Mittwoch, 21. Mai 2014

Oo Chapter 5 oO Troubles and Rumour

Der Wecker gab dieses ekelhaft, ätzende Geräusch von sich, das der Dunkelhaarige mit einem gezielten Schmiss vom Nachttisch, unterbrach. Sein Schädel brummte noch immer. Als würde jemand ihn mit einer Kettensäge bearbeiten. "Oh Gott scheiße", die kühle Hand des Jungen legte sich auf seine Stirn. Heute musste er wieder zur Schule, daran führte kein Weg vorbei, also schälte er sich langsam aus seiner Decke, die Füße suchten Halt auf dem Holzboden und er erhob sich. Einige Sachen aus dem Schrank ziehend begab er sich dann ins Bad, wo sein Blick direkt zum Spiegel glitt. Super. Er sah noch immer aus, als hätte er eine heiße Nacht mit dem Bordstein verbracht. Immer noch prangte dort an seinem Auge ein nettes Veilchen und die kleine, aufgeplatzte Stelle an seiner Unterlippe war auch noch deutlich zu erkennen. "So eine verfluchte Kacke" Mürrisch wand er sich von dem reflektierenden Glas ab und entledigte sich seiner Kleidung. Vor einigen Tagen gab es einen Zwischenfall in dem Club in welchem er arbeitete. Einige Jugendliche aus seiner alten Schule hatten dort gefeiert, und besoffen Streit mit ihm angefangen, eins kam zum anderen und Mo hatte ziemlich einstecken müssen. Es war nichts was er von diesen Leuten nicht schon gewohnt war, schließlich war es damals in der Schule schon nicht anders gewesen. Er war anders und das eckte eben gern mal an.
Das Wasser prasselte auf ihn herab und er lehnte seinen Kopf gegen die kühlen Fliesen. Der Gedanke heute wieder zur Schule zu müssen ließ seinen Magen schmerzhaft verkrampfen. Er wollte nicht, er wusste das er auch dort anecken würde. Das Wasser versiegte und er stieg aus der Duschkabine aus. Sporadisch trocknete er sich ab. Erneut fiel sein Blick in den Spiegel. Ließ einen stechenden Schmerz zurück und mit einem fast schon resigniertem Seufzer griff der Junge sich das enge, und sehr klein aussehende Oberteil, welches ihm grade bis zum Ende der Rippen ging und welches kaschierte, was eigentlich nicht da sein sollte. Wie jeden Morgen war wieder dieses Gefühl so präsent das er und sein Körper einfach nicht zusammen gehörten. Als wurde bei seiner Zeugung einfach ein Fehler gemacht, als wäre der Bausatz fehlerhaft gewesen. Es war schwer, in diesem engen Teil zu atmen, und es war wie jeden Morgen ein Akt, das passende Oberteil zu finden, unter welchem sich der Abbinder nicht zu sehr abzeichnete.
Sich noch zu Ende fertig machend, ein Brot in den Mund schiebend, und den Autoschlüssel greifend machte Mo sich dann auf den Weg zur Schule. Hoffentlich würde der Tag schnell vorüber gehen.


Pünktlich um 7:15 Uhr war Vivienne in der Schule. Sie hatte noch eine halbe Stunde Zeit bis der Unterricht begann und die nutzte sie mittlerweile um einen heißen Kaffee zu trinken und vor Sebastian versteckt zu rauchen. Die letzten Tage waren sehr anstrengend für sie. Ihre nun mehr mit ihr verfeindete Clique warf ihr nicht nur böse Blicke zu, sondern machten sich auch noch an Sebastian ran, was Vivienne ab und zu doch ganz gelegen kam. Sie war unaufmerksam im Unterricht und immer irgendwo anders mit ihren Gedanken. Vorallem aber wunderte sie sich, wo der kleine Schwarzhaarige blieb,der erst am letzten Wochenende mit ihr gemütlich auf der Couch gesessen hatte. Er war ihr so nah gekommen und nun kam er einfach nicht in die Schule. Vivi wusste nicht, wie sie darüber denken oder gar fühlen sollte. Immerhin war sie es, die am Ende die Mauern wieder meilenweit hochgezogen hatte, des Selbstschutzes Willen. 
Die ersten Tage, als Mo nicht da war, fragte sie sich, ob ihm etwas passiert sei, oder ob sie ihn vielleicht verärgert hätte. Doch im Laufe der kurzen Zeit wurden diese Sorgen zu einem Dichten Nebel, der ihre Sinne umgab. Noch resignierender als sonst schritt sie durch die Gänge, was ihre Bemühungen um Ansehen zu Nichte machten. Den Status als Schulsprecherin hatte sie so oder so und den würde sie auch erst in einem Jahr wieder verlieren, demnach machte es wohl auch nichts aus, wenn sie für kurze Zeit allein durch die Gegend ging. Sie hatte viel darüber nachgedacht, was Mo ihr an jenem Abend darüber sagte. Und wenn man sich nun vergegenwärtigte, dass ihre größte Angst die Einsamkeit war, Vivi sich jedoch seit Tagen in keinem anderen Zustand befand, muss Mo wohl etwas in ihr bewegt haben.
Es tat richtig gut ein richtiges "Nuttenfrühstück" vor der Schule zu halten. Wie jeden Morgen, seit Mo nicht mehr in der Schule war, steht sie an dem eisernen Tor, welches zum großen Schulhof führte. Vivienne sah recht zerzaust aus, nicht so aufgetakelt wie sonst. Sie fand morgens einfach nicht den Antrieb sich für irgendjemanden hübsch zu machen. Und ihrem Freund viel es sowieso nie auf, wie sie aussah.


Aus den Boxen des alten Wagens drang die gitarrenlastige Musik von "Bring me the Horizon" und etwas zu schnell bretterte das Gefährt auf den Parkplatz wo der Tattoowierte eine Vollbremsung einlegen musste. "Fuck". Das wäre fast schief gegangen und Morris war doch recht erleichtert, dass die alte Rostlaube doch noch die Bremsung geschafft hatte. Sich eine Kippe zwischen die Lippen steckend, stieg er aus dem Wagen aus und zündete sich den Glimmstängel direkt an. Von weitem erspähte er den Rotschopf und aus irgend einem Grund erhellte sich seine Stimmung schlagartig. "Na, aus dem Bett gefallen?" Begrüßte er sie, als Anspielung auf ihren doch recht zerzausten Look. "Gefällt mir besser als dieses Aufgetakelte" Mo war sich sicher, dass die letzten Tage für Vivienne nicht leicht gewesen sind. Doch er versuchte einfach sich nichts anmerken zu lassen von seiner Unsicherheit und dem schlechten Gewissen, das ihn plagte. Den blauen Dunst tief inhalierend lehnte der Junge sich an das Tor und war bemüßigt die Haare irgendwie in seinem Gesicht zu haben, so das sie das blaue Auge verdeckten. Er wollte nicht irgendwas erklären müssen, von dem er nicht wusste, was er hätte sagen sollen.


Vivienne wurde durch das Quietschen von Gummireifen auf Asphalt aus ihren Gedanken gerissen. Sie blinzelte unwillkürlich mit den Augen, denn wie war sich nicht sicher, ob es wirklich das Auto war, für welches sie es im ersten Moment hielt. Das konnte nicht sein. Sie wartete ab, bis der Fahrer ausstieg und tatsächlich. Es war Mo Brady. Sie schluckte schwer und richtete sich ein wenig auf. Anspannung machte sich in ihrem Körper breit. Der Schwarzhaarige kam lässig wie immer in die Schule, mit dem kleinen aber feinen Unterschied,dass er lächelte, als er in ihre Richtung blickte. Sie drehte sich um, um sich zu vergewissern, dass nicht jemand hinter ihr stand, den Mo vielleicht eher in Augenschein genommen hatte. Doch dies war nicht der Fall.
Nun stand Mo unmittelbar vor ihr und prasselte einen Wasserfall an Worten herunter, was Vivienne mit einer herunter geklappten Kinnlade da stehen lies wie einen Vollidioten. Sie stammelte unverständliche Worte und versuchte sich wieder zu fassen. Sie nahm einen kräftigen Zug an ihrer Zigarette,spülte den Geschmack mit Kaffee runter und setzte nochmal an. "Guten Morgen.", zu mehr war Vivienne gerade nicht in der Lage.
Dieses angenehme Gefühl, was sie in Morris' Gegenwart verspürte schlich sich heimlich von hinten an. Der Nebel in ihrem Kopf lichtete sich und ihre Sorgen, die sie sich die letzten Tage machte verschwanden. Sie fühlte sich nun leichter. Dieses Gefühl konnte sie nicht erklären,aber es war ein angenehmer Zustand.
Vivi versuchte den Informationsschwall, welcher Mo auf sie herab lies zu verarbeiten und blieb an dem versteckten Kompliment hängen. Sie errötete, was ihren Kopf nun vollends -Ton in Ton- rot erschienen lies. Was sollte sie nun zu ihm sagen? Sie hatte ihn anscheinend vermisst,aber das würde sie nie zugeben. "Du solltest dich beim nächsten Mal an die Geschwindigkeitsvorgaben halten,sonst baust du noch einen Unfall.". Zu mehr brachte sie es nicht.



Der letzte gesprochene Satz brachte Morris dazu wieder dieses helle Lachen erklingen zu lassen. "Kannst du auch mal nicht so ernst sein?" Er trat den Kippenstummel aus und nickte dann. "Recht hast du, war auch nicht geplant das ich so schnell bin" Etwas verlegen kratze er sich am Hinterkopf und sah dann auf sein Handy. Es war noch nicht Unterrichtsbeginn aber auch nicht mehr all zu viel Zeit, was ihn nun doch seufzen ließ. Er wollte einfach nicht in das Gebäude, und am liebsten wäre er wieder in seinen Wagen gestiegen und einfach irgendwo hin gefahren. Vielleicht ans Meer, aber auf jeden Fall irgendwo hin, wo keine Menschen waren, wo er sich niemandem stellen musste, keine Verantwortungen hatte und sich einfach einmal dem Gefühl hingeben konnte die Seele baumeln zu lassen. Doch stattdessen steckte er das Handy wieder weg und wand sich zu Vivienne. "Hab ich kursmäßig die letzten Tage was wichtiges verpasst?" Jetzt noch mit dem Unterrichtsstoff nicht mit zu kommen, konnte er sich beim besten Willen nicht leisten. Neben der Arbeit und dem Stress zuhause konnte er nicht auch noch irgendwelche wichtigen Aufgaben nacharbeiten, also hoffte er einfach mal auf Prinzip glück, das nichts wichtiges dran war. Seine Hände verschwanden in den Taschen seines weiten, schwarzen, Stoffmantels, der Ahnlichkeit mit einem dieser edlen Mäntel hatten, die Geschäftsmänner oft trugen, nur mit dem Unterschied das Morris nicht immer sehr ordentlich mit seinen Sachen umging und an dem Mantel einige Buttons, Sicherheitsnadeln und Aufnäher befestigt waren. Vieles davon waren schon seit Jahren daran. Ob es Vivienne auch so ging? Sie auch einfach weg wollte?


Vivienne war erstaunt wie schnell sie doch vergessen hatte,dass der Schwarzhaarige so nett sein konnte. Er wirkte leicht nachdenklich,doch seine Frage nach dem verpassten Unterrichtsstoff überspielte das schnell wieder. "Du kannst meine Notizen haben,da steht alles wichtige drauf. Und wenn du noch Nachfragen hast,ich kann es dir dann auch erklären." Sie lächelte ihn an und war wirklich froh,dass er wieder da war. Mo wusste ansatzweise,was in ihr vorging. Ihm hatte sie einen kleinen Einblick in die Welt hinter ihren Mauern gezeigt und dass Morris noch mit ihr redete,war wohl Beweis genug,dass das auch nicht so schlimm war. Seine Kleidung war außergewöhnlich,doch Vivi fand,dass sie zu ihm passte. Sie machte ihre Kippe aus und hielt den Rest ihres Kaffees Mo hin. Es war ein stummes Angebot,von dem sie hoffte,er würde es annehmen. Sie betrachtete seine Frisur und fragte sich,ob er seine Haare auch die letzten Male,als sie sich sahen so tief im Gesicht hängen hatte.
"Gleich beginnt der Unterricht",sagte Vivienne mit einem gequälten Ausdruck im Gesicht. "Ich würde überall lieber hinwollen als jetzt da hoch." Kurz überlegte sie noch,ob sie Mo jetzt danach fragen sollte,wo er geblieben ist oder ob sie das auf später verschieben würde,vielleicht war er auch einfach nur erkältet gewesen. Sie strich sich durch die Haare und hoffte damit ihre Frisur so zu richten,dass sie nicht ganz wie eine Vogelscheuche aussah.


Morris nahm den Kaffee dankend an, er war so unglaublich müde; bis spät in die Nacht hatte es noch riesen Streit mit seinem Vater gegeben und viel Schlaf hatte er nicht bekommen. Diese ganze Woche, so wie die Letzte, war einfach nur zum Kotzen gewesen. Und Vivienne heute wieder zu sehen war schon irgendwie ein Lichtblick. "Danke", nuschelte er, einen Schluck des Kaffees nehmend. "Das wäre super mit den Unterlagen, das wird so schon ziemlich hart mit dem Nacharbeiten, ich muss die ganze Woche arbeiten" Resigniert seufzte er leise "Ich hab keine Ahnung wie sich das alles zeitmäßig ausgehen soll..." Er leerte den Kaffe und warf den Becher dann weg. Als die beiden dann in das Schulgebäude gingen streckte der Schwarzhaarige sich leicht "Frag mich mal... am liebsten würde ich meine Sachen ins Auto packen und ans Meer fahren oder so..." Das Meer, er liebt es. Den Sand unter seinen Füßen, das Geräusch der Wellen einfach alles. 
Die Korridore waren voll mit Schülern die sich alle auf den Weg in ihre Klassen machten, und Morris tat sein Bestes sie alle einfach zu ignorieren. Er wirkte selbstbewusst, hatte den Blick geradeaus gerichtet, doch in ihm drin sah das ganze doch anders aus. Der Junge hatte allerdings gelernt sich seine Unsicherheiten nicht anmerken zu lassen. Seine zierlichen Finger griffen nach dem Türgriff und die Tür zum Unterrichtsraum wurde geöffnet. Ein kurzer Blick zu Vivi, der ihr mut zu sprechen sollte, wohl ahnend wie ihre Clique jetzt mit ihr umspringen würde, betrat er den Raum. Die Leute die hier saßen interessierten ihn nicht. Allgemein interessierte ihn nicht viel hier. Nicht einmal der Unterricht. Sie bekamen Zettel zum Ausfüllen, und Zettel zum Lesen. Dass Vivi gelegentlich zu dem Tattoowierten rüber sah bemerkte er kaum, denn sonst hätte er sich wahrscheinlich nicht so achtlos die Haare aus dem Gesicht gestrichen, um besser lesen zu können. Allein das berühren der Haut um sein Auge herum tat noch weh. Davon hatte er sicher lange was.


"Ans Meer?" fragte Vivienne gedankenlos nach. Sie war noch nie am Meer gewesen. Doch es blieb keine Zeit mehr, um dies Mo zu erzählen. Im Unterricht war es so langweilig wie immer. Nicht, weil Vivi nichts verstand, sondern das genaue Gegenteil. Sie tat bei den Zetteln die sie bekamen so, als würde sie lang daran sitzen, obwohl sie schon nach ungefähr einer Viertelstunde fertig war. Heimlich blickte sie immer mal zu dem Schwarzhaarigen rüber, mal aus dem Fenster und dann wieder gelangweilt auf ihr Blatt. Sie hörte das Getuschel der Mädels -welche mal ihre Mädels waren- im Hintergrund und sie spürte ihre Blicke im Nacken. Sie spielte mit einem Stift rum,welcher ihr -wie sollte es anders sein- runterfiel. Als sie sich runterbeugte, um ihn aufzuheben, viel ihr etwas seltsames an Morris auf. Er strich sich die Haare aus dem Gesicht und ein farbenfrohes Veilchen entblößte sich darunter. Es hatte alle Farben, die ein Bluterguss haben konnte. Das Auge war noch geschwollen und Viviennes Herz setzte einen Moment aus. Also ist ihm doch etwas passiert,weshalb er abwesend war. Sie war so fassungslos, dass ihr ein leises "Fuck" entwich, jedoch konnte man dies in der gesamten Reihe vernehmen. Schnell richtete sie sich wieder auf und beugte sich wieder über die Aufgaben. Vivi hoffte, dass alle dachten, sie wüsste bei einer der Aufgaben nicht weiter, denn den Schwarzhaarigen wollte sie nicht zu offensichtlich vor anderen Anstarren. Gleich in der Pause würde sie ihn fragen, woher das blaue Auge kam. Jetzt wurde sie zu allem Überdruss auch noch hibbelig. Mit einem Seufzer hob sie die Hand und vermittelte dem Lehrer,dass sie fertig sei.


Mo hatte nicht sonderlich Lust sich zu bemühen also ließ er es, füllte den Zettel eher halbherzig aus und begann auf seinem Zettel zu kritzeln. Sein Kopf dröhnte wieder und der Gedanke vielleicht doch wieder nach Hause zu gehen drängte sich ihm auf. Die kühlen Finger legten sich auf seine Schläfen und  er schloss die Augen, wartend auf das erlösende Klingeln das die Pause einläutete.  Kurz bevor er drohte ein zu schlafen ertönte dann das laute Klingeln. Die Stimmen hinter ihm, die tuschelten,versuchte er zu ignorieren,schnappte sich seine Tasche und verließ die Klasse. Er musste hier raus. Morris hatte oft diese Gedanken weg zu müssen, es löste oft schon fast Panik in ihm aus. Draußen stellte er sich wieder ans Tor. Der Junge war sich nicht sicher ob Vivienne es nicht doch vor zog, nicht mit ihm gesehen zu werden, also hatte er auch nicht gewartet. Er fummelte eine Zigarette hervor und steckte sie an.


Nachdem die unterrichtende Lehrkraft ihr weiter Aufgaben gab,war Vivi bis zum Ende des Unterrichts damit beschäftigt,diese zu lösen. Im Ansturm auf die Tür, verlor sie Mo komplett aus den Augen. Im vorbeigehen ignorierte sie einfach, was sie zu hören bekam über sich und den Schwarzhaarigen. Sollten sie sich doch die Mäuler zerreißen. Solang Vivienne einen Freund hier an der Schule hatte,war sie auch nicht einsam. Während sie auf den Schulhof ging und nach Morris Ausschau hielt, realisierte sie,dass sie diesen soeben als Freund bezeichnet hatte. Auch wenn es nur in Gedanken war. Doch bei ihm hatte sie sich nicht einschleimen müssen,sich verbiegen müssen oder schlecht über andere reden müssen um diesen Status zu erreichen. Er akzeptierte die echte Vivienne,auch wenn er diese noch nicht richtig kannte. Genau dasselbe konnte sie jedoch auch über sich sagen. Sie kannte Mo nicht wirklich. Doch das wollte sie bald ändern. Gerade als sie ihn erspähte und ihre Hand in ihre Hosentasche wanderte um die Zigarettenpackung rauszuholen,griff sie jemand von hinten am Handgelenk. Es war Sebastian. Er blickte sich um bevor er sprach, als ob es niemand sehen oder hören sollte,dass er sich mit ihr abgab. Innerhalb weniger Tage ist ihr Beliebtheitsstatus nach ziemlich weit unten gesunken. Sebastian raunte in ihr Ohr: "Mensch,Viv. Was war denn das schon wieder für eine Aktion? Willst du mich eigentlich vor versammelter Schülerschaft blamieren? Ich hab dir doch gesagt dass du dich nicht wie so ein spießiger Vollnerd verhalten sollst. Und wie zur Hölle läufst du denn rum? Ich muss mich echt für dich schämen. So will dich doch keiner anfassen,so...",er fasste eine ihrer Haarsträhnen und hielt sie zwischen zwei Fingern hoch,ehe er sie angewidert fallen lies,"so schlampig. Echt mal Viv,zieh zu dass du dir mehr Mühe gibst. Verstanden?". Damit dampfte er ab und lies Vivienne so bloßgestellt auf dem Schulhof zurück. Sie fühlte sich auf einmal sehr unwohl in ihrem Körper,ihrer Kleidung und an diesem Ort. Ihre Knie zitterten und ihre Atmung ging flach. Sie merkte sie sich Tränen in ihren Augen ansammelten,doch noch bevor eine ihre Wange nur berühren konnte,blinzelte sie sie weg. Nun war ihr gar nicht mehr danach,Mo zu fragen,was mit seinem Auge passiert ist. Sie wusste nur eins,dass sie sich elendig fühlte und hier weg wollte. So hatte wirklich noch nie jemand mit ihr gesprochen. Und schon gar nicht der Kerl,den sie eigentlich liebte.


 Morris stand am Tor, sah kurz immer wieder hinter sich, vielleicht aus Reflex, vielleicht auch aus dem Wunsch,dass Vivienne in Sichtweite war. Die Szene zwischen dem Rotschopf und Sebastian blieb ihm dadurch nicht verborgen. "Scheiße". Kurzerhand schnippte er seine nicht einmal zur Hälfte aufgerauchte Kippe weg und begab sich mit recht schnellen Schritten auf den Weg zu den beiden Jugendlichen, ohne wirklich darüber nach zu denken, hätte er es getan, hätte er es sich wahrscheinlich anders überlegt.Er griff nach dem Arm von Viviennes Freund, welcher doch um einiges größer war als er selbst, und riss den Jungen mit Schwung herum, so dass dieser nun Morris gegenüber stand.  "Du findest dich wohl ganz geil oder?" Ohne auch nur einen Millimeter zu weichen, und den Arm des anderen noch festhaltend sah er den größeren an. "Das ist deine Freundin und nicht irgend eine Nutte... wenn du so auf ein Püppchen aus bist, krall dir doch eine von den geistig grenzdebilen Modepuppen dahinten!". Er ließ den Arm des anderen los und deutete auf die ehemalige Clique von Vivienne. Sebo schien das ganze allerdings nicht sonderlich zu beeindrucken, stattdessen lachte der größere laut auf. Morris' Magen verkrampfte sich dabei. Er hasste es so bloßgestellt zu werden und wusste nun auch nicht mehr recht, was er sich dabei gedacht hatte dazwischen zu gehen. "Ist ja super, dass du das so lustig findest, zeigt ja nur, dass du und diese Barbies da super zusammen passen. Alle nichts im Hirn". Er verschränkte die Arme vor der Brust und blieb stur stehen. Er wollte und er würde auch nicht klein bei geben, so sehr er jetzt grade auch seine Aktion bereute.


Gerade als Sebastian im Inbegriff war,sich von ihr zu entfernen,schnellte schon der Schwarzhaarige an und griff den Größeren am Arm. Vivienne schlug vor Schock die Hand vor dem Mund und in der Entfernung tat ihre alte Clique es ihr gleich,mit dem Unterschied dass die Weiber gleich zu tratschen begannen. Mo,der kleiner war als der fast zwei Meter große Sebastian, wirkte trotzdem -vielleicht durch seinen Mut- groß und kräftig. Sebastian fing lauthals zu lachen an,während Vivi in eine Art Schockstarre verfiel. Ihre Augen waren geweitet,während Mo sich mit verschränkten Armen vor Sebo stellte und ihm eine Art Standpauke hielt. Sebastian jedoch würdigte Mo keines Blickes,griff Vivi am Oberarm und schüttelte sie leicht. "Na, da hast du ja einen schönen Vollidioten gefunden,passt jetzt ja voll zu dir.". Ruckartig lies er sie los,spuckte Mo vor die Füße und ging zu seinen knallpinken Groupies,welche schon schmachtend auf ihn warteten,um seine "tapfere Tat" zu bewundern. Viviennes Haare fielen ihr zerzaust ins Gesicht, ihre Schultasche lag entfernt von ihr. Bei der heftigen Aktion hatte sie sie einfach fallen gelassen. Mo stand noch immer mit verschränkten Armen da, er wirkte auf sie unwirklich, was wohl daran lag,dass sich ihre Augen erneut mit Tränen füllten,doch diesmal war es zu spät,diese aufzuhalten. Ungeniert und tonlos kullerten ihr die heißen Tränen das Gesicht runter. Es war wohl doch gut,dass sie sich heute nicht zurecht gemacht hatte.


Morris wirkte unbeeindruckt von Sebastian, er wand sich um, ging zu Vivienne, ohne darüber nach zu denken strich er ihr die Haare aus dem Gesicht. "Komm mit". Mo nahm ihre Hand und zog sie, allerdings nicht sehr bestimmend mit sich, hob auf dem Weg seine und ihre Schultasche auf und führte sie zu seinem Auto. "Wir hauen jetzt hier ab." Das Schloss seines Wagens klickte leise und er öffnete die Tür. "Und dein Vertrauensschülerkram ist jetzt egal, du brauchst mal 'ne Auszeit von diesen Idioten.". Er wartete bis Vivienne sich in den Wagen gesetzt hatte und stieg dann selbst auf der Fahrerseite ein und startete den Motor. Er hoffte einfach darauf, dass Vivienne wusste dass er sicher nichts Dummes tun würde. Er wollte mit ihr ans Meer. Der Junge griff in sein Handschuhfach und reichte dem Mädchen eine Packung Taschentücher, dann musste sie nicht ihren Ärmel nehmen um sich die Tränen weg zu wischen. "Ich kann echt nicht damit umgehen wenn du weinst.",meinte er leise beiläufig klingend, während sein Blick auf die Straße gerichtet war. Das mit Sebastian machte ihn noch immer unglaublich sauer. Wie menschenverachtend diese Leute hier waren; das toppte fast seine alte Schule.


Vivienne lies sich einfach von Mo mit in sein Auto ziehen ohne vorerst Nachfragen zu stellen. Sie war damit beschäftigt, den Schwall an Tränen unter Kontrolle zu bringen,doch Morris kam ihr entgegen, indem er ihr eine Packung Taschentücher gab. Sie nahm eines der Tücher heraus,entfaltete es sorgsam um es dann genauso sorgsam erneut so zu falten,dass sie sich schnäuzen und die Tränen wegwischen konnte. Vivienne war unfähig zu sprechen. Sie hatte ein Gefühl,was sie noch nie zuvor erfahren hatte. Sie fühlte sich irgendwie schmutzig und unbrauchbar,hässlich und ungeliebt. Während Vivi sich apathisch immer wieder über die Arme strich,um sich zu beruhigen, fuhr Mo mit seinem alten Wagen einfach weiter in eine bestimmte Richtung,die sie nicht kannte. Mo schien jedoch zu wissen wohin es geht,denn er wirkte so sicher. "Wo fährst du mit mir hin?",sprach Vivi mit dünner Stimme. Wohin es ging war ihr egal,allein die Tatsache,dass Mo es war,der sie mitnahm beruhigte sie ungemein. Sie lies das Fenster des Autos runter und lehnte ihren Kopf an den Rahmen. Der frische Wind tat gut; ihr stieg der ferne Geruch von Salz in die Nase und am Himmel konnte sie vereinzelt Möwen sehen. Da  hatte Vivienne also ihre Antwort: Mo nahm sie mit ans Meer.

1 Kommentar:

  1. Eine tolle Story, bin bei Kapitel 5 und will unbedingt weiter lesen :)

    AntwortenLöschen