Montag, 26. Mai 2014

Oo CHAPTER 7 oO Hiding behind the Truth

Der Morgen kam zu plötzlich. In Hecktig schmiss Morris einige Klamotten in eine Reisetasche.Mist, er hatte es die vorherigen Tage nicht mehr geschafft seine Tasche zu packen. Seine Schritte gingen schnell in die Küche, aus einer Schublade holte er eine Rolle Frischhaltefolie. Es mochte seltsam anmuten, doch sollte der Abbinder doch plötzlich seinen Geist auf geben, oder gewaschen werden, was der Junge meist nachts tat, sodass er am nächsten Tag wieder einigermaßen trocken war, dann war die Folie seine Alternative. Eng um den Oberkörper gebunden fungierte sie eben auch  abbindend. Das seine Mutter,die ihm nun hinterher rief ,ließ er erstmal unbeachtet. Die letzten Sachen einpackend rannte er nun schon fast zur Haustür. Sein Auto würde er an der Schule stehen lassen müssen. So schnell konnte er allerdings nicht los, da seine Mutter nun zu diskutieren begann. Und so verzog sich das Ganze einfach nur unglaublich lang. 
Endlich in seinem Auto überbrückte der Schwarzhaarige die Meter zur Schule, leise fluchend kam er noch gerade rechtzeitig."Fuck". Das durfte nicht wahr sein und Morris war sich nicht sicher ob es noch schlimmer kommen konnte. Denn der einzige freie Platz war neben Vivienne. Und der wollte er eigentlich aus dem Weg gehen, damit sich die Situation von neulich nicht wiederholen würde. "Hey", er begrüßte sie relativ unsicher und ließ sich neben ihr fallen. Und sofort begann sein Herz wieder zu rasen.




Nervös hielt Vivienne Ausschau nach dem Schwarzhaarigen. Wo blieb er denn nur wieder? Sie blickte ständig auf ihre grazile Armbanduhr. In weniger als 10 Minuten war Abfahrt. Ob er es schaffen würde?! 
Vivi vernahm das Quietschen von alten Reifen auf Asphalt. Sie spähte aus dem Busfenster und war erleichtert,als sie Mos alte Schrottlaube zu sehen bekam. Leicht gehetzt betrat er den Bus und sah nicht wirklich erfreut darüber aus,dass nur noch neben ihr ein Platz frei war. Sebo und ihre Clique hatten ganz hinten in der letzten Reihe Platz genommen, jedoch konnte man das Gegacker bis vorn zu ihnen hören. Vivienne drehte sich unsicher zu ihnen um, um Sebastian anzusehen. Noch immer hatte sie nicht Schluss gemacht und noch immer hat er nicht mit ihr gesprochen. Genauso wie Mo die letzten Tage. Auch wenn er stets ein waches Auge auf sie geworfen hatte fühlte sie sich ohne die Gespräche mit ihm von Mo isoliert. 
Er lies sich neben ihr nieder und begrüßte sie mit einem wackeligen "Hey". Sofort erhellte sich Viviennes Miene. "Hi. Wow,du bist spät dran. Ich dachte schon du schaffst es nicht und verpasst die Klassenfahrt und ich müsste die langweilige Busfahrt allein verbringen...was eh nicht heißen soll, dass ich dir den Platz freigehalten hab, aber ja...also auf jeden Fall...ich bin froh dass du da bist." Die Worte preschten nur so aus Vivienne raus. Sie war so wahnsinnig aufgeregt Mo bei sich zu haben und dass er wieder mit ihr sprach. Also schien sie sich geirrt zu haben in dem Gedanken er würde sie meiden. Obwohl sie so viel redete verlor sie kein Wort über den Kuss. Sie wusste selbst noch nicht,was sie darüber denken sollte.


Mo blinzelte etwas irritiert, kurz darauf erklang allerdings wieder dieses typische Lachen seinerseits. "Hast du heute Morgen Sabbelwasser getrunken?". Er fischte eine Flasche Wasser aus seiner Tasche und gähnte dann etwas. "Aber ja, auch schön dich zu sehen... weißt du wie lange wir fahren?". Morris hatte diese Dumme Angewohnheit bei langen Busfahrten reisekrank zu werden, was mit unter auch an dem Binder lag, der gerade wenn Mo saß gegen seinen Magen drückte und ihm dann diese leichte Übelkeit bescherte.
Wirklich Lust hatte Mo nicht, und sicher hätte er es durchbekommen können, nicht mit zu müssen. Allerdings wollte er Vivienne nicht allein lassen, wahrscheinlich war das auch der einzige Grund warum er sich diese Fahrt nun antun würde. Die Lehrkraft sprach einige Worte zu der Klasse, die alte Clique des Rotschopfes kicherte und die restlichen Schüler schienen auch alle zu reden, sodass die Geräusche zu einem monotonen Gebrabbel wurden. Der Tattoowierte spielte fast schon nervös wirkend an dem Lederband um seinem Handgelenk herum. Er hatte einfach kein gutes Gefühl. Den Blick ließ er aus dem Fenster gleiten und kurz darauf schloss er die Augen. Ihm war jetzt schon schlecht, wie sollte das denn nun die weitere Fahrt über werden? Die Landschaft zog an ihnen vorbei und das Ziel rückte näher. Morris Aufregung wurde schlimmer. 


Peinlich berührt über Mos Aussage über ihren Gesprächsandrang lehnte sich Vivienne in den Sitz zurück. Sie schaute aus dem Fenster und genoss es einfach nur, neben Mo zu sitzen. Sie mussten nicht viel reden um sich trotzdem zu verstehen. Aber dann fiel Vivienne etwas ein, was sie schon länger vorhatte. Sie kramte ihr Handy raus und tippte Mo an die Schulter. "Wollen wir Handynummern austauschen? So...für den Notfall?". Ihre Ohren wurden ganz heiß, was verriet, dass dies wohl nicht der einzige Grund war, warum sie Mos Handynummer wollte. Der Junge wirkte sichtlich nervös und leicht grün um die Nase. "Sag,geht es dir nicht gut? Brauchst du irgendwas? Ich hab irgendwo noch so...", sie begann in ihrer kleinen Tasche zu wühlen, "ah hier. Kaugummis die gegen Übelkeit helfen sollen. Ich hab die zum Glück noch nie gebraucht.". Vivienne gab Mo gleich die ganze Packung. Sie hatte lieber für jeden Fall was dabei. 
Gerade als sie erneut auf ihr Handy blickte sah sie eine SMS von Sebastian, in welcher stand: "Vermiss dich Süße :*". Na klasse,jetzt wurde Vivienne doch schlecht. Sie sprach nicht über den Vorfall, der auf dem Schulhof passiert ist,sie wollte nicht mal daran denken. Der Schock darüber schien seine Nachwehen noch heute durch ihre Knochen zu ziehen. Sie seufzte und der Bus hielt langsam an.


Als Vivienne nach der Handynummer des Jungen fragte viel ihm erst auf das sie nie irgendwelche Nummern ausgetauscht hatten. Grade im Zeitalter der Smartphones eher unüblich. "Äh... warte" Er beugte sich etwas über und kramte sein Handy raus, die Sms die Vivi bekommen hatte bekahm er nicht mit, der Rotschopf reichte ihm die Kaugummis die er dankend annahm. Er wiederrum hielt ihr sein Handy hin, auf dessen, mit einem Sprung 'verzierten' Display seine Handynummer war. "Mein Handy ist aber meistens lautlos" Merkte er noch beilläufig an, er telefonierte einfach nicht gerne, und so konnte er sich meistens rausreden das er den Anruf nicht gehört hatte. Vivienne schrieb die Nummer ab und der Bus kahm zum Stehen. 
"Oh Gott sei dank" Stöhnte Mo erleichtert und erhob sich. Noch länger und er hätte das ganze wahrscheinlich nicht geschafft.Draußen streckte er sich erts einmal durch und ließ seine Wirbel knacken. Sie waren echt irgendwo im nirgenwo. "Ist alles okay?" Seine Tasche schulternd sah er nun zu Vivienne. Irgendwie schien sie nicht ganz da zu sein, viel mehr wirkte sie wie in tiefen Gedanken. Vielleicht hatte sie aber auch nur die Fahrt nicht so gut überstanden? Was die Jugendlichen hier machen sollten war ihm noch nicht so ganz klar, hier gab es ja nun wirklich nicht viel interessantes. Wald. Wiesen. Wahrscheinlich war die nächste Innenstadt kilometer weit weg. Die Lehrkraft stellte sich vor die Schüler, welche alle durcheinander redeten und brachte sie zur Ruhe. Wahrscheinlich würde jetzt die Zimmerverteilung kommen. Einer der Momente in denen Morris entspannen konnte. Er wusste schon das er ein Einzelzimmer bekommen würde. 


"Hm,ja. Alles okay.",sagte Vivienne mit einem künstlichen Lächekn zu Mo. Sie verstand die Welt nicht mehr und noch weniger als sie mit den drei Weibern ihrer alten Clique in ein Zimmer gesteckt werden sollte. In einem ruhigen Moment ging sie zum Lehrer und begann eine intellektuell klingende Diskussion,in dem sie der Lehrkraft weiß machte,dass die Schulsprecherin neutral bleiben sollte und für alle Schüler immer erreichbar sein sollte. Und wenn sie mit anderen auf einem Zimmer sei könnten diese wenn es nachts Probleme geben sollte gestört werden und das wollte sie nun nicht. Man konnte die alte Vivi durchscheinen sehen,die all ihre Überredenskunst,ihr Geschick und vorallem ihren Charme einsetzte. Ihr Versuch erntete Erfolg und sie kam zumindest ein Einzelzimmer. Sie griff nach ihrem Koffer und machte sich auf in Richtung Jugendherberge um in ihr Zimmer einzuziehen. Sie brauchte einen Moment für sich um ihre Gedanken und Gefühle zu sammeln und zu ordnen. Sebastians SMS hat sie ziemlich aus dem Konzept gebracht. Auf dem Zimmer angekommen bezog sie ordentlich ihr Bett,leerte den Koffer und verstaute den Inhalt im Schrank. Alles war ordentlich und wirkte sehr sauber. Vivienne setzte sich an den Tisch und vergrub die Hände im Gesicht. Doch ihre Ruhe wurde gestört,als es an der Tür klopfte. Es wurde zur Ablaufplanbesprechung zusammen getrommelt. Vivienne straffte ihre Schultern und ging gefasst zu den anderen.


Mo hatte wie erwartet ein Einzelzimmer bekommen. Rechtlich gesehen war es eben nicht einfach ihn einem der Geschlechter zu zuordnen. Auf dem Papier schon Männlich sah es eben Biologisch noch anders aus, was dazu führte das er immer irgendwie einzeln untergebracht wurde. Allerdings empfand er das nicht als sonderlich störend. So hatte der junge Mann zumindest immer seine Ruhe und niemanden auf seinem Zimmer der ihn nerven konnte. Er schleppte seine Tasche in den Raum und setzte sich einen Moment auf das ordentliche Bett. Er hasste solche Zimmer, so leer und unpersönlich, wirklich gut schlafen würde er mit sicherhheit nicht können, allerdings war Mo Schlafmangel ja gewohnt. Seine Tasche packte er nicht aus, warum sollte er? Er hatte ja nicht vor hier ein zu ziehen, außerdem hätte er dann alles wieder einräumen müssen und er war einfach schlicht zu faul dazu. Sein Blick glitt aus dem Fenster, das er sein Auto nicht hier hatte, war eine der Dinge die ihn wirklich störten. Er hatte das Gefühl dadurch nicht einmal eine Fluchtmöglichkeit zu haben, wenn ihm doch alles zu viel wurde. Durch ein klopfen an der Tür aus seinen Gedanken gerissen, erhob er sich wieder und öffnete die Holztür. Die Lehrkraft stand davor, es schien auch an der Frau nicht vorbei gegangen zu sein, das Morris bis auf Vivienne keinen wirklichen Anschluss gefunden hatte. Allerdings war damit auch zu rechnen. Ablaufsplanbesprechung. Wer hatte sich diesen Müll eigentlich ausgedacht? Diese ganzen Hausregeln hätte man auch einfach irgendwo an die Türen hängen können. 
Im Speisesaal versammelten sich die Schüler und Morris lehnte sich stumm einfach gegen die kühle Mauer. Ihm konnte keiner zwingen, sich zu setzten. Ein kurzer Blick traf auf den von Viviennes Freund, welcher Morris Unbehagen fühlen ließ. 


Im Speisesaal an Gruppentischen sitzend, lauschten die Schüler dem Lehrer und der Herbergsleitung, welche sie über die Regeln und Schlafenszeiten unterwies. Vivienne beobachtete Mo und Sebastian abwechselnd. Während sie nichts als Abscheu für den einen empfand, fühlte sie bei Mo eine angenehme Wärme, welche ihren Körper durchströmte.
Nachdem alle Regeln, Termine und Uhrzeiten geklärt worden sind, meldete sich Sebastian zu Wort. Das war mehr als ungewöhnlich, denn am Unterricht beteiligte er sich sonst nie. "Sagen sie mal...gibt es eigentlich Gemeinschaftsduschen? Wo Mädchen und Jungen gemeinsam unter's Wasser springen können? Oder sind die getrennt? Vielleicht gibt es ja auch eine für diejenigen, die nicht wissen in welche sie gehen sollen.", Sebastian lachte dreckig. Sie konnte den Sinn seiner Frage nur zur Hälfte verstehen. Aber sie sah, wem Sebastian einen bösen Blick zuwarf. Nein,das musste sie wirklich nicht verstehen.
Da es bereits so spät war, hatten sie noch Freizeit und die wollte Vivienne nutzen, um die Natur rund um die Herberge zu erforschen und gemütlich eine Zigarette zu rauchen, ohne dass Sebastian sie dabei stören würde.


Mo hörte der Herbergsleitung nur mit einem Ohr zu, er würde die Zeit ohne hin entweder rauchen oder in seinem Zimmer verbringen wenn er nicht mit Vivienne redete. Sebastian erhob die Stimme und anfangs schien auch das Morris nicht zu interessieren, dann allerdings durchfuhr ihn ein Gefühl des Schreckens. Der größere lachte dreckig und sah zu ihm. Einen Moment hörte Mo auf zu atmen, konnte er es wissen? Aber woher sollte er? Unbewusst begann der Junge nervös an seinem Piercings zu spielen. Scheiße. Was war das bitte für eine Aktion? Sebastian musste etwas wissen, warum sollte er Mo sonst so angesehen haben. Der Tattoowierte hatte Mühe sich nichts anmerken zu lassen, nichts von der Verunsicherung die er in diesem Moment spürte. Nein, das musste er sich eingebildet haben, er hatte immer aufgepasst das niemand etwas sah oder merkte, Sebastian konnte es nicht wissen. Er schüttelte den Gedanken mit einem flauen Gefühl im Magen ab, wärend die Lehrkraft Viviennes Freund über die Unsinnigkeit seiner Frage aufklärte. Die Besprechung endete und Mo schien es eilig zu haben aus diesem Raum und der Situation heraus zu kommen, die Worte von Sebastian hallten dabei immer wieder, wie eine kaputte Platte in seinem Kopf. Fahring fischte er eine Zigarette aus seiner Hosentasche und Zündete sie an, sobald er aus dem Gebäude war. Mahnte sich selbst dazu, ruhig zu bleiben, und das ganze einfach mal als Kindische Aktion um die Lehrkraft zu nerven ab zu tun. Das Feuerzeug kab dieses Typische Geräusch von sich als er seine Kippe anzündete und er inhalierte kurz darauf den blauen Dunst. Vielleicht etwas zu stark, denn ein Schwall der Übelkeit breitete sich in seinem Magen aus welcher ihn kurz würgen ließ. Von weitem sah er Vivienne wie sie ebenfalls eine rauchte, etwas unsicher führten ihn seine Schritte zu ihr. Er wollte eigentlich gar nicht mit ihr reden. Doch vielleicht sollte er es ihr sagen? Doch sobald er den Rotschopf sah, verflog dieser Gedanke wieder, er war noch nicht so weit. Und er hatte zu sehr diese Angst in sich, sie dann zu verlieren. Er gesellte sich mit einem "Scheiße kann die Frau labern" Zu dem Mädchen und zog erneut an seiner Kippe. "Und ich hab ehrlich gesagt nur die Häfte mitbekommen... wann müssen wir morgens aufstehen?"


Die Natur war recht hübsch anzusehen, doch der Nutzen dieser Klassenfahrt war Vivienne noch unklar. Warum wählte man einen so abgelegenen Ort? Und außer Wandern und irgendeinen Selbstfindungskram machten sie hier auch nicht. Mo stieß vorsichtig zu ihr. Er sah nachdenklich aus. "Na? Alles gut?" 
Vivienne und er ließen sich ein wenig über die Herbergsleiterin aus und schimpften auf die Regeln. Vivienne tat es das erste Mal so offenherzig. Sie hielt sich normalerweise immer schön brav an Vorgaben,Regeln und Termine,aber seit es Mo gab wurde sie viel lockerer. "Hm,wir müssen um 7 Uhr aufstehen und um halb 8 gibt es Frühstück. Ich ziehe es aber vor,das ausfallen zu lassen. Ich kann so früh noch nichts essen. Und oh man,warum muss mein Vollspast von Freund nur so eine Scheiße labern?". Vivi dachte nicht nach worüber sie sprach und die Strafe kam zugleich. Ein dicker Kloß formte sich in ihrem Hals. Warum musste sie vor Mo auch gerade von Sebo reden? Sie seufzte und wünschte sich,einfach nur wieder händchenhaltend am Meer zu sein. Mit Morris.Doch stattdessen versuchtr Sebastian sich wohl wieder bei ihr einzuschleimen,denn es war bereits die nächste Sms auf ihrem Handy. "Baby,du sieht heute echt hübsch aus. Sorry was da passiert ist. Du fehlst mir <3"




Morris ließ sich neben Vivienne nieder und nickte Schwach. Die Maske schien grade tonnenschwer zu sein "Klar. Schlechten Menschen geht's doch immer gut" Er zuckte mit den Schultern und  zog an seiner Kippe. Auf die Uhrzeit stöhnte er nur genervt. "Noch früher ging auch nicht mehr oder?" Er lehnte sich entwas zurück und sah auf die Umgebung. Morris war müde von der Fahrt und von allem drum herum. Viviennes Handy vibrierte kurz und, auch wenn nicht beabsichtigt, konnte Morris einen Blick auf das Display erhaschen. Und was er las ließ ihm einen bitteren Geschmack in der Kehle. Vivienne schien also doch noch mit diesen Menschen zutun zu haben. Und Sebastian war eben ihr Freund. Er hatte eben viel Mehr das er Vivi bieten konnte. Und Mo? Er hatte eben nichts. Die erkenntnis tat weh, mehr als er es sich eingestehen wollte. Scheiße was  hatte er sich nur gedacht? Vielleicht war das ganze mit Vivienne ja auch nur irgend ein Joke der Clique? Langsam erhob sich der Tattoowierte. "Anyways ich bin ziemlich kaputt, ich hau mich hin" Ohne wirklich auf eine Reaktion zu warten ging er einfach. Vielleicht war sein Plan auch ganz gut, auf abstand zu gehen. Es wäre dumm diese Gefühle weiter zu zulassen. 


Seufzend packte sie ihr Handy weg und schaute wieder zu Mo,welcher sich gerade aufmachte zu gehen. Nicht mehr schnell genug konnte Vivienne seinen Arm fassen,was sie ins Leere greifen lies. "Ist alles okay?" Besorgt sah sie dem Jungen nach. "Ja....okay. Dann ruh dich gut aus."
In ihrem Kopf rasten zig Gedanken. Es war alles so anders geworden seit dem Kuss. Und darüber gesprochen hatten sie seither auch nicht,obwohl schon Wochen ins Land gezogen waren. Es war alles so viel schöner mit Mo aber gerade fühlte es sich nur schlimmer an als es vorher war. Sie bereute es nicht,mit Mo am Strand gewesen zu sein. Das einzige was sie bereute war,dass sie noch immer nicht mit Sebastian Schluss gemacht hatte. Mit fester Überzeugung es jetzt sofort zu tun sprang sie auf und machte sich auf die Suche nach ihm. Ein wenig flau im Magen war ihr schon,aber die Zuneigung zu Mo überspielte das.
Als Vivienne ihren -noch- Freund bei ihrer alten Clique fand,bat sie ihn,mitzukommen. Sie gingen auf Viviennes Zimmer,wo sie ungestört sein konnten. Doch noch bevor Vivi etwas sagen konnte,hatte sich Sebastian auf sie gestürzt. Er küsste sie nass und wild,doch Vivi konnte sich nicht aus dem Griff des Größeren lösen. Das war alles so falsch was hier passierte. Aber letzten Endes dachte Vivienne sich,nach so vielen bedeutungslosen Malen täte es einmal mehr oder weniger auch nicht zur Sache. Sie gab sich dem Kerl hin,den sie einst liebte und jetzt hasste. Was Vivienne nicht wusste war,dass alle Einzelzimmer nebeneinander lagen. Und so auch das von Mo.


Morris hatte sich mitlerweile auf sein Bett gesetzt, viel mehr auf dieses Ungemütliche Ding welches als Bett fungierte und wuste nichts recht mit sich an zu fangen. Vielleicht hatte er das ganze ja nur in den falschen Hals bekommen? Und überhaupt Vivienne konnte doch tun was sie wollte, es ging ihn schließlich nichts an. Sie waren Freunde, mehr nicht, wobei Morris sich nicht einmal sicher war ob sie das auch so empfand. Scheiße dieser Kuss war so dämlich von ihm gewesen. Leise vor sich hin fluchend kramte er seinen MP3 Player aus der großen schwarzen Reisetasche, als etwas dafür sorgte das er in seinen Bewegungen stoppte. Leise Geräusche drangen aus dem Nebenzimmer zu ihm. Die Wände hier waren verdammt dünn. Das Musikmedium klackte leise als es auf dem Boden fiel, und der Blick des Tattoowierten lag fast fassungslos auf der Wand vor ihm. Das war eindeutig Vivienne. Und was sie da grade trieb und vorallem mit wem, konnte er sich durch aus denken. Es fühlte sich an als soge jemand den Sauerstoff aus seinen Lungen, als hätte jemand ihm die Farbe under der Haut weg gekratzt. Wie dumm war er zu denken das Vivienne vielleicht auch nur im Ansatz so etwas fühlte wie er. Wie Naiv war er? Wie konnte er nur denken auch nur die leiseste Chance gegen diesen Gorilla zu haben? "Fuck" Die schmalen Finger gruben sich in seine Haare und er stützte seine Ellenbogen auf seinen Beinen ab, konnten sie nicht wenigstens leiser dabei sein? Morris hatte keinen Bedarf die beiden auch noch dabei zu hören. Langsam löste er seine Position, hob den MP3 Player auf und lies sich von der Musik berieseln, bersuchte diese nebengeräusche aus zu blenden, welche ihm das  Gefühl gaben, ihn innerlich zu zerreißen. Verflucht das war der Grund warum er sich immer von solchen Gefühlen fern halten wollte. Wie lange er hier gessen hatte, er wusste es nicht, aber irgenwann hielt Morris es nicht mehr aus, in diesem Zimmer, wissend was neben an geschah. Wie froh er war Vivienne nichts davon gesagt zu haben was er die ganze Zeit versteckte. Wer wusste denn ob sie es nicht gleich ihrer tollen Clique sagte? Langsam öffnete er die Tür, trat aus dem Zimmer, und bereute es auch gleich. Auch Viviennes Tür öffnete sich und aus dem Raum trat Sebastian, sich die Haare richtend und den Hosenstall wieder verschließend. Einige Augenblicke lang konnte Mo nichts anderes als dort zu stehen, auf dem kühlen Flur und den anderen an zu sehen, mit diesem Gefühl der Verachtung. Er löste sich aus seiner Starre, wand dem anderen den Rücken zu und ging wortlos aus dem Gebäude. Scheiße er brauchte eine Kippe, er musste runter kommen irgendwie. Ein kräftiger Tritt gegen einen der Mülleimer auf dem Innenhof verursachte ein lautes Scheppern.


Vivienne lag erschöpft und müde und halbnackt auf dem Bett,in ihre Decke eingewickelt. Sie fühlte sich leer und irgendwie auch traurig. Sie war enttäuscht von sich dass sie wieder nicht den Mut hatte,die Beziehung zu beenden. Ihre Lider flackerten leicht,das alles strengte sie so an. Sie wollte nur noch schlafen. In dem Dämmerzustand in welchem sie sich befand bekam sie nur vage mit was passierte. Sie hörte Sebastian reden doch seine Worte verstand sie nicht mehr. 

Sebastian schloss gerade seinen Hosenstall als da schon der schwarzhaarige Zwerg vor der Tür stand. Er grinste wieder so dreckig wie im Speisesaal,leckte sich die Lippen und meinte zu Mo "Und so macht man es richtig. Wie ein Mann eben!". Er drehte sich um und ging in sein Zimmer um seinen Jungs erstmal zu erzählen wie hart er Vivi gerade rangenommen hatte. Natürlich lies er sich lange Zeit bis er die Tür schloss,sodass jedes Wort was er sagte auf dem Flur wiederhallte. 


Morris saß mittlerweile auf einem der Tischtennisplatten auf dem Innenhof, wer auch immer auf die Idee kam, hier welche auf zu stellen, er bezweifelte das die jemals genutzt wurde. Die Worte des Größeren hatte Morris noch leise gehört als er ging, und sie hätten in ihm diese Wut ausgelöst die ihn hätte heulen lassen können. Schön, dann war er vielleicht noch kein Mann, zumindest noch nicht Biologisch. Aber er hatte es zumindest nicht nötig sich durch solche asozialen Aktionen zu profilieren. Seine Hand welche die Kippe hielt zitterte leicht, und immer wieder versuchte der Tattoowierte den Klos in seinem Hals einfach zu schlucken. Dennoch verschwamm seine Sicht leicht. "Ah Fuck" Fluchend presste er seine Handballen gegen seine Augen. Das alles kotze ihn so an. Nicht nur die Tatsache das er sich einfach unglaublich naiver weise Hoffnungen gemacht hatte, was Vivienne anging nein auch die Tatsache das ihm nun bewusst wurde, das es einfach Dinge gab, die er Vivi nicht bieten konnte, das er eben nichts weiter war, als irgend etwas dazwischen. Er war eben doch nur ein Mann der in einem beschissen falschen Körper steckte. "Scheißdreck" Wieder zog er zittrig an seiner Kippe. Das alles nervte ihn, er konnte doch nicht sauer auf den Rotschopf sein, sie war schließlich ein eigenständiger Mensch und konnte tun was sie wollte doch scheiße das tat so weh.  Das war so typisch für ihn. Das war so klar das er sich gleich in den ersten Menschen verlieben musste der irgendwie nett zu ihm wahr. Erwachsen werden wäre nicht schlecht. Den MP3 Player den er mit genommen hatte schaltete er wieder ein, und dort auf der Tischtennisplatte sitzend rauchte er nun seine Schachtel leer, während die Musik auf ihn niederpreschte. Das es mittlerweile dunkel und kalt wurde, ignorierte er einfach.


In der kurzen Zeit in welcher Vivienne schlief hatte sie wirre Träume. Das Meer wütete und sie stand noch immer an der Brandung. Hinter ihr sah sie Mo und über den Wellen schwebte Sebastian,welcher sie versuchte ins Meer zu locken. Eine große, tsunamiartige Welle kam auf sie zu und mit einem lauten Geräusch traf sie die Welle hart. Ihr ganzer Körper zuckte zusammen. Sie stand umgehend auf,obwohl sie so verwirrt war. Mit müdem Blick schloss sie ihre Tür ab um kurz darauf ihr Fenster zu öffnen. Frische Luft würde sie jetzt brauchen um wieder ruhig einschlafen zu können. Was sie nicht wusste war,dass der Blick direkt auf den Hinterhof der Herberge zeigte. Und wie es der Zufall so wollte war sie so schlaftrunken, dass sie nicht merkte,dass sie nur ein Höschen an hatte. 
Vivi öffnete beide Fenster und atmete erstmal die frische,kalte Luft ein. Sofort wurden ihre Gedanken klarer, so klar -um genau zu sein- dass sie auf den Hinterhof blickte, Mo auf einen der Tischtennisplatten sah und ihm freundlich zuwinkte. Ein kalter Luftzug blies ihr um den nackten Oberkörper. Moment! Sie war nackt? Bis Vivienne das alles verarbeitete,was da gerade passierte verging eine gefühlte Ewigkeit. Sie schrie auf und duckte sich so schnell sie konnte runter. Ihr Gesicht war puterrot,ihr Herz raste und jetzt hielt sie sich die Arme schützend vor ihre Brüste. Jetzt,wo es bereits zu spät war. 
Sie schämte sich so sehr,dass ihre Augen sich mit Tränen füllten. Musste es ausgerechnet Mo sein?



Morris war in die Musik vertieft, bekam kaum mit was um ihn herum passierte, er hing Gedanken nach und erst langsam nahm er die Kälte wahr die doch langsam unter seine Haut kroch und ihn ein wenig frösteln ließ. Scheiße wie spät war es? Ein Blick auf seine Armbanduhr ließ den Schreck in seine Glieder fahren. Scheiße, er hatte so lange draußen gegessen? 
Sein Blick ging hoch, hoffentlich war dir Tür noch auf. Unglücklicher weise traf sein Blick dann allerdings auf das Fenster des Rotschopfes welche dort oben Ohne stand und... Moment Oben ohne? Fuck. Doch recht schnell wand er den Blick ab, wahrscheinlich hatte Vivienne selbst nicht mehr auf dem Schirm das sie nackt war? Anders konnte der Tattoowierte sich das Verhalten nicht erklären. Oh Gott war ihm das jetzt peinlich sie so gesehen zu haben, wahrscheinlich war es ihr allerdings nicht minder unangenehm denn er konnte sie aus dem Augenwinkel noch schnell verschwinden sehen. 
Langsam erhob sich Morris und schritt zur großen Eingangstür. Abgeschlossen. Großartig....Unsicher schritt Mo kurz von der Tür weg nur um dann doch wieder einige Schritte darauf zu zugehen. "Fuck" Leise fluchend ging er nun doch zu Viviennes  Fenster, stellte sich etwas daneben und lehnte sich mit dem Rücken an die Hauswand. "Ähm, Vivi... die Tür ist zu... kannst du mich rein lassen?"


So etwas Peinliches war Vivienne schon lang nicht mehr passiert. Der Schwarzhaarige gab keinen Laut von sich. Ob er weg war? Plötzlich ertönte seine Stimme. Er war ausgesperrt. Vivienne räusperte sich und piepste ein "Ja,Moment." in Richtung Fenster. Sie zog sich schnell ein T-Shirt und eine Jogginghose über und ging dann Barfuß zum Haupteingang. Sie hatte auch keinen Schlüssel,aber sie legte einfach den Notfallgriff um und zog fest an der Tür. Beschämt sah sie zu Boden als sie Mo rein lies. Anschauen konnte sie ihn doch nicht nach der Aktion. Sie nuschelte " Ich eh...ehm also,'tschuldigung." Dann ging sie mit verschränkten Armen voran zu den Zimmern. Ihm Augenwinkel fiel ihr jedoch eine Bewegung auf,sie blickte sich um doch da war nichts. Nur sie und Mo auf dem Gang. Sie musste wohl echt schlafen. Die letzten Tage und besonders heute waren ziemlich anstrengend gewesen.

Sie wurde für ihre spannenden Informationen und das Beweisvideo entsprechend belohnt. Sie hatte nun Ansehen und Sebastian behandelte sie sehr gut. Er nannte sie jetzt immer "Süße".
Da sie Mo und Vivienne schon mal so gut und unentdeckt beobachtet hat,wurde sie beauftragt,es nochmal zu tun. Aber sie sollte sich hauptsächlich auf Mo konzentrieren. Sebastian hatte einen wirklich krassen Plan und was der Sinn und Zweck dahinter war, würden sie dann erfahren,wenn es soweit sah. 
Vivienne und Mo gingen den Gang lang und schnell zückte sie ihr Handy und schoss ein paar Beweisfotos. Vivienne horchte auf und sah in ihre Richtung. Aber anscheinend hatte sie sie nicht gesehen. Was ein Glück. Auf Samtpfoten schlich sie sich zurück zu den anderen. Es würde nicht mehr lang dauern, dann könnte ihr Plan in die Tat umgesetzt werden. Sie brauchten nur noch die Bestätigung,dass Mo nachts duschen würde. Mehr wusste sie aber auch nicht. Solang Sebastian sie mochte, war ihr das auch egal.



"Wofür entschuldigst du dich?" Mo's stimme klang beiläufig und hatte an wärme mächtig etwas eingebüßt. Er wollte nicht so kalt sein, doch er wollte Vivienne nicht mehr so nah an sich heran lassen. Ein leises Seufzen drang aus seiner Kehle. "Ich werde jetzt dann auchmal ins Bett gehen" Ein doch fast schon erzwungenes Lächeln lag auf seinen Lippen, und der Versuch die alte Wärme wieder zu erlange scheiterte. Er wollte Vivienne als Freundin nicht verlieren, er mochte sie schließlich wirklich.  Leicht lehnte er sich gegen die Wand und sah noch einmal zu dem Rotschopf. "Vivi?" Scheiße was machte er denn jetzt? Sein Mund redete schneller als er denken konnte. "Das wegen dem Kuss. Also du weißt schon"...  Fahrig strich er sich eine Strähne aus dem Gesicht und sah auf den dreckigen Linoleumboden im Flur. "Das war bescheuert und es tut mir Leid..." Das war nicht das was er sagen wollte. Wieso war denn jetzt sein Kopf so leer? "Ach vergiss es" Nuschelte er leise, mit sich und allem überfordert und öffnete seine Zimmertür. "Gute Nacht... und danke fürs rein lassen" Er schloss die Tür hinter sich, und ein leises Scheppern war zu hören als sein MP3-Player an die Wand vor ihm schlug. Er musste sich wieder sammeln, und das alles irgendwie vergessen. Vivi war mit Sebo zusammen, und er? Verdammt Mo wollte doch sowieso keine Beziehungen. Und er wollte nicht aus dieser ganzen Scheiße so ein Drama machen. Wie ätzend. Er sammelte die Überreste seines I-Pods zusammen und nahm sich einige Sachen um duschen zu gehen. Es war schon spät und alle Zimmer waren leise. Die Wahrscheinlichkeit das außer ihm noch jemand mitten in der Nacht duschen würde war doch sehr gering.

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