Samstag, 14. Juli 2012

Oo Chapter 2 oO - School

Es war bereits Montag, doch steckte der vergangene Samstag dem 19-jährigen noch immer in den Knochen.Müde lehnte er sich gegen die rote Backsteinmauer. Schulwechsel, wieder einmal. Mo hatte keine Ahnung was die Lehrkraft so lange im Sekretariat machte -und im Prinzip war es ihm auch egal, nur das rumstehen begann an seinen ohne hin schon dünnen Nerven zu zerren. Die dunkle Tür öffnete sich „So, dann wollen wir mal“ Der dickliche Mann ging strahlend vorraus, Mo folgte augenverdrehend. Sie steuerten auf eine kleine Gruppe Jugendlicher zu, welche sich gerade in der Pausenhalle aufhielten. „Ah Frau Gray, ich hatte Ihnen ja bereits Bescheid gegeben,dass wir ab heute einen neuen Schüler in der Klasse haben“. Mo sah hoch und erkannte das Mädchen aus dem Club wieder. „Also würden Sie Herrn Brady bitte die nötigen Unterlagen geben und ihm kurz die Schule zeigen?“

Vivienne stand wie jeden Morgen unter der Woche,mit ihrer Clique in der Pausenhalle.
Sie bildeten einen Gesprächskreis,was sie einerseits von den anderen abgrenzte,oder eher die anderen von ihnen abgrenzte und andererseits würde niemand mehr hinzukommen können.Sie gehörten den Beliebten und Hübschen der Schule an,manche mehr oder minder intelligent.Auch Vivienne gehörte dazu.Die Mädels erzählten,wer sie am Samstag im Club alles angegraben habe,doch keine von ihnen Sprach über Sebastian. Aber jede wusste,dass Vivienne weiß,was er so treibt.Wie jeden Morgen hörte sie nur halbherzig zu,nickte und kicherte wenn es angepasst war.Aber sie langweilte sich furchtbar.Diese Gespräche entsprachen schon lange nicht mehr ihrem Intellekt.
Als der Oberstufenleiter auf sie zu kam und sie ansprach,war Vivienne aus den Gedanken gerissen.
Sie sah den neuen Schüler an -sie wusste seit Freitag,dass ein Neuer kommen würde- aber mit Mo,dem Barkeeper aus dem Club, hatte sie nicht gerechnet.Sie schielte zu den anderen Mädels rüber und sah,wie sie missbilligende Blicke auf ihn warfen.Sie setzte ein genervtes Gesicht auf und tat so,als würde sie Mo nicht kennen.
Mit gelangweilter Stimme sagte sie:'' Hey,ich bin Vivienne,die Vertrauensschülerin. Willkommen an unserer gymnasialen Oberstufe.'' Sie traute nicht,Mo in die Augen zu sehen.Sie warf ihrer Clique einen gespielt heiteren Luftkuss zu,winkte kurz und verdrehte merklich die Augen um den anderen zu signalisieren,wie sehr sie das doch ankotzen würde. ''Komm mit.'',wies sie Mo nur kurz an und bog in den Ostflügel ein,wo sie nur noch zu zweit waren und sie endlich aufhören konnte,so desinteressiert zu tun.

Mo folgte dem Rotschopf und sah sich mehr oder weniger interessiert um. Zu der Mädchengruppe sagte der Junge nichts, wieso auch es war nicht seine Sache und er hatte nicht vor es zu seiner zu machen. Er konnte diese ganzen Cliquen ohne hin nicht leiden. Sie machten nur Ärger. „Hör mal, ich muss mir diese Tour nicht unbedingt antun, gib mir einfach die Unterlagen oder was auch immer und gut ist“ .Beherzt gähnend sah der Schwarzhaarige auf sein Handy. Er hatte jetzt schon keine Lust mehr hier zu sein.

Vivienne blieb stehen und sah den Jungen an.Erst jetzt fiel ihr der Größenunterschied auf. Das verwunderte sie schon etwas,Jungs in seinem Alter waren eigentlich viel größer.Aber sie kümmerte sich nicht weiter darum und sprach zu ihm:'' Doch,Mo.Ich muss das hier machen. Ich bin Vertrauensschülerin.Hier hast du deinen Stundenplan.Du kannst damit machen was du willst,aber die erste Stunde müsste ich dich hier umher führen.'' Vivienne seufzte erneut. ''Du kannst auch tun was du willst in der Zeit,Hauptsache wir kommen zusammen in den Klassenraum in der 2. Stunde. Wir haben zufällig dort den selben Kurs. Zudem auch noch Dienstag,jeden zweiten Mittwoch und Freitags sind wir in fast den gleichen Kursen.'' Sie blieb einfach stehen und wartete auf eine Reaktion.

Der 19-jährige bemerkte die Blicke der Rothaarigen. Sicher war es normal,dass andere einen ansahen, doch dem Jungen war dabei jedes Mal wieder unbehaglich.Automatisch vergrub er seine Hände in seinen Hosentaschen und sah das Mädchen flüchtig an: „Dann treffen wir uns kurz vor Unterrichtbeginn hier wieder und ich geh' eine rauchen…“. Mit diesen mehr genuschelten Worten drehte er sich auch schon weg und begab sich nach draußen an die frische Luft. Vivienne machte den Jungen schon etwas nervös. Was wahrscheinlich daran lag das sie schon ein gutes Stück größer war als er selbst, oder an der Tatsache,dass sie wirklich sehr hübsch war. Sein Abgang war zwar nicht sehr höflich gewesen,aber dieses ganze Rumführen ging ihm ziemlich auf den Keks.

Als Mo einfach abzischte und Vivienne einfach so da stehen lies,ohne ihr die Möglichkeit zu geben,noch etwas zu sagen,war sie fassungslos. Sie fühlte sich irgendwie vor den Kopf gestoßen. Was war nur mit dem Kerl? Im Club gab er ihr noch ein kaltes Getränk aus und jetzt lies er sie eiskalt stehen.In Viviennes Kopf ratterte es.Sie kramte ihren Ipod raus,steckte sich die weißen Stöpsel tief in die Ohren und schaltete die Musik an.Es erklangen liebliche Klaviertöne und Streicher,die die Komposition von einem koreanischen Pianisten harmonisch unterstrichen. An Ort und Stelle lies sie sich auf den Boden sinken. Ihren Rücken lehnte sie an die Wand,die Knie zog sie an sich ran und bettete ihren Kopf auf ihnen.Vivienne mochte diese Position am liebsten,sie war bequem und verschaffte einem das Gefühl von Schutz.Und so saß sie da und wartete bis der wilde Schwarzhaarige wiederkam.

Der Tattoowierte lehnte an der Außenmauer und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Die Situation machte ihn nervös und langsam begann die Angst vor den Mitschülern unter seine Haut zu kriechen. Vielleicht hätte er, trotz der Wärme, besser einen Pulli angezogen;nicht jeder reagierte unbedingt positiv auf seine unzähligen Tattoos. Der Junge schüttelte sachte, kaum merklich den Kopf. Das war doch Unsinn was er da dachte. Er machte sich schon wieder Gedanken, wo er sich eigentlich keine machen musste. Wenn sie ihn nicht mochten, bitte, dann war das so. Er hatte außerhalb der Schule genug Freunde, hier brauchte er nicht unbedingt welche. Mo sah auf die Uhr und seufzte. 15 Minuten noch. Vivienne schien ihre Position als Vertrauensschülerin recht ernst zu nehmen und er wollte sie nicht unnötig stressen ,also stieß er sich sanft von der Mauer ab und begab sich wieder zu ihr.

Mittlerweile hatte Vivienne ihre Augen schon geschlossen,die Musik füllt ihren ganzen Körper aus. Dies hilft ihr immer etwas,den Kopf abzuschalten und ganz sie selbst zu sein.Sie spürte,wie der Schlaf auf einmal an ihr zerrte,doch sie wehrte sich nicht dagegen. In den Nächten bekam sie nie viel Schlaf,da Sebastian entweder die ganze Nacht zockte oder anderweitig spielte.Durch die Kopfhörer im Ohr hörte sie auch nicht,dass sich Schritte näherten.

Mo beobachtete das Mädchen einige,wenige Minuten,ehe er kurzer Hand vor ihr in die Hocke ging und ihr den Kopfhörer aus dem rechten Ohr zog. „Der Unterricht fängt gleich an“,waren seine knappen Worte und er richtete sich wieder auf um die Kippenschachtel, welche er bis eben noch in der Hand gehalten hatte, wieder in seine Hosentasche zu quetschen. Er hielt dem Mädchen die Hand hin, um ihr auf zu helfen.

Die ersten Träume schlichen sich schon in Viviennes Bewusstsein,doch ehe sie die Bilder greifen konnte,wurde sie wieder an die Oberfläche gezerrt.Die Musik wurde leiser,eine helle Stimme drang verschwommen zu ihr vor.Es dauerte eine kleine Weile,bis sie die Augen öffnen konnte.Sie hob den Kopf und es war Mo,wer auch sonst.Verdutzt schaute sie ihn an,nicht wissend,ob sie deine Hand annehmen soll,oder allein aufstehen sollte.Nach seinem Abgang vorhin hätte er es verdient abserviert zu werden und doch,sie nahm seine Hand und ließ ihren trägen Körper hochhieven.Ihre Glieder fühlten sich steif an.Sie streckte und dehnte sich kurz und sprach dann zu Mo knapp:''Danke.Ich bin fast weggenickt,entschuldige. Na dann auf zu neune Taten.'' Einen herzhaften Gähner konnte sie sich dabei nicht verkneifen.

Der Schwarzhaarige nickte nur und folgte Vivienne in Richtung Klassenzimmer. Er wurde merklich nervöser. Beiläufig strich er sich eine Strähne aus dem Gesicht und begann an seinen Piercing zu spielen, eine ziemlich dumme Angewohnheit, zumal er sich dabei schon das eine oder andere Mal böse auf die Lippe gebissen hatte. Doch es lenkte ihn immer wieder ein wenig vor der Nervosität ab. Denn die berief sich diesmal eher auf die Lehrkraft als auf die Schüler.

Vivienne drehte sich kurz zu Mo um,bevor sie das Klassenzimmer betraten.''Die Lehrer sind alle ganz nett hier,also keine Panik. Ich werde dich der Klasse schnell vorstellen und dann kannst du dich auch schon setzen. Ehm...dein Nachname war Brady?!''.
Sie klopfte an die Tür des Kursraums und trat ein. ''Bitte entschuldigen sie die Verspätung,Herr Peters. Ich habe den neuen Schüler das Schulgebäude gezeigt.Ich möchte euch...'',Vivienne stockte kurz. War Mo überhaupt der richtige Name? Sie warf einen verzweifelten Blick zu Mo rüber,welcher irgendwie sehr distanziert aussah.''Ich möchte euch Mo Brady vorstellen,er geht ab heute auf diese Schule.''
Vivienne deutete Mo den freien Sitzplatz an und begab sich eleganten Schrittes zu ihren eigenen um dann den Unterrichtsgeschehen zu folgen.

Der Schwarzhaarige sah sich kaum merklich um, schon jetzt begann er sich abzugrenzen; die Schüler sahen interessiert hoch zu Vivienne und ihm. Als der Rotschopf ihn hilfesuchend anblickte,nickte dieser nur leicht. Der Lehrer schien etwas verdutzt zu sein, blätterte einige Zettel durch und runzelte dann leicht die Stirn, während Mo sich auf den angewiesenen Platz setzte.


Sobald Vivienne auf ihren Platz war,wurde sie von beiden Seiten zugezwitschert.Die Mädels neben ihr kicherten und lästerten und fragten sie,was das für ein Typ sei. Sie machten sich über ihn lustig und bemitleideten sie,da sie ihn die Schule zeigen musste.
Aber sie machte einfach dicht und hörte nicht mehr zu.Stattdessen begann sie gedankenverloren in ihrem Block herumzukritzeln.Plötzlich vibrierte ihr Handy. Sie schaute unauffällig drauf.Es war eine SMS von Sebastian.Sie konnte den Anfang lesen und das genügte ihr schon um die Nachricht nicht zu öffnen und ganz zu lesen.

Der Schwarzhaarige seufzte genervt und stützte seinen Kopf auf seinen Händen auf. Er begann auf seinem Block herum zu kritzeln, verdrehte,surreale Körper wurden aus seinem Stift geboren und so verging die Stunde zäh, bis das Klingeln Mo aus der lähmenden Langeweile erlöste. Langsam erhob er sich, der Junge hatte keine Eile, er kannte hier schließlich niemanden.

Als es endlich zur Pause klingelte,entschuldigte sich Vivienne schnell bei den Mädels und flunkerte,sie müsse nochmal ins Sekretariat wegen dem Neuen. Die Clique heuchelte Mitleid vor,doch Vivienne bildete sich ein,dass sie sogar ganz froh waren,sie nicht dabei zu haben. Sie wusste genau,dass die Lästerrunde eröffnet war,sobald sie ging. Hinter ihrem Rücken zerrissen sie sie in Luft.Ihre Kleidung,ihr Make-Up,ihr Haar,einfach alles. Vivienne wusste es und suchte das Alleinsein. Sie wollte auch vor Sebastian flüchten,also verschwand sie ungemerkt in einen der Mädchentoiletten und schloss sich dort ein. Sie klappte den Klodeckel runter,setzte sich drauf und zog, wie vor der Stunde ,die Knie an ihr Kinn.Diesmal aber befahl sie ihrem Körper,wach zu bleiben.Doch ihre Lider wurden wieder schwerer.''Das kann doch nicht sein'',fluchte sie in Gedanken.Demnach beschloss Vivienne,doch hinaus zu gehen,an die frische Luft,sich bewegen und sich damit eventuell auch die Müdigkeit aus den Knochen zu holen.Sie sprang auf und rannte los.Sie rannte,denn etwas anderes wollte sie nicht tun.''Renn. Renn davon.In den den nahe gelegenen Wald vielleicht.'',schoss es ihr durch den Kopf.


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