris nicht zu interessieren, dann allerdings durchfuhr ihn ein Gefühl des Schreckens. Der größere lachte dreckig und sah zu ihm. Einen Moment hörte Mo auf zu atmen, konnte er es wissen? Aber woher sollte er? Unbewusst begann der Junge nervös an seinem Piercings zu spielen. Scheiße. Was war das bitte für eine Aktion? Sebastian musste etwas wissen, warum sollte er Mo sonst so angesehen haben. Der Tattoowierte hatte Mühe sich nichts anmerken zu lassen, nichts von der Verunsicherung die er in diesem Moment spürte. Nein, das musste er sich eingebildet haben, er hatte immer aufgepasst das niemand etwas sah oder merkte, Sebastian konnte es nicht wissen. Er schüttelte den Gedanken mit einem flauen Gefühl im Magen ab, wärend die Lehrkraft Viviennes Freund über die Unsinnigkeit seiner Frage aufklärte. Die Besprechung endete und Mo schien es eilig zu haben aus diesem Raum und der Situation heraus zu kommen, die Worte von Sebastian hallten dabei immer wieder, wie eine kaputte Platte in seinem Kopf. Fahring fischte er eine Zigarette aus seiner Hosentasche und Zündete sie an, sobald er aus dem Gebäude war. Mahnte sich selbst dazu, ruhig zu bleiben, und das ganze einfach mal als Kindische Aktion um die Lehrkraft zu nerven ab zu tun. Das Feuerzeug kab dieses Typische Geräusch von sich als er seine Kippe anzündete und er inhalierte kurz darauf den blauen Dunst. Vielleicht etwas zu stark, denn ein Schwall der Übelkeit breitete sich in seinem Magen aus welcher ihn kurz würgen ließ. Von weitem sah er Vivienne wie sie ebenfalls eine rauchte, etwas unsicher führten ihn seine Schritte zu ihr. Er wollte eigentlich gar nicht mit ihr reden. Doch vielleicht sollte er es ihr sagen? Doch sobald er den Rotschopf sah, verflog dieser Gedanke wieder, er war noch nicht so weit. Und er hatte zu sehr diese Angst in sich, sie dann zu verlieren. Er gesellte sich mit einem "Scheiße kann die Frau labern" Zu dem Mädchen und zog erneut an seiner Kippe. "Und ich hab ehrlich gesagt nur die Häfte mitbekommen... wann müssen wir morgens aufstehen?"


Die Natur war recht hübsch anzusehen, doch der Nutzen dieser Klassenfahrt war Vivienne noch unklar. Warum wählte man einen so abgelegenen Ort? Und außer Wandern und irgendeinen Selbstfindungskram machten sie hier auch nicht. Mo stieß vorsichtig zu ihr. Er sah nachdenklich aus. "Na? Alles gut?" 
Vivienne und er ließen sich ein wenig über die Herbergsleiterin aus und schimpften auf die Regeln. Vivienne tat es das erste Mal so offenherzig. Sie hielt sich normalerweise immer schön brav an Vorgaben,Regeln und Termine,aber seit es Mo gab wurde sie viel lockerer. "Hm,wir müssen um 7 Uhr aufstehen und um halb 8 gibt es Frühstück. Ich ziehe es aber vor,das ausfallen zu lassen. Ich kann so früh noch nichts essen. Und oh man,warum muss mein Vollspast von Freund nur so eine Scheiße labern?". Vivi dachte nicht nach worüber sie sprach und die Strafe kam zugleich. Ein dicker Kloß formte sich in ihrem Hals. Warum musste sie vor Mo auch gerade von Sebo reden? Sie seufzte und wünschte sich,einfach nur wieder händchenhaltend am Meer zu sein. Mit Morris.Doch stattdessen versuchtr Sebastian sich wohl wieder bei ihr einzuschleimen,denn es war bereits die nächste Sms auf ihrem Handy. "Baby,du sieht heute echt hübsch aus. Sorry was da passiert ist. Du fehlst mir <3"




Morris ließ sich neben Vivienne nieder und nickte Schwach. Die Maske schien grade tonnenschwer zu sein "Klar. Schlechten Menschen geht's doch immer gut" Er zuckte mit den Schultern und  zog an seiner Kippe. Auf die Uhrzeit stöhnte er nur genervt. "Noch früher ging auch nicht mehr oder?" Er lehnte sich entwas zurück und sah auf die Umgebung. Morris war müde von der Fahrt und von allem drum herum. Viviennes Handy vibrierte kurz und, auch wenn nicht beabsichtigt, konnte Morris einen Blick auf das Display erhaschen. Und was er las ließ ihm einen bitteren Geschmack in der Kehle. Vivienne schien also doch noch mit diesen Menschen zutun zu haben. Und Sebastian war eben ihr Freund. Er hatte eben viel Mehr das er Vivi bieten konnte. Und Mo? Er hatte eben nichts. Die erkenntnis tat weh, mehr als er es sich eingestehen wollte. Scheiße was  hatte er sich nur gedacht? Vielleicht war das ganze mit Vivienne ja auch nur irgend ein Joke der Clique? Langsam erhob sich der Tattoowierte. "Anyways ich bin ziemlich kaputt, ich hau mich hin" Ohne wirklich auf eine Reaktion zu warten ging er einfach. Vielleicht war sein Plan auch ganz gut, auf abstand zu gehen. Es wäre dumm diese Gefühle weiter zu zulassen. 


Seufzend packte sie ihr Handy weg und schaute wieder zu Mo,welcher sich gerade aufmachte zu gehen. Nicht mehr schnell genug konnte Vivienne seinen Arm fassen,was sie ins Leere greifen lies. "Ist alles okay?" Besorgt sah sie dem Jungen nach. "Ja....okay. Dann ruh dich gut aus."
In ihrem Kopf rasten zig Gedanken. Es war alles so anders geworden seit dem Kuss. Und darüber gesprochen hatten sie seither auch nicht,obwohl schon Wochen ins Land gezogen waren. Es war alles so viel schöner mit Mo aber gerade fühlte es sich nur schlimmer an als es vorher war. Sie bereute es nicht,mit Mo am Strand gewesen zu sein. Das einzige was sie bereute war,dass sie noch immer nicht mit Sebastian Schluss gemacht hatte. Mit fester Überzeugung es jetzt sofort zu tun sprang sie auf und machte sich auf die Suche nach ihm. Ein wenig flau im Magen war ihr schon,aber die Zuneigung zu Mo überspielte das.
Als Vivienne ihren -noch- Freund bei ihrer alten Clique fand,bat sie ihn,mitzukommen. Sie gingen auf Viviennes Zimmer,wo sie ungestört sein konnten. Doch noch bevor Vivi etwas sagen konnte,hatte sich Sebastian auf sie gestürzt. Er küsste sie nass und wild,doch Vivi konnte sich nicht aus dem Griff des Größeren lösen. Das war alles so falsch was hier passierte. Aber letzten Endes dachte Vivienne sich,nach so vielen bedeutungslosen Malen täte es einmal mehr oder weniger auch nicht zur Sache. Sie gab sich dem Kerl hin,den sie einst liebte und jetzt hasste. Was Vivienne nicht wusste war,dass alle Einzelzimmer nebeneinander lagen. Und so auch das von Mo.


Morris hatte sich mitlerweile auf sein Bett gesetzt, viel mehr auf dieses Ungemütliche Ding welches als Bett fungierte und wuste nichts recht mit sich an zu fangen. Vielleicht hatte er das ganze ja nur in den falschen Hals bekommen? Und überhaupt Vivienne konnte doch tun was sie wollte, es ging ihn schließlich nichts an. Sie waren Freunde, mehr nicht, wobei Morris sich nicht einmal sicher war ob sie das auch so empfand. Scheiße dieser Kuss war so dämlich von ihm gewesen. Leise vor sich hin fluchend kramte er seinen MP3 Player aus der großen schwarzen Reisetasche, als etwas dafür sorgte das er in seinen Bewegungen stoppte. Leise Geräusche drangen aus dem Nebenzimmer zu ihm. Die Wände hier waren verdammt dünn. Das Musikmedium klackte leise als es auf dem Boden fiel, und der Blick des Tattoowierten lag fast fassungslos auf der Wand vor ihm. Das war eindeutig Vivienne. Und was sie da grade trieb und vorallem mit wem, konnte er sich durch aus denken. Es fühlte sich an als soge jemand den Sauerstoff aus seinen Lungen, als hätte jemand ihm die Farbe under der Haut weg gekratzt. Wie dumm war er zu denken das Vivienne vielleicht auch nur im Ansatz so etwas fühlte wie er. Wie Naiv war er? Wie konnte er nur denken auch nur die leiseste Chance gegen diesen Gorilla zu haben? "Fuck" Die schmalen Finger gruben sich in seine Haare und er stützte seine Ellenbogen auf seinen Beinen ab, konnten sie nicht wenigstens leiser dabei sein? Morris hatte keinen Bedarf die beiden auch noch dabei zu hören. Langsam löste er seine Position, hob den MP3 Player auf und lies sich von der Musik berieseln, bersuchte diese nebengeräusche aus zu blenden, welche ihm das  Gefühl gaben, ihn innerlich zu zerreißen. Verflucht das war der Grund warum er sich immer von solchen Gefühlen fern halten wollte. Wie lange er hier gessen hatte, er wusste es nicht, aber irgenwann hielt Morris es nicht mehr aus, in diesem Zimmer, wissend was neben an geschah. Wie froh er war Vivienne nichts davon gesagt zu haben was er die ganze Zeit versteckte. Wer wusste denn ob sie es nicht gleich ihrer tollen Clique sagte? Langsam öffnete er die Tür, trat aus dem Zimmer, und bereute es auch gleich. Auch Viviennes Tür öffnete sich und aus dem Raum trat Sebastian, sich die Haare richtend und den Hosenstall wieder verschließend. Einige Augenblicke lang konnte Mo nichts anderes als dort zu stehen, auf dem kühlen Flur und den anderen an zu sehen, mit diesem Gefühl der Verachtung. Er löste sich aus seiner Starre, wand dem anderen den Rücken zu und ging wortlos aus dem Gebäude. Scheiße er brauchte eine Kippe, er musste runter kommen irgendwie. Ein kräftiger Tritt gegen einen der Mülleimer auf dem Innenhof verursachte ein lautes Scheppern.


Vivienne lag erschöpft und müde und halbnackt auf dem Bett,in ihre Decke eingewickelt. Sie fühlte sich leer und irgendwie auch traurig. Sie war enttäuscht von sich dass sie wieder nicht den Mut hatte,die Beziehung zu beenden. Ihre Lider flackerten leicht,das alles strengte sie so an. Sie wollte nur noch schlafen. In dem Dämmerzustand in welchem sie sich befand bekam sie nur vage mit was passierte. Sie hörte Sebastian reden doch seine Worte verstand sie nicht mehr. 

Sebastian schloss gerade seinen Hosenstall als da schon der schwarzhaarige Zwerg vor der Tür stand. Er grinste wieder so dreckig wie im Speisesaal,leckte sich die Lippen und meinte zu Mo "Und so macht man es richtig. Wie ein Mann eben!". Er drehte sich um und ging in sein Zimmer um seinen Jungs erstmal zu erzählen wie hart er Vivi gerade rangenommen hatte. Natürlich lies er sich lange Zeit bis er die Tür schloss,sodass jedes Wort was er sagte auf dem Flur wiederhallte. 


Morris saß mittlerweile auf einem der Tischtennisplatten auf dem Innenhof, wer auch immer auf die Idee kam, hier welche auf zu stellen, er bezweifelte das die jemals genutzt wurde. Die Worte des Größeren hatte Morris noch leise gehört als er ging, und sie hätten in ihm diese Wut ausgelöst die ihn hätte heulen lassen können. Schön, dann war er vielleicht noch kein Mann, zumindest noch nicht Biologisch. Aber er hatte es zumindest nicht nötig sich durch solche asozialen Aktionen zu profilieren. Seine Hand welche die Kippe hielt zitterte leicht, und immer wieder versuchte der Tattoowierte den Klos in seinem Hals einfach zu schlucken. Dennoch verschwamm seine Sicht leicht. "Ah Fuck" Fluchend presste er seine Handballen gegen seine Augen. Das alles kotze ihn so an. Nicht nur die Tatsache das er sich einfach unglaublich naiver weise Hoffnungen gemacht hatte, was Vivienne anging nein auch die Tatsache das ihm nun bewusst wurde, das es einfach Dinge gab, die er Vivi nicht bieten konnte, das er eben nichts weiter war, als irgend etwas dazwischen. Er war eben doch nur ein Mann der in einem beschissen falschen Körper steckte. "Scheißdreck" Wieder zog er zittrig an seiner Kippe. Das alles nervte ihn, er konnte doch nicht sauer auf den Rotschopf sein, sie war schließlich ein eigenständiger Mensch und konnte tun was sie wollte doch scheiße das tat so weh.  Das war so typisch für ihn. Das war so klar das er sich gleich in den ersten Menschen verlieben musste der irgendwie nett zu ihm wahr. Erwachsen werden wäre nicht schlecht. Den MP3 Player den er mit genommen hatte schaltete er wieder ein, und dort auf der Tischtennisplatte sitzend rauchte er nun seine Schachtel leer, während die Musik auf ihn niederpreschte. Das es mittlerweile dunkel und kalt wurde, ignorierte er einfach.


In der kurzen Zeit in welcher Vivienne schlief hatte sie wirre Träume. Das Meer wütete und sie stand noch immer an der Brandung. Hinter ihr sah sie Mo und über den Wellen schwebte Sebastian,welcher sie versuchte ins Meer zu locken. Eine große, tsunamiartige Welle kam auf sie zu und mit einem lauten Geräusch traf sie die Welle hart. Ihr ganzer Körper zuckte zusammen. Sie stand umgehend auf,obwohl sie so verwirrt war. Mit müdem Blick schloss sie ihre Tür ab um kurz darauf ihr Fenster zu öffnen. Frische Luft würde sie jetzt brauchen um wieder ruhig einschlafen zu können. Was sie nicht wusste war,dass der Blick direkt auf den Hinterhof der Herberge zeigte. Und wie es der Zufall so wollte war sie so schlaftrunken, dass sie nicht merkte,dass sie nur ein Höschen an hatte. 
Vivi öffnete beide Fenster und atmete erstmal die frische,kalte Luft ein. Sofort wurden ihre Gedanken klarer, so klar -um genau zu sein- dass sie auf den Hinterhof blickte, Mo auf einen der Tischtennisplatten sah und ihm freundlich zuwinkte. Ein kalter Luftzug blies ihr um den nackten Oberkörper. Moment! Sie war nackt? Bis Vivienne das alles verarbeitete,was da gerade passierte verging eine gefühlte Ewigkeit. Sie schrie auf und duckte sich so schnell sie konnte runter. Ihr Gesicht war puterrot,ihr Herz raste und jetzt hielt sie sich die Arme schützend vor ihre Brüste. Jetzt,wo es bereits zu spät war. 
Sie schämte sich so sehr,dass ihre Augen sich mit Tränen füllten. Musste es ausgerechnet Mo sein?



Morris war in die Musik vertieft, bekam kaum mit was um ihn herum passierte, er hing Gedanken nach und erst langsam nahm er die Kälte wahr die doch langsam unter seine Haut kroch und ihn ein wenig frösteln ließ. Scheiße wie spät war es? Ein Blick auf seine Armbanduhr ließ den Schreck in seine Glieder fahren. Scheiße, er hatte so lange draußen gegessen? 
Sein Blick ging hoch, hoffentlich war dir Tür noch auf. Unglücklicher weise traf sein Blick dann allerdings auf das Fenster des Rotschopfes welche dort oben Ohne stand und... Moment Oben ohne? Fuck. Doch recht schnell wand er den Blick ab, wahrscheinlich hatte Vivienne selbst nicht mehr auf dem Schirm das sie nackt war? Anders konnte der Tattoowierte sich das Verhalten nicht erklären. Oh Gott war ihm das jetzt peinlich sie so gesehen zu haben, wahrscheinlich war es ihr allerdings nicht minder unangenehm denn er konnte sie aus dem Augenwinkel noch schnell verschwinden sehen. 
Langsam erhob sich Morris und schritt zur großen Eingangstür. Abgeschlossen. Großartig....Unsicher schritt Mo kurz von der Tür weg nur um dann doch wieder einige Schritte darauf zu zugehen. "Fuck" Leise fluchend ging er nun doch zu Viviennes  Fenster, stellte sich etwas daneben und lehnte sich mit dem Rücken an die Hauswand. "Ähm, Vivi... die Tür ist zu... kannst du mich rein lassen?"


So etwas Peinliches war Vivienne schon lang nicht mehr passiert. Der Schwarzhaarige gab keinen Laut von sich. Ob er weg war? Plötzlich ertönte seine Stimme. Er war ausgesperrt. Vivienne räusperte sich und piepste ein "Ja,Moment." in Richtung Fenster. Sie zog sich schnell ein T-Shirt und eine Jogginghose über und ging dann Barfuß zum Haupteingang. Sie hatte auch keinen Schlüssel,aber sie legte einfach den Notfallgriff um und zog fest an der Tür. Beschämt sah sie zu Boden als sie Mo rein lies. Anschauen konnte sie ihn doch nicht nach der Aktion. Sie nuschelte " Ich eh...ehm also,'tschuldigung." Dann ging sie mit verschränkten Armen voran zu den Zimmern. Ihm Augenwinkel fiel ihr jedoch eine Bewegung auf,sie blickte sich um doch da war nichts. Nur sie und Mo auf dem Gang. Sie musste wohl echt schlafen. Die letzten Tage und besonders heute waren ziemlich anstrengend gewesen.

Sie wurde für ihre spannenden Informationen und das Beweisvideo entsprechend belohnt. Sie hatte nun Ansehen und Sebastian behandelte sie sehr gut. Er nannte sie jetzt immer "Süße".
Da sie Mo und Vivienne schon mal so gut und unentdeckt beobachtet hat,wurde sie beauftragt,es nochmal zu tun. Aber sie sollte sich hauptsächlich auf Mo konzentrieren. Sebastian hatte einen wirklich krassen Plan und was der Sinn und Zweck dahinter war, würden sie dann erfahren,wenn es soweit sah. 
Vivienne und Mo gingen den Gang lang und schnell zückte sie ihr Handy und schoss ein paar Beweisfotos. Vivienne horchte auf und sah in ihre Richtung. Aber anscheinend hatte sie sie nicht gesehen. Was ein Glück. Auf Samtpfoten schlich sie sich zurück zu den anderen. Es würde nicht mehr lang dauern, dann könnte ihr Plan in die Tat umgesetzt werden. Sie brauchten nur noch die Bestätigung,dass Mo nachts duschen würde. Mehr wusste sie aber auch nicht. Solang Sebastian sie mochte, war ihr das auch egal.



"Wofür entschuldigst du dich?" Mo's stimme klang beiläufig und hatte an wärme mächtig etwas eingebüßt. Er wollte nicht so kalt sein, doch er wollte Vivienne nicht mehr so nah an sich heran lassen. Ein leises Seufzen drang aus seiner Kehle. "Ich werde jetzt dann auchmal ins Bett gehen" Ein doch fast schon erzwungenes Lächeln lag auf seinen Lippen, und der Versuch die alte Wärme wieder zu erlange scheiterte. Er wollte Vivienne als Freundin nicht verlieren, er mochte sie schließlich wirklich.  Leicht lehnte er sich gegen die Wand und sah noch einmal zu dem Rotschopf. "Vivi?" Scheiße was machte er denn jetzt? Sein Mund redete schneller als er denken konnte. "Das wegen dem Kuss. Also du weißt schon"...  Fahrig strich er sich eine Strähne aus dem Gesicht und sah auf den dreckigen Linoleumboden im Flur. "Das war bescheuert und es tut mir Leid..." Das war nicht das was er sagen wollte. Wieso war denn jetzt sein Kopf so leer? "Ach vergiss es" Nuschelte er leise, mit sich und allem überfordert und öffnete seine Zimmertür. "Gute Nacht... und danke fürs rein lassen" Er schloss die Tür hinter sich, und ein leises Scheppern war zu hören als sein MP3-Player an die Wand vor ihm schlug. Er musste sich wieder sammeln, und das alles irgendwie vergessen. Vivi war mit Sebo zusammen, und er? Verdammt Mo wollte doch sowieso keine Beziehungen. Und er wollte nicht aus dieser ganzen Scheiße so ein Drama machen. Wie ätzend. Er sammelte die Überreste seines I-Pods zusammen und nahm sich einige Sachen um duschen zu gehen. Es war schon spät und alle Zimmer waren leise. Die Wahrscheinlichkeit das außer ihm noch jemand mitten in der Nacht duschen würde war doch sehr gering.